Heinrich I. Die Giündung des dentschen Keichts. 93
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ihrem Feinde dem deutschen König unterworfen hatte, betrachteten sie dies als Freundschaftsbruch
ihnen gegenüber, und in den Jahren 923 bis 925 hatte Bayern schwer unter
ihren Raubzügen zu leiden. Nun stellte sich ihnen König Heinrich mit seinem Heere
entgegen, nachdem er zuvor schon die Forderungen eines ihrer Fürsten, der ihn an
den lange rückständigen Tribut mahnte, gehörig zurückgewiesen hatte. Das Kriegsglück
war freilich Heinrich nicht hold, er mußte in seiner Pfalz Werla hinter den Sümpfen
der Ocker Sicherheit suchen. Aber als es ihm bald gelang, einen der feindlichen Fürsten
gesangen zu nehmen, kam ein Ausgleich zustande. Mit Gold und Silber wollten die
Ungarn ihren Fürsten auslösen, aber König Heinrich forderte nur einen neunjöhrigen Waffenstillstand,
der freilich nur für Sachsen galt, und während dessen er den Ungarn sogar
Tribut zahlte.
Aber diese neun Jahre mußten dem König dazu dienen, seine Bölker für den Sieg
zu üben, und auf deutschem Boden eine Reihe von Schutzmauern aufzu führen, hinter
denen der Landmann sich und seine Habe bergen konnte, und die dem Kriegsmann als
Bollwerke dienten. So arbeitete er eifrigst daran, alle seste Plätze zu sichern, neue aufzuführen.
Auf sein Gebot wurde in die mit Mauern eingefaßten Burgen jeder neunte
Mann auf dem Lande, der fähig war, Waffen zu tragen, versetzt, während die auf dem
Lande zurückgebliebenen das Feld bestellen, das Getreide in die Städte führen, und
gegen eine Abgabe eines Dritteils denen in der Burg zur Aufbewahrung übergeben
mußten. Diese, die Bürger, hatten Häuser und Kornspeicher zu bauen und zu zimmern
und innerhalb der Mauern sollten fortan alle Zusammenkünfte, Waffenspiele und Gastereien
gehalten werden, um sie desto mehr in Aufnahme zu bringen. Bis dahin waren mit
Mauern umgebene Ortschaften äußerst selten. Jetzt erst stiegen solche Städte auf seinen
Wink empor, unter anderen namentlich Merseburg, Goslar, Meißen, Quedlinburg und
Gotha. Daher ehrt die Geschichte Heinrich I. auch mit dem Beinamen des „Städtegründers“.
Nicht als ob unter ihm diese Burgen die Rechte und Verfassung der nachmaligen
deutschen Städte gehabt hätten, es waren zuerst nur rein kriegerische Besatzungen,
Festungsbesatzungen; aber es war eben darin wenigstens eine Grundlage gegeben, auf
welcher später unter begünstigenden Umständen wahrhaft städtische Gemeinwesen mit bürgerlicher
Selbständigkeit ins Leben treten konnten. Die Sicherheit, welche Person und
Eigentum in den neuen Städten fanden, mußte bald viele Freie in ihre Mauern locken,
es mußten sich in denselben königliche Beamte, Kaufleute, Herbergen, Gewerbe jeder Art
festlegen, in steigender Zahl, wie die Bevölkerung stieg und so mußten durch die Entwickelung
der Verhältnisse und des Geistes mit der Zeit auch aus Burgen wohleingerichtete
rechtlich geordnete Städte, aus dienstpflichtige Burgmannen selbständige Bürgerschaften
werden. Neben diesen städtischen Reformen ging eine Umbildung des gesamten deutschen
Heerwesens her. Heinrich legte dabei ein Hauptgewicht auf die Vermehrung der Reiterei,
um dieser zugleich von ihrer Unbehilflichkeit und Schwerfälligkeit zu helfen. Er veranstaltete
häufig Kampfspiele, und übte sein Volk namentlich in der den Ungarn eigentümlichen,
den Deutschen bisher so furchtbaren Art des Gefechts. Auch erkannte er dem
Kriegsdienst große Vorrechte zu, und begnadigte selbst verurteilte Räuber gegen den Eintritt
in seine Reiterscharen. Nachdem er sein Volk so für den Krieg umgeschaffen und
eingeübt, ließ er es seine ersten Waffenproben gegen die slavischen Völkerschaften machen.
Denn diese zu unterwerfen und zu bekehren war schon lange sein Plan. Ein Angriff
auf die Dalemincier Wenden hatte auch zuerst wieder die Magyaren im Jahre 928 in