Full text : Deutsches Wörterbuch. Erster Band A-G. (1)

3  abackern  —  abbeten.

Hebel  2,  101;  in  beschränktem  Gebrauche  auch  in  laufmänn.
  Sprache,  mit  Ortsnamen  und  Adv.  des  Orts:
weizen  ab  Hamburg  geliefert;  fracht  ab  hier  kostet
10  mark;  auch  frei  ab  bahnhof  (wo  bahnhof  wie  ein
Ortsname  behandelt,  ohne  Artikel);  zeitlich:  ab  heute
in  14  tagen  zu  liefern.  In  dichterischer  Freiheit  bei
Bürger  (60°2),  zugleich  als  Adv.:  freud  und  lust  an
allem  ab  und  an,  an  und  ab  dem  klecblatt  holder
kinder.  vgl.  auch  abhanden.

Abackern,  wegackern,  ackernd  entwenden.  —  abändeen,
  ändernd  wegschaffen:  einen  ubelstand;  auch
—  verändern,  aber  das  Wegschaffen  des  Unvollkommenen
  betonend:  kleid,  verfassung;  die  zeugungskraft
sclbst  abzuändern,  das  uranfäugliche  modell  der  natur
umzuformen  Kant  10,  54.  Gottsched  brauchte  abändern
  für  declinieren,  abänderung  —  declination.  —
abängstigen  (abüngsten  17.  Ih.),  trauf.  durch  Angst  entreißen:
  ihr  das  jawort  abzuungstigen  Schiller  4,  215;
refl.  sich  abängstigen,  durch  Angst  ermatten.  —  abarbeiten,
  tranf.  arbeitend  wegschaffen  oder  vernichten;
das  abarbeitcn  einer  ganzen  granitwand  Goethe  51,
127;  bei  Schiffern  ein  schiffl,  das  fest  sitzende  flott
machen;  cine  schuld,  sich  die  finger  abarbeiten;  im
Part.:  abgearbeitete  menschen;  refl.:  ich  arbeite  mich
ab  und  bin  ich  matt  genung  Goethe  Lilis  Park;
obsebn:  ich  hatte  mich  zwar.  zimlich  abgearbeitct
Simpl.  4,  57;  intranf.:  der  wein  hat  noch  nicht  abgearbeitet,
  noch  nicht  ausgegohren.  —  abärgern,  ärgernd
entkrästen;  refl.:  ich  ärgere  mich  ab.

Abart,  f.  in  der  ält.  Spr.  was  aus  der  Art  geschlagen,
z.  B.  der  enkel  abart  (entartete  Enkel)  Haller  Sitt.  39;
und  noch  Schiller:  so  ist  dicse  abart  auch  cuer  schn
nicht  mehr  Ränb.  1,  1;  später  Unterart,  erblich  gewordene
  Spielart  (vgl.  abartung):  didaktische  pocsie
eive  ab-  und  nebenart  Goethe,  so  auch  in  der  Naturwissenschaft;
  eine  abart  des  kunstlertuums  Heyse  Par.
2,  156.  —  abarten,  von  der  Art  abweichen.  —  abartig,
namentlich  bei  Bienenzüchtern:  abartige  bienen,  die  nicht
mehr  so  fleißig  sind,  als  der  Mutterstock.  —  Abartung,  (.:
andere  abartungen  desselben  stammes  Kant  10,  26.  —
abäsen,  vom  roten  Wildbret,  abfressen.

Abbacken,  1)  intrans.  durch  Backen  auseinandergehen
  (Rinde  und  Krume  des  Brotes):  das  brot  bäckt
ab;  abgebackene  semmel.  2)  tranf.  das  Backen  vollenden,
  fertig  backen,  eine  pastete;  kurz  vor  dem  abbacken
  Daheim  1887,  Nr.  36.  —  abbalgen,  trans.  vom
Balg  befreien:  eincn  fuchs,  basen.  refl.  balgend  ermatten:
  sich  mit  einer  arbeit,  in  derber  Sprache.

Abbau,  m.  1)  bergmännisch,  Betrieb  eines  Berg=  oder
Kohlenwerkes,  anch  das  so  betriebene  Bergwert  selbst
(zum  abbau  fahren,  in  der  nähe  des  abbaues).  2)  Nachlassen
  des  Anbaus:  die  weinberge  in  abbau  bringen
Hohberg.  —  abbauen,  Abban  treiben,  bergmännisch
den  gang;  frei:  wo  ich  anfangen  soll  abzubauen  Iffland
  Hagest.  1,  6;  in  der  Heersprache,  den  Hauptteil
der  Streitträfte  heimlich  aus  dem  Gefechte  ziehen,  während
  man  den  Gegner  mit  einem  Teil  der  Gefechtslinie
unter  lebhaftem  Feuer  hält.

