Full text: Deutschland als Kolonialmacht.

  
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aufgerieben. Amerikanische Historiker pflegen das Vorgehen der Spanier gern als 
brutal und gransam und den Widerstand der Eingeborenen als eine Reaktion spanischer 
Gewalttaten hinzustellen. Das sind aber Behauptungen, die den historischen Tatsachen 
einfach widersprechen. Leider haben wir Deutsche es ja ebenfalls erfahren müssen, daß 
man den Ponapesen gegenüber auf jede Hinterlist gefaßt sein muß. 
Auf den Karolinen sind folgende Missionen tätig: An Stelle der erwähnten ameri- 
kanischen Mission die dentsche evangelische Liebenzeller Mission, die auf den östlichen 
Inseln gute religiöse und auch nationale Erfolge erzielte, ferner die deutsche Kapuziner- 
Mission. Diese hat in den letzten Jahren ihr Personal sehr verstärkt und besonders auf 
den westlichen Inseln eine umfassende Kulturarbeit begonnen. Etwa ein Fünftel der 
Karoliner dürften heute dem Christentume angehören. 
Der Ubergang der Karolinen nebst den Marianen in deutschen Besitz erfolgte 1900 
durch Kauf, da die Spanier nach Verlust der Philippinen kein Interesse an dem damals 
wirtschaftlich wenig bedeutungsvollen Gebiet hatten. Der Preis war 16¾ Millionen 
Mark. Die ersten Jahre deutscher Herrschaft verliefen selbst in Ponape ohne ernste 
Ruhestörungen, dank der geschickten Politik des damaligen Verwaltungschefs der 
Karolinen, des Vizegouverneurs Hahl. Seine Amtsnachfolger verfügten leider nicht 
über ein solcher Verwaltungsgeschick, so daß es zu Gärungen, dann zu offenen Gehorsams- 
verweigerungen eines der Ponapesenstämme und schließlich zur hinterlistigen Ermordung 
des deutschen Bezirksamtmannes Böder und dreier seiner Beamten kam. Es wurde 
eine Marineexpedition, bestehend aus Schiffen des ostasiatischen Geschwaders und der 
Südseestation entsandt und dann erfrenlicherweise sofort gründlich durchgegriffen.Die 
Landungsabteilungen der Kriegsschiffe trieben die Aufständigen nach mehreren schweren 
Gefechten derart in die Enge, daß sich die Uberlebenden schließlich ergaben. Die Haupt- 
rädelsführer wurden abgeurteilt und hingerichtet, alle anderen Stammesangehörigen 
mit Frauen und Kindern nach den Westkarolinen deportiert. Nach Statuierung dieses 
Exempels wird die Ruhe hosfentlich endgültig gewahrt bleiben, denn die gänzliche Aus- 
merzung des einen Volksstammes hat auf die zurückgebliebenen Stämme einen un- 
geheneren Eindruck gemacht. 
Die Organisation der deutschen Verwaltung auf den eigentlichen Karolinen ist 
folgendermaßen: Auf Jap und Ponape je ein Bezirksamt, auf Truk, Koror, Palau und 
Angaur Regierungsstationen. 
Als Dentschland den alten spanischen Besitz kanfte, der für die Abrundung unseres 
Südseereiches von großer Bedentung war, da dünkte selbst manchem Kolonialfreunde 
diese Ausgabe doch reichlich groß, zumal das Inselgebiet einen fortlaufenden dauernden 
Zuschuß erforderte, während die wirtschaftliche Entwicklung der Karolinen erst so wenig 
vorangeschritten war, daß auf steigende eigene Einnahmen des Schutzgebietes kaum 
gerechnet werden konnte. - 
Für tropische Kulturen größeren Stiles sind die kleinen Koralleninseln allerdings 
wenig geeignet, da es an den hierzu erforderlichen Flächen fehlt. Die höheren Inseln 
sind aber auch nur bedingt hierfür geeignet, teils weil das Bergland fast allen Raum 
ansfüllt, teils auch weil besondere lokale Gründe die Anlage größerer Pflanzungen 
nicht ratsam erscheinen lassen. Das ist der Fall auf Jap, wo die Schildlauskrankheit 
seit über einem Jahrzehnt unter den Kokospalmenbeständen wütet. Daneben liegt Jap 
so recht im Bereiche der Taifune, welche in regelmäßigen Zeitränmen besonders über 
die Westkarolinen hinwegbrausen. Auch die Palaninseln haben sehr unter den Taifunen 
zu leiden, wo ja auf Baobeltaob größere Landflächen zur Verfügung stehen. Damit 
soll nun nicht gesagt sein, daß für eine beschränkte Anzahl von Pflanzungsunternehmungen 
an besonders geschützten Plätzen nicht hinreichend Raum sei. Das ist immerhin wohl 
möglich, aber um Kulturnnternehmungen ins Werk zu setzen, in erheblichem Umfange 
wie auf dem Bismarckarchipel, dazu fehlt es vor allem an der genügenden Zahl ein- 
heimischer Arbeiter. 
Sehr wohl aber läßt sich die Produktion der Eingeborenen erhöhen dadurch, daß 
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