Metadata : Reden und Aufsätze aus dem Kriege.

—  337  —

bei  unseren  Banken  machen  wir,  so  weit  ich  sehen  kann,  eine
ähnliche  Erfahrung;  dort  haben  die  Einlagen  —  trotz  der  enormen
Zeichnungen  auf  die  Kriegsanleihe  und  des  dadurch  bedingten
zeitweiligen  Abschwellens  —  gegenüber  dem  Stande  vor  dem  Kriege
erheblich  zugenommen.  Wiır  haben  es  noch  immer  erlebt,  dass,
wenn  durch  die  Zeichnung  auf  die  Kriegsanleihe  ein  starker  Ruck
nach  unten  erfolgt  war,  bis  zur  nächsten  Kriegsanleihe  immer  wieder
eine  Auffüllung  eintrat,  die,  wenn  ich  die  Sache  recht  überschen
kann,  nicht  nur  den  Stand  des  halben  Jahres  vorher  erreichte,
sondern  sogar  wesentlich  darüber  hinausging.  Sie  sehen  also,
dass  dıe  Gelder,  die  als  flüssıge  Mittel  zu  den  Banken,  Sparkassen
und  Genossenschaften  strömen,  sich  wieder  zu  Anlagekapital  verdichten,
  indem  sie  in  langfristigen  Kriegsanleihen  angelegt  werden.

Dann  haben  wir  auch  zu  berücksichtigen,  dass  die  Kriegsausgaben,
  die  in  den  Intervallen  zwischen  den  Aufnahmen  der
einzelnen  Kriegsanleihen  auflaufen,  trotz  der  glänzenden  Ergebnisse
  unserer  Kriegsanleihen  doch  nicht  in  vollem  Umfange  durch
die  langfristigen  Kriegsanleihen  gedeckt  werden.  Das  hat  seine
Wirkung  bei  unserem  Notenbankwesen,  bei  unseren  Zirkulationsmitteln.
  Wir  haben  eine  starke  Zunahme  unseres  Notenumlaufs
und  unserer  Darlehnskassenscheine  festzustellen.  Erfreulich  ist
auf  der  andern  Seite  die  Steigerung  unseres  Goldbestandes  in  der
Reichsbank,  der  heute  etwa  doppelt  so  gross  ist  als  in  Friedenszeiten.
  Immerhin  haben  wir  bei  den  Noten  und  Darlehnskassenscheinen
  zusammen  eine  Steigerung,  die  darüber  nicht  unwesentlıch
  hinausgeht  und  das  Vierfache  des  Friedensumlaufs  der  papiernen
  Zahlungsmittel  ausmacht.  Das,  was  hier  in  Erscheinung
tritt,  ist  ein  Teil  der  Deckung  der  Kriegsausgaben,  eben  desjenigen
  Teils,  der  durch  die  Begebung  der  Kriegsanleihen  selbst
nicht  vollständig  gedeckt  werden  konnte.  Also  auch  in  diesem
Punkte  haben  wir  eine  Einwirkung  des  Krieges  auf  die  Verhältnisse
  des  Kapitals,  auf  unsere  Umlaufsmittel,  auf  unsere  Währung,
eine  Einwirkung,  mit  der  wir  für  den  Uebergang  in  die  Friedenswirtschaft
  sehr  ernsthaft  werden  rechnen  müssen.

Dazu  kommt  noch  ein  weiteres.  Auch  in  einem  andern  wichtigen
  Punkte  hat  unsere  Anlage  in  mobilen  Werten  eine  starke
Umschichtung  erfahren.  Wir  sind,  alles  in  allem,  mit  sehr  starken