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Die übrigen 6 waren Kinder im Alter von ¼, 2, 3, 3 ½, 4 und 9 Jahren, von denen
keins mit Erfolg geimpft war. Davon starben 5, und das 6., gleichfalls schwer erkrankte,
verlor fast gänzlich das Sehvermögen auf einem Auge. In der Familie, in der die beiden
erstbetroffenen Kinder starben, blieb das dritte, ein fünfjähriges, erfolgreich geimpftes Mädchen
gesund. In der Familie, aus der das letztgenannte, später auf einem Auge blind gewordene
Kind zuging, blieben alle 3 Geschwister desselben, die mit Erfolg geimpft waren, ebenfalls
gesund.
Über 4 bereits im Sommer des Berichtsjahres in Berlin vorgekommene Pockenfälle
liegen Meldekarten nicht vor; doch ist anderweitigen, dem Kaiserlichen Gesundheitsamte zugegangenen
Mittheilungen Folgendes zu entnehmen:
Am 20. bezw. 28. Mai erkrankten die 20 Jahre alte Frau eines italienischen Musikers
und deren Nichte, die 1 ½ Jahre alte Tochter eines italienischen Händlers, an Pocken.
Das Kind war in Deutschland geboren, aber wegen Schwächlichkeit bisher von der Impfung
zurückgestellt worden; zur Zeit seiner Erkrankung zeigte es kräftige Körperbildung und guten
Ernährungszustand 1). Die Frau war zuletzt im Alter von 3 Jahren geimpft worden.
Beide Kranken hatten in den letzten 4 Wochen, bevor sie von den Blattern befallen wurden,
einander nicht gesehen; dagegen hatte ein aus Piacenza zum Besuch eingetroffenes Ehepaar
beide Familien besucht. Einer amtlichen Mittheilung des Kreisarztes aus Piacenza zufolge
herrschten daselbst zu jener Zeit die Pocken. Das Kind war schwer, die Frau leicht erkrankt.
Beide Fälle endeten mit Genesung. Im Anschluß daran erfolgten 2 weitere Erkrankungen
bei 2 Kandidaten der Medizin im Alter von 21 Jahren, welche die Kranken gelegentlich
des ärztlichen Unterrichts in dem Institut für Infektionskrankheiten gesehen hatten. Beide
waren wiedergeimpft und wurden nur leicht von den Pocken betroffen.
Aus dem Kreise Pleß sind außerdem Meldekarten über 28 in Kobier und 1 in Nieder-Lazisk in der
Zeit vom 1.—20. Dezember erfolgte Erkrankungen eingegangen, welche 6 im 1., 4 im 2., 6 im 3.—5.,
9 im 6.—10., 3 im 11.—15. Lebensjahre stehende Kinder und eine 47 Jahre alte Frau betrafen. Außer
den Kindern des ersten Lebensjahres, welche nicht geimpft waren, hatten alle übrigen Kranken deutliche
Impfnarben. In keinem Falle trat tödtlicher Ausgang ein, vielmehr verliefen alle Erkrankungen so leicht,
daß ärztliche Behandlung nicht in Anspruch genommen wurde. Auf einer Anzahl der Karten findet sich
der Vermerk „Varicellen“. Nach den vorstehenden Mittheilungen kann ein Zweifel kaum obwalten, daß
in allen Fällen Windpocken vorgelegen haben.
Mit den erwähnten Erkrankungen hängen vermuthlich 7 weitere Fälle zusammen, von denen lant
eingesandter Meldekarten 2 am 26. Januar 1896 in Kobier und 5 in der Zeit vom 15.—25. März 1896
in dem unweit von Kobier gelegenen Jaroschowitz vorkamen. Betroffen waren ein ½ Jahr altes Kind,
1 Kind im 2., 8 im 3.—5. und 2 im 6.—10. Lebensjahre. Nur das jüngste Kind war nicht geimyft.
Auch in diesen Fällen ist nach dem stets leichten Verlauf, dessen Dauer in 3 Fällen nur 8, in 1 nur 6 Tage
in Anspruch nahm, die Annahme gerechtfertigt, daß es sich um Windpocken gehandelt hat.
. 1) Eine nach einer photographischen Aufnahme hergestellte Abbildung des erkrankten Kindes befindet
sich auf S. 6 der vom Kaiserlichen Gesundheitsamte bearbeiteten Denkschrift „Blattern und Schutzpockenimpfung.“
(2. Auflage. Berlin, Julius Springer 1896).