Metadata : Reichstag und Heer.

ergriffen  gegen  die  Ausführungen  Bebels  das  Wort.  Und  be—
sonders  dankenswerth  und  zutreffend  sind  die  Worte  Liebers,
„daß  diese  Anklagen  nur  dazu  dienen  können,  unsere  hochverdienten,
  ehrenwerthen  Offiziere,  die  Armee,  das  ganze  deutsche
Volk  auf  das  tiefste  zu  verbittern  und  die  Würde  unseres  Reichstages
  nicht  nur,  sondern  auch  unserer  Nation  und  unseres  Heeres
vor  dem  Auslande  auf  das  tiefste  herunter  zu  setzen“.

Der  nationalliberale  Abgeordnete  von  Marquardsen  sprach
seine  Zustimmung  zu  den  Worten  der  Abgeordneten  Lieber  und
von  Manteuffel  aus.  Von  den  Freisinnigen  rührte  sich  Niemand.

Am  21.  März  nahm  nun  der  Kriegsminister  das  Wort  und
stellte  amtlich  den  Fall  Salisch  in  der  Weise  richtig,  wie  er  in
der  Armee  sofort  bekannt  geworden  und  auch  durch  die  Zeitungen
veröffentlicht  worden  war.

Demnach  hat  sich  am  20.  März  1892,  Abends  auf  der  Schiffbrücke
  in  Koblenz  ein  Streit  zwischen  dem,  von  einem  anderen
Offizier  begleiteten  Lieutenant  von  Salisch  und  dem  Kommis
Weimann  entsponnen,  der  seinerseits  von  einem  Civilisten  begleitet
war.  Der  Kriegsminister  erklärte,  der  Ursprung  des  Streites  sei  in
Dunkel  gehüllt.  Wahrscheinlich  hat  hier  Aussage  gegen  Aussage
gestanden.  Hiermit  stimmt  aber  die  Feststellung  nicht  überein,
daß  Weimann  auf  der  Brücke  den  von  Salisch  durch  höhnische
Redensarten  beleidigte.  Es  wurde  außerdem  hinzugefügt,
daß  der  Kommis  Weimann  diesen  Offizier  schon  vielfach  früher
durch  solche  Redensarten  gereizt,  und  daß  Weimann  schon
wegen  Unfugs  und  Widerstandes  gegen  die  Staatsgewalt
  bestraft  war.  Seine  Sucht,  mit  Militärs  Händel  zu  suchen,
ist  auch  an  demselben  Tage  andern  Orts  festgestellt  worden.

Lieutenant  von  Salisch  stellte  nun  den  Weimann  wegen
seiner  Hohnworte  zur  Rede.  Weimann  bedroht  ihn  mit  einem
dicken  Stock.  Salisch  ruft  noch  „Stock  weg!“  oder  etwas  Aehnliches,
  und  als  Weimann  dies  nicht  thut,  giebt  er  ihm  2  flache
Hiebe  über  den  Kopf,  die  ihn  nicht  verletzen.  Hierauf  schlägt
Weimann  den  Offizier  mit  dem  Stock  in's  Gesicht,  so  daß  derselbe
  am  Auge  verletzt  wird,  und  nun  führt  Salisch  einen  Stoß
nach  dem  Gegner,  der  ihm  am  linken  Schenkel  die  Schlagader
durchbohrt  und  dessen  Verblutung  herbeiführt.

Dies  der  einfache  Hergang,  der  sich  also  als  ein  von  dem
Weimann  provozirter  Zusammenstoß  charakterisirt,  in  welchem  der
Lieutenant  von  Salisch  von  seiner  Waffe  in  der  Nothwehr  Gebrauch
gemacht  und  dabei  das  Unglück  gehabt  hat,  den  Tod  des  Gegners