damit, da er ein unübersteigliches Hindernis zur Anbahnung des Waffenstillstandes
bildet.X
Nach der Auskunft der Botschafter war das ganze Kabinett davon
überzeugt, daß der verschärfte U. Bootkrieg eingestellt werden mußte. Da
die Behauptung der Marine nicht zu widerlegen war, daß es technisch
unmöglich sei, einen U. Bootkreuzerkrieg zu führen, so schlug Solf die
Hösung vor: Externer Befehl, keine Passagierdampfer zu torpedieren,
interner Befehl, den U. Bootkrieg ganz aufzugeben.
Die Fassung: „Am alles zu verhüten, was das Friedenswerk erschweren
könnte, sind auf Veranlassung der deutschen Regierung an sämtliche
Anterseebootkommandanten Befehle ergangen, die eine Torpedierung
von assagierschiffen ausschließen," fand die Zustimmung des Kabinetts.
In diesen Worten war zum Ausdruck gebracht, daß beim Scheitern der
Waffenstillstandsaktion wir die Freiheit haben würden, die aus der Hand
gelegte Waffe wieder aufzunehmen.
Admiral Scheer hatte sich nicht gefügt, sondern nach der Botschafterkonferenz
die Oberste Heeresleitung und den Kaiser zu Hilfe gerufen. In
der Nacht vom 19. zum 20. Oktober trat der General Ludendorff auf die
Seite der Marine.
Oberst v. Haeften legte mir am Morgen des 20. Oktober das folgende
Telephonat vor:
Telephonat der Obersten Heeresleitung vom 20. Oktober 1918, 1 Uhr nachts.
„An den Herrn Reichskanzler.
(Lbermittelt durch Oberst v. Haeften.)
Die Lage hat sich nicht geändert. Die Türkei hat Sonderverhandlungen begonnen.
Osterreich- Ungarn wird bald folgen. Wir werden sehr bald in Europaallein
stehen. Die Westfront ist in größter Anspannung. Ein Ourchbruch bleibt
möglich, wenn ich ihn auch nicht befürchte. Durch Absetzen vom Feinde in Belgien
und Zuführen des zugesagten Ersatzes könnte ein nachhaltiger Widerstand organisiert
werden, der den Kampf an der Westfront in die Länge zieht und uns
zwar nicht den ausgesprochenen Sieg beschert, wohl aber uns vor dem Außersten
bewahrt. Aber selbst, wenn wir geschlagen würden, stünden wir nicht wesenllich
schlechter da, als wenn wir jetzt schon alles annähmen.
Es ist die Frage zu stellen: Will das deutsche BVolk um seine Ehre nicht nur in
Worten, sondern tatsächlich bis zum letzten Mann kämpfen und sich damit die
Möglichkeit des Wiedererstehens sichern oder will es sich zur Kapitulation und
damit zum Untergang vor der äußersten Kraftanstrengung drängen lassen?
1 Außerung in der Sitzung vom 19. Oktober, gedruckt in der Monassschrift
„Europäische Gespräche“, zitiert nach dem „Berliner Tageblatt“ vom 24. Februar
1927.
2 Die Amtlichen Urkunden Nr. 63 geben irrtümlich 1 Uhr nachmittags an.
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