Full text: Deutschland als Kolonialmacht.

  
  
   
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Uberlegenheit zur See von der Heimat ziemlich abzuschneiden — allerdings, ohne daß 
die Regierung Ludwigs XV. auch hier ernstlich an Unterstützung ihrer gefährdeten 
Stellung dachte — und den tüchtigen französischen Führer Montcalm bei Quebec ent.- 
scheidend zu schlagen. Die Folge des Sieges war der Verlust Kanadas für Frankreich; 
ebenso mußte der östlich des Mississippi gelegene Teil Louisianas im Frieden von Paris 
1763 an England abgetreten werden. Bald darauf trat Frankreich auch die Westhälfte 
an Spanien ab und gab damit seine Stellung in Nordamerika gänzlich verloren. 
   
Der Abfall Nordamerikas und seine Folgen. 
Wirtschaftspolitisch hat England seine Kolonien bis zum Abfall Amerikas in ähn- 
licher Abhängigkeit gehalten wie Spanien. In Erweiterung der Navigationsakte war 
1660 und 1663 bestimmt worden, daß in den englischen Kolonien nur englische Schiffe 
verkehren, Waren aus den Kolonien nur nach dem Mutterlande und ausländische Waren 
nur über das Mutterland in die Kolonien eingeführt werden durften. Alle diese Be- 
stimmungen waren auch mit ihren Ausnahmen allein im Interesse des Mutterlandes 
abgefaßt. Ebenso zeigte sich England, ausschließlich zum Schutz seiner aufblühenden 
Indnstrie, bestrebt, jede industrielle Betätigung in den Kolonien zu unterdrücken. Die 
amerikanischen Produkte durften nur als Rohprodukte bzw. Halbfabrikate ausgeführt 
werden, um dem Mutterlande die industrielle Verfeinerung sicherzustellen. Dazu kamen 
die von der Heimat erhobenen Zölle. 
Daß diese Verhältuisse auf die Dauer zu Unzuträglichkeiten zwischen den 13 alten 
amerikanischen Kolonien und England führen mußten, kann nicht wundernehmen, 
wenn man die hohe Qualität des dortigen Ansiedlermaterials, ihre durch die Gewohn- 
heit der inneren Selbstverwaltung erlangte politische Schulung und ihre wirtschaftliche 
Bedeutung im Rahmen des damaligen englischen Reiches in Betracht zieht. Um 1770 
zählten England selbst 8, die 13 Kolonien bereits 1½ Millionen weiße Bewohner, von 
den 16 Millionen Pfd. Sterling englische Ausfuhr gingen allein GWeillionen Pfd. Sterling 
nach Nordamerika. Allerdings war sich die Regierung Pitts über den Wert und die 
innere Kraft dieser Kolonien soweit klar, daß sie die vielen bis zum offenen Schunggel 
gesteigerten Umgehungen der englischen Gesetze durch die Kolonisten stillschweigend 
duldete. Das Machtbewußtsein Georgs III. und die Finanzuöte des Mutterlandes 
infolge der ungeheuren Kosten des Französisch-Englischen Krieges in Nordamerika 
führten aber zu einer anderen Politik. Von dem Gedanken ausgehend, daß die Kolonien 
zu den doch nur in ihrem Interesse gemachten kriegerischen Aufwendungen etwas bei- 
tragen sollten, wurde 1765 eine allgemeine Stempelsteuer in Amerika eingeführt. Gegen 
diese Stener, die den verwöhnten Kolonisten unerhört dünkte, aber auch tatsächlich 
in ihre Gewohnheit innerer Selbstverwaltung eingriff, erhob sich ein Entrüstungssturm, 
der sich bis zum vollen Boykott aller englischen Waren steigerte. Dem Einfluß der 
dadurch schwer geschädigten englischen Kaufleute gelang es, schon im folgenden Jahre 
die Aufhebung der verhaßten Stempelakte zu erwirken. Nicht belehrt durch diese Nieder- 
lage, versuchte England schon 1767 eine Erhöhung der Zölle einzuführen, um unter 
denselben Einflüssen wiederum zum Rückzug gezwungen zu werden. Um das schwer 
erschütterte Ausehen einigermaßen zu behaupten, ließ man nur den Teezoll von 3 Cents 
pro Pfund bestehen, gegen den man um so weniger Widerstand erwartete, als bei der 
Ausfuhr aus England die dortige Teesteuer von 12 Cents pro Pfund erlassen wurde, 
die Kolonisten dies Getränk also immer noch billiger genießen konnten als die Bewohner 
des Mutterlandes. Die Bewegung war aber nicht mehr aufzuhalten. Die Kolonisten 
weigerten sich rundweg, sowohl Tee aus England zu beziehen als Zoll dafür zu zahlen, 
und als im Dezember 1773 jüngere Führer der amerikanischen Bewegung als Indianer 
verkleidet im Bostoner Hafen die Ladung eines Teeschisses kurzerhand ins Meer warfen, 
gab dieser Vorfall den Anlaß zum Ausbruch des für England ungünstigen Krieges. 
Bemerkt sei noch, daß der erste Kongreß der 13 Staaten im September 1774 den Mut 
zur Unabhängigkeitserklärung noch nicht fand, diese vielmehr erst inn Juli 1776 erfolgte.
	        
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