Full text: Deutschland als Kolonialmacht.

  
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diese zum Anpflanzen von Kokospalmen in größerem Maße veranlaßt werden. Die 
bisherigen Ausfnhren an Kopra waren noch recht bescheiden, wenn sich auch alles in 
allem eine Steigernng bemerkbar macht. In der geuannten Richtung haben sich denn 
auch die Bemühnngen der Regieiung und der Finmen (namentlich die Jaluitgesellschaft 
und die 1912 ins Leben gerusene West-Karolinen-Gesellschaft) bewegt, um die Steuein 
und die Kaufkraft der Eingeborenen zu erhöhen. So haben und werden denn auch die 
Kokospalmenbestände merkliche Vergrößerung erfahren, was demnächst unbedingt eine 
Hebung des Gesamthandels zur Folge baben wird. 
Die Ausfuhr von Perlmutterschalen und Muscheln hatte 1911 einen Wert von 
über 100 000 Mark. 
Ein ganz bedeutender Umschwung in den finanziellen Verhältnissen des Schutz- 
gebietes trat indessen vor einigen Jahren dadurch ein, daß auf der südlichsten Iusel der 
Palangiuppe, Angaur, und auch auf anderen Inseln der Westkarolinen Phosphatlager 
festgestellt wurden. Auf Angaur werden dieselben jetzt von der Deutschen Südsee- 
Phosphat-Gesellschaft abgegraben. Als Arbeiter kommen neben chinesischen Handwerkern 
und Maschinisten Karoliner zur Veiwendung. Die dieser Gesellschaft erteilte Konzession 
ist so, daß von den Einnahmen auch die deutsche Regierung einen bedentenden Auteil 
erhält. Die Förderungen steigern sich zusehends und betiugen: 
1900 8 641 t im Werte von 207 000 Mark. 
1910 35 958t4 „ „ „ 936 000 „ 
19112 .... 44 6560 t „ „ „ 1250 000 „ 
Die Marianen, deren größte Insel, Guam, leider amerilanisch ist, haben nur geringe 
Bedentung. Erheblich nördlicher gelegen als die Karolinen, weisen sie entsprechend 
niedrigere Temperaturen und geringere Niederschläge auf. Die Zahl der Einwohner 
auf den Inseln, die ausnahmslos vulkanischen Ursprungs sind, beträgt nur etwa 3700, 
davon sind 1800 Chamorros und Tagalen, in deren Adern viel spanisches Blut fließt, 
weitere 1800 Karoliner und etwa 70 Samoaner, welche wegen politischer Umtriebe 
nach Saipan verbannt winden. Der Sitz der deutschen Verwaltung ist auf der Insel 
Saipan. Das hauptsächlichste Ansfuhrprodukt der Marianen ist ebenfalls Kopra, daneben 
werden in beschränktem Maße neuerdings Tabak und Seife exportiert. 
Auf mehreren der Juseln gibt es ganz beträchtliche Rinderherden. Vor vielen 
Jahren eingeführte Hirsche haben sich gänzlich akklimatisiert, stark vermehrt und jetzt 
ganz den Charakter einer besonderen 4 (Cervus marianus) angenommen. 
Die Zahl der auf den Karolinen mit Marianen und Marshalliuseln lebenden Weißen 
beträgt 425. Es sind außer Beamten und Missionaren fast ausnahmslos Angestellte 
der im Inselgebiet tätigen Firmen. Selbständige Ansiedler sind nur sehr wenige 
vorhanden. 
Die Marshallinseln. 
Ostlich der Karolinen liegt die nur aus Atollen bestehende Marshallgruppe, zu der 
auch verwaltungspolitisch die unmittelbar am Aquator liegende gehobene Koralleninsel 
Nauru gehört. Flora und Fauna sind fast dieselben wie auf den östlichen Atollen der 
Karolinen. Die Bevölkerung hat, wenn sie auch nicht reinrassig ist, doch einen über- 
wiegend polynesischen Charakter und viel Ahnlichkeit mit den Hawaiern, mit welchen 
die Marshallaner, vorzügliche Seefahrer, seit alten Zeiten in Verbindung standen. Die 
Inselu sind immerhin noch dicht bewohnt (10 500 auf 400 qkm), trotzdem im Laufe der 
letzten Jahrzehnte eine sehr große Bevölkerungsabnahme stattgefunden hat, eine Folge 
der von den Weißen eingeschleppten Krantheiten, insbesondere der Tuberkulose und 
der Lues. Angeblich sollen 90 Proz. der Eingeborenen an dieser Krankheit leiden derart, 
daß wegen mangelnden oder ungenügenden Nachwuchses das gänzliche Aussteiben der 
Insulaner besürchtet werden muß. Sie würden damit das Schicksal ihrer hawalüschen 
Verwandten teilen, deren Zahl in etwa 100 Jahren von 300 000 auf 20 000 gesunken ist. 
Die Marshallaner sind ein freundliches, sympathisches Völkchen, das, wenn auch
	        
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