472 Oberpfalz u. Regensburg.
zur Observanz geworden, wovon ohne Einwilligung der Parteien nicht leicht
abgegangen werden durste.
Aram Grünwald, der kunstreiche Schnitzer (Ende des 15. Jahrhunderts),
der Historiker Johann Chrafft aus derselben Zeit, der Freskomaler Philipp
Helterhof, endlich der durch sein tragisches Schicksal bekannte Bürgermeisters-Sohn
Nikolaus Luckner — guillotinirt als Marschall von Frankreich, 72 Jahre
alt, am 4. Januar 1794 — verehren in Cham ihre Heimath. Der noch in
hohem Alter thätige Publizist J. B. von Pfeilschifter ist im nahen Höfen
geboren. Nicht ohne Wehmuth streichen wir hier aus unserem Manuseripte
ein paar Worte der Anerkennung, womit wir gehofft hatten, einem hochbetagten,
unserer Stadt entsprossenen Greise eine kleine Freude zu bereiten, der
sich um die Geschichte der Oberpfalz unvergängliche Verdienste erworben hat.
Es wird wohl kaum nöthig sein, ihn unseren Landsleuten zu nennen, J. R.
Schuegraf ist in unserer Heimath ohnedieß auch in der kleinsten Hütte bekannt.
Er starb hochbetagt am 28. Okt. 1861 und mußte sich in den letzten
Jahren seines Lebens von den Früchten langjährigen Fleißes um geringe Preise
trennen um sich vor Mangel zu schützen.
Eine Allee führt von hier nach der Cella aput Chambe, dem uralten,
für Mönche von St. Haimmeramm in Regensburg im 8. Jahrhundert am
Fuße des Lamberges gegründeten Benediktinerkloster. Das um die Zeit K.
Heinrich des Heiligen erbaute (im 15. Jahrhundert restaurirte) doppelthürmige
Münster gab dem freundlichen Dorfe Chammünster den Namen. Die
Beilegung der Streitigkeiten wegen dieses Besitzthums durch Bischof Baturich
v. J. 819 beweist mit Sicherheit die frühe Stiftung dieser Kirche, die sich
mit Ausbreitung des Christenthums in dieser Gegend zur Erzdechanei für
den Nordgau erhob.!) Im Jahre 1260, als Bischof Albert d. Gr. diese schon
1237 nach Cham verlegte Pfarre seinem Domkapitel überließ, hatte sie schon
eine große Anzahl von Tochterkirchen. Das Münster ward die Ruhestätte
vieler Glieder aus den edlen Geschlechtern der Nothaft, Zenger, Nußberger,
Püdenstorfer,)) Poißl, Rundinger, Gleißenthaler, Schrenk, Vieregg, Rain-1)
Um 1139 erscheint Gotefridus archipresbyter in pago Norico. Das Klösterlein
(an der Stelle der längst niedergerissenen St. Barbarakapelle) war schon 910 durch
die Hunnen zerstört worden; die Sage läßt hier eine Kirche versunken sein.
ꝛ) Zwischen Chammünster und Cham, eine Viertelstunde von dieser Stadt, unterwühlt
der Regen die Reste des alten, zu Ende der zwanziger Jahre niedergerissenen
Schlosses der Wittelsbachischen Dienstmannen von Püdensdorf (Pudmenstorfer),
die erst in Mitte des 17. Jahrhunderts mit Philipp, Johann, Jakob
von Püdensdorf erloschen und ihren Stammsitz noch 100 Jahre früher besaßen.
Im Laufe der Zeiten erwarben sie auch Schachensdorf, Arnschwang, Katzberg,
Irschenbach, Täsching, Holztraubach, Hof und Gutmaning und amiirten als
Landrichter und Pfleger zu Cham, Neunburg v. W., Wetterfeld u. s. w. Auch