Full text: Wörterbuch des Deutschen Staats- und Verwaltungsrechts. Dritter Band. O bis Z. (3)

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Salzabgabe — Schankgewerbe und Steuer 
  
  
Berechnung der Vergütung und die Bedingungen für ihre 
Gewährung. Eine Ueberwachung der Verwendung findet 
regelmäßig nicht statt. Zur Feststellung der Ausfuhr erfolgt 
Anmeldung und amtliche Abfertigung der Waren. 
II. Stoffe, aus denen Salz aus- 
geschieden zu werden pflegt (53), 
können, wenn Mißbrauch nicht zu befürchten, 
von den obersten Landesfinanzbehörden abgaben- 
frei gelassen werden. Der B hat jedoch die 
grundlegenden Bedingungen allgemein geregelt 
  
lauge. 
HI. Als Ersatz für die durch die Ueberwachung 
entstehenden Kosten kann in den oben unter 1 1—3 
genannten Befreiungsfällen, von einzelnen Aus- 
nahmen abgesehen, eine Kontrollgebühr 
von höchstens 40 Pfg. für 1 dz erhoben werden. 
IV. Auf Rechnung der Einzelstaaten 
kann S abgabenfrei abgelassen werden zu Unter- 
stützungen bei Notständen sowie an Wohl- 
tätigkeitsanstalten und zu Deputaten 
(SNaturalabgaben), auf deren abgabenfreie Ver- 
abfolgung die Berechtigten Anspruch haben. 
V. Die Abgabenfreiheit erstreckt sich stets auf die 
innere Abgabe, auch wenn es sich um ausländisches 
Shandelt. Dagegen wird in letzterem Falle der 
Zoll von 0,80 Mk. für 1 dz (5 3) erhoben. 
8 6. Strafvorschriften. 
I. Die Abgabe von inländischem 
Salze betreffende Zuwiderhandlungen zerfallen 
in „Defraudationen“" und „Ordnungswidrig- 
keiten". Der ersteren macht sich schuldig, „wer 
es unternimmt, dem Staate die Abgabe von 
inländischem S zu entziehen“. In einer Reihe 
von Fällen, z. B. wenn S in nicht ange- 
meldeten Betrieben gewonnen oder aus den 
Magazinen (§ 4) ohne Anmeldung entnommen 
ist, wird die Defraudation als vollbracht ange- 
nommen. Straffolgen sind eine dem Vierfachen 
der hinterzogenen Abgabe gleichkommende, min- 
destens aber 30 Mk. betragende Geldstrafe 
und die Konfiskation des den Gegenstand 
der Tat bildenden S, wenn es sich um unerlaubte 
Gewinnung und Raffinierung von S handelt, 
auch der benutzten Geräte (Siedepfannen usw.). 
Die Geldstrafe wird im ersten Rückfall verdoppelt, 
in jedem ferneren vervierfacht. SWerksbesitzer, 
die zum zweiten Male wegen einer von ihnen selbst 
verübten Defraudation rechtskräftig verurteilt 
werden, verlieren mit der Rechtskraft die 
Befugnis zur eigenen Verwaltung 
ihres Werkes. Ist der Betrag der hinter- 
zogenen Abgabe nicht festzustellen, so tritt an die 
Stelle von Geldstrafe und Konfiskation Zahlung 
einer Geldsumme von 60 bis 6000 Mk. 
Ordnungsstrafe von 3—30 Mk. ist an- 
gedroht für die Verletzung eines amtlichen Ver- 
schlusses ohne Hinterziehungsabsicht und für Zu- 
widerhandlungen gegen gesetzliche und Verwal- 
tungsvorschriften, die nicht mit besonderer Strafe 
bedroht sind. Die gleiche Strafe findet statt, wenn 
in Fällen, in denen die Defraudation als voll- 
bracht angenommen wird, der Angeschuldigte nach- 
weist, daß er eine Defraudation nicht habe ver- 
üben können oder wollen. — Anbieten von Ge- 
schenken an Beamte und Widersetzlichkeit unter- 
liegt den im Vereinszollgesetze angedrohten Ord- 
nungsstrafen. 
Die Haftung dritter Personen! 
für Kali S, Bade S, SAbfälle, Sole und Mutter- 
regelt sich nach dem Vereinszollgesetz. Das Straf- 
verfahren ordnen die Landesgesetze. 
II. Die Abgabe von ausländischem Salze 
betreffende Straftaten sind nach dem Vereins- 
zollgesetz zu beurteilen [J Zoll)l. 
#5 7. Statistischens. Im Rechnungsiahre 1912 belief sich 
die Roheinnahme (ohne Abzug der Ausfuhrvergütungen) 
an Sg9oll auf 55 987 Mk., an innerer Abgabe auf 61 906 638 
Mk., die Reineinnahme an beiden Abgaben zusammen auf 
61 955 328 Mk. Abgabenfrei verabsolgt wurden u. a. 
11 123 065 dzrz für landwirtschaftliche und gewerbliche Zwecke, 
62 431 dz zum Einsalzen von Fischen, 17 885 dz zur Nach- 
  
