Contents : Fünfzig Jahre aus Preußens und Deutschlands Geschichte.

288  Der  Feldzug  in  Böhmen.

geschlagen  worden,  und  gerade  deshalb  war  ein  Zurückgehen  auf  jenen  festen
Platz  vorgezeichnet.  »

Dem  Zündnadelgewehr,  dessen  Uberlegenheit  sich  bald  fühlbar  gemacht
hatte,  trotzten  mit  Standhaftigkeit  die  Soldaten  der  meisten  österreichischen
Regimenter;  sie  gingen  heldenmütig  zum  Bajonettangriff  über,  um,  wie  ihnen
gelehrt  worden  war,  dem  Feinde  mit  dem  Eisen  „die  Rippen  zu  kitzeln“  und
hierdurch  die  Wirkungen  des  Zündnadelgewehres  abzuschwächen.  Wenn  die
preußischen  Kugeln,  auf  nächsten  Abstand  aufgespart,  beim  Schnellfeuer  in
wenigen  Minuten  Hunderte  niederstreckten,  war  es  ein  Wunder,  wenn  sich  die
Uberlebenden,  ihrer  Führer  beraubt,  betäubt  von  der  nicht  erwarteten  außerordentlichen
  Wirkung,  zur  Flucht  wandten  oder  sich  ergaben?

Bei  alledem  war  es  aber  doch  in  erster  Linie  etwas  anderes,  was  den
Preußen  den  Sieg  verlieh.  Zu  raschen  Erfolgen  und  zu  ihrer  Ausnutzung  gehören
  noch  andre  Mittel  als  eine  überlegene  Schußwaffe.  Und  dies  hat  schon
damals  alle  Welt  ohne  Rückhalt  anerkannt:  es  war  die  vorhandene  höhere  Intelligenz
  im  preußischen  Heere.

„Nicht  auf  Einführung  von  Zündnadelgewehren",  sagte  später  im  Hinblick
  auf  die  preußischen  Erfolge  ein  österreichischer  Schriftsteller,  „sollten  wir
das  entscheidende  Gewicht  legen,  sondern  vor  allem  auf  die  Anstellung  tüchtiger
  Schulmeister."