Full text: Deutschland als Kolonialmacht.

πí ννí 
Apiaberges aus der Ebene empor, mit einem Vorsprung, dem Vaeaberge. Von hier 
aus nach Osten zu wird das Bergland nuregelmäßiger und zerrissener. 
Das Innere Upolus ist von Eingeborenen nicht bewohnt, aber zahlreiche Fußpfade 
führen durch den Wald bis auf die höchsten Bergspitzen und über dieselben hinüber zur 
anderen Küste. Im Gegensatz zu Sawain ist Upoln reich an Flüssen, die zwar alle wenig 
tief sind und nur einen kurzen Lauf haben, aber doch durchweg das ganze Jahr hindurch 
Wasser führen. In den Bergen murmelt und sprudelt es von zahllosen Bächen und 
Quellen, da rauschen und brausen die Wasserfälle aus ungeheuerer Höhe hinab ins Tal 
oder stürzen sich auch gleich vom steilen Felshang ins unendliche Weltmeer. 
Mit Häfen ist es schlecht bestellt auf den Samoainseln. Der einzig sichere liegt auf 
Tutuila, der amerikanischen Insel. Der wichtigste, der Hafen von Apia, ist eigentlich 
nicht viel mehr als eine offene Reede, die eingefaßt ist von zwei Halbinseln, im Westen 
von Mulinun, im Osten von Matantu. Bei Nordwind ist es direkt gefährlich für die 
Schiffe wegen seiner vielen Korallenklippen. Etwas sicherer, aber viel kleiner, ist der 
Saluafatahafen, der den deutschen Kreuzern bei schlechtem Wetter als Schutzhafen dient. 
Samoa hat ein gleichmäßiges, tropisches Seeklima. Es ist für den Weißen durchaus 
gesund, denn es ist frei von allen tropischen Fiebern. Schon viele Beispiele haben den 
Beweis gebracht, daß auch weiße Kinder gut gedeihen und kräftig aufwachsen. Die 
Temperatur ist keinen großen Schwankungen unterworfen; im Mittel beträgt sie in 
Apia 25,7° C. Am schwülsten und drückendsten empfindet man die Wärme in der Regen- 
zeit (vom November bis April). Dies ist auch die Zeit, da schwere, orkanartige Stürme, 
aber keine Wirbelwinde wie auf den Karolinen, die Inseln heimsuchen. Frühling und 
Sommer aber (Mai bis Oktober) sind eine köstliche Zeit. Dann erquicken die frischen 
Passatwinde und die nächtlichen Landbrisen. 
Auch während der Trockenzeit fallen meist noch hinreichende Niederschläge, so daß 
das ganze Jahr hindurch die Inseln in ein dichtes grünes Urwaldkleid gehüllt sind. Da 
ist kein Fleckchen Erde, auf dem es nicht grünt und wuchert. Die schroffsten Felsen sind 
nicht zu steil, als daß nicht, in Spalten und Rissen sich anklammernd, Farne, Moose und 
Kletterpflanzen ihr Blättergewirr über sie ausbreiteten. Die Flora der Inseln ist der 
des Bismarckarchipels nahe verwandt. Im Urwalde, der nur von den Kulturen der 
Menschen zurückgedrängt wird, finden sich viele Nutzhölzer, die den Eingeborenen Bau- 
holz und Farb= und Faserstoffe liefern. Der wichtigste Nährbaum ist, wie auf allen 
Inseln der Südsec, die Kokospalme. Daneben sorgen noch der Brotfruchtbaum, die 
vielen Bananen, der indische Mangobaum und der in reinlichen Pflanzungen angebaute 
Taro für Abwechslung in der vegetabilischen Nahrung. 
Die Tierwelt ist ebenso arm an Arten wie auf den schon beschriebenen Inseln. 
Fliegende Füchse und einige Fledermäuse sind die einzigen einheimischen Sängetiere. 
Ratten und Mänse, von außen eingeschleppt, fehlen leider auch auf Samoa nicht. Pferde 
und Rindvich, Schweine, Hunde und Katzen werden als Nutztiere gehalten. Reicher an 
Arten sind Vögel vertreten, darunter die merkwürdige Zahntaube. Im Walde gurren 
zahlreiche bunte Tauben, auf die der Samoaner eifrig Jagd macht, pfeift in der Morgen- 
frühe der Tropenstar sein melancholisches Lied, schwirren winzige, farbenschillernde 
Honigsauger von Blüte zu Blüte, und in den Wipfeln der Banmriesen nisten schneeweiße, 
langschwänzige Tropikvögcl. 
Die Bewohner dieser paradiesischen Inseln stellen den reinsten Typ polynesischer 
Nasse dar. Von Natur aus gutmütig, heiter und gastfrei, haben sie den Weißen stets 
freundlich aufgenommen, und ihrer Schönheit, der Aumut ihrer Sitten und Gebräuche 
ist schon manches Loblied gesungen worden. Ihre Zahl betrug im Jahre 1911 
33 550 Köpfe. Schou vor mehreren Jahrhunderten lebten die Samoaner in geregeltem 
staatlichen Verbaude, dessen Grundstock die Familie war. Mehrere Familien bilden 
eine Dorsschaft, die unter einem Häuptling steht. Diese Dorfschaften vereinigen sich 
wieder zu größeren Distrilten, deren Führer den Königstitel zu vergeben hatte, und 
nur der Häuptling, der die Stimmen der vier wichtigsten Distrikte auf sich vereinte, 
9 
   
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.