  
  
pökelung von Heringen. 
Literatur: v. Mayr in der 1. Aufl. dieses 
Wörterbuchs 2, 3961 Trautvetter, S?esetz, 1898; 
Arndt, SsSteuner, 3. f. Bergrecht 24, 39; v. Heckel 
in HW Staats W’ 7, 174; Trautvetter in Stenglein, 
Nebengeietze" 1912, 2, 250. Trautvetter. 
Schankgewerbe und -Steuer 
A. Schankgewerbe 
1. Konzessionspflicht. 2. Bersagungsgründe. 4 3. 
Erlöschen der Konzession. ## 4. Pflichten bei Ausübung des 
Gewerbes. 
& 1. Konzessionspflicht. 
I. Begriffsbestimmung. Schank- 
wirtschaft betreibt derjenige, der gewerbs- 
mäßig als Genußmittel dienende Ge- 
tränke zum unmittelbaren Verzehr an Ort und 
Stelle an andere gegen Entgelt verabreicht. Sie 
kann einen Teil einer Gastwirtschaft 
bilden, d. i. des Gewerbebetriebs solcher Per- 
sonen, die ein offenes Lokal haben, um Fremde 
mit oder ohne Verpflegung gewerbsmäßig zu be- 
herbergen und unterscheidet sich von der Speise- 
wirtschaft, die sich ausschließlich auf Verab- 
folgung von Speisen beschränkt. 
II. Der Betrieb einer Gast= oder Schankwirt- 
schaft ist bei Vermeidung strafrechtlicher Verfol- 
ung (* 147 GewO) nur mit behördlicher 
Erlaubnis zulässig. Umgehungen dieser Be- 
stimmung, die durch Errichtung von Konsumverei- 
nen versucht wurden, ist durch die weitere gesetz- 
liche Vorschrift entgegengetreten, daß die Kon- 
zessionspflicht auch auf Konsum= und sonstige 
Vereine ausgedehnt wurde, die den gemein- 
schaftlichen Einkauf von Lebens= und Wirtschafts- 
bedürfnissen im großen und deren Absatz im klei- 
nen zum ausschließlichen oder hauptsächlichen 
Zweck haben. Aber auch für andere Vereine, die 
derartige Zwecke nur nebenher verfolgen, wie 
z. B. Schützenvereine, kann durch die Landes- 
regierung die Konzessionspflicht eingeführt wer- 
den. Entsprechende Anordnung ist erlassen für 
Preußen durch Ziff. 46 der Ausf. Anw v. 
1. 5. 04, Hessen durch § 43 Vollz. V v. 22. 9.00 
und in Elsaß--Lothringen für den Be- 
zirk Lothringen durch V v. 15. 4. 06. 
III. Die Konzession ist an die Person 
geknüpft, und zwar auch dann, wenn die 
Schankwirtschaft in Ausübung eines Realrechts
	        
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