Abbeeren,  Beeren  abbrechen,  einen  strauch.  —  abbefehlen,
  früher  Befohlenes  widerrusen:  eine  jagd.  —
abbeißen,  beißend  entfernen,  in  älterer  Spr.  auch  bildlich,
  z.  B.  die  ebre  Megenberg  2,  27;  deu  beiligen
die  füsze  abbeiszen,  spöttisch  von  inbrünstigen  Betemn.
—  abbeizen,  beizend  lösen  (z.  B.  haare).  —  abberufen,
einen  früher  Berusenen  weggehen  heißen:  einen  gesandten:
  vgl.  auch  abberufung  2.  —  Atbbernfung,
1)  Wegberufung:  lbre  (eines  Gesandten)  abberukung
von  hier  Pientz.  i.  B.  1,  188.  2)  Berufung  an  böhere
Instanz:  die  von  klügern  eingewandte  ahberufung  an
den  groszen  ratà  Wieland  Abd.  4,  7.  —  abbestellen,
Bestelltes  wieder  absagen  (eine  waare,  gesellschaft,  bal.).
—  abbeten,  1)  durch  Beten  lösen,  besreien  (dem  teutel

abbetteln  —  abblättern.  4

eine  scele  Luther).  2)  herunter,  zu  Ende  beten  (frei:
die  litanei  von  ubeln,  zu  der  wir  uns  schon  vorbereitet
hatten,  demüthig  abzubeten  Goethe  Tageshefte  1794).
—  abbetteln,  bettelnd  erlangen  oder  erlangen  wollen
(einem  geld,  eine  unterstutzung).  —  abbezahlen,  durch
Bezahlung  tilgen  (seine  schulden,  schon  16.  Ih.;  urterschied
  zwischen  dem  letzten  thaler,  den  man  borgt,
und  zwischen  dem  ersten,  den  man  abbezahlt  Goethe
Unterb.  deutscher  Ausgew.).  ·  ·
Abbiegen,  biegend  entfernen,  intranf.:  der  weg  biegt
ab;  er  bog  von  der  strasze  ab;  tranf.:  eine  rebe  vom
stocke  abbiegen.  —  Abbiegung,  l.  6  B.  des  weges).  —
Abbild,  v.  Wiedergabe  eines  Vorbilds,  jünger  als  das
Verbum,  erst  18.  Ih.  aufgekommen;  Gegensatz  vorbild:
das  vorbild  das  gewirkte  (bewirkte)  abbild  Goethe
Farbenl.,  pol.  Teil  54;  urbild:  auf  dem  fuszboden  lagen
drei  steinerne  mönche  (Grabsteine)  vielleicht  schliefen
  unter  den  abbildern  die  stummen  urbilder  selber
JPaul  uns.  Loge  1,  31.  —  Abbilden,  ein  Vorbild
wiedergeben,  seit  dem  17.  Ih.  gewöhnliches  Wort:  einen
menschen,  eine  blume;  in  Bezug  zu  original:  dasz  sie
Sogleich  die  originale  zu  den  abgebildeten  charakteren
wissen  Rabener  Sat.  1,  29.  —  Abbildung,  k.  Handlung
  des  Abbildens  und  das  Abgebildete,  namentlich
bucher  mit  abbildungen.  —  abhinden,  vom  Bande
lösen,  schon  uihd.,  z.  B.  den  belm;  bis  jetzt  häufig,  in
gewöhnlicher  Syrack  (tuch,  schurze);  früher  auch  bildlich,
  von  der  Sprechweise:  abbinden,  mit  k##rzen  worten
sagen  Maaler;  technisch  beim  Ban,  ein  Gebäude  im
Holzwerk  fertig  verbinden;  beim  Böttcher  ein  fasz,  fertig
binden;  beim  Weber  eine  fgur,  bei  geblümen  Zeugen,
sie  von  der  solgenden  gesondert  weben.  Anders  eine
warze  abbinden  (Goethe  Wilh.  M.  7,  5),  durch  Unterbinden
  zerstören;  ein  kald,  beim  Landwirt,  es  von  der
Mutter  entwöhnen;  cedern  von  flöszen  (1.  Kön.  5,  9),
aus  dem  Floß  lösen.  —  Abbiß,  m.  das  Abbeißen  und
abgebissenes  Stück.  Bei  Jägern,  Ort  wo  der  Hirsch  das
junge  Laubholz  abgebissen  hat;  teufels  abbisz  oder  nur
abbisz,  Name  einer  grün  färbenden  Pflanze,  mit  eigentümlich
  verkürzter  Wurzel.  —  Abbitte,  f.  das  Abbitten
(abbitt,  deprecalio  16.  Ih.);  abbitte  thun,  leisten,
schuldig  sein;  fuszfüllige;  meiner  frau  eine  kniende  abbitte
  thun  Rabener  Sat.  1,  153.  —  abbitten,  älter,
durch  Bitten  befreien  oder  lösen:  abbitten  beiszt  das
gebet,  das  wider  das  böse  weg  zu  legen,  erbitten  aber,
das  zum  guten  zu  erlangen  geschicht  Luther  1,  22°,
so  auch:  ich  wil  mich  rechen,  und  sol  mir  kein  mensch
abbitten  (die  Rache  nämlich)  Jes.  47,  3;  neuer,  durch
Bitte  Unrecht  gut  machen,  tranf.:  beleidigung,  krünkung;
  dasz  er  .  uns  seinen  fchler  abbitten  kounte
Gellert  4,  130;  es  war  unrecht,  und  fuszfällig  babe
ich  dirs  wieder  abgebeten  Freytag  Waldemar  4,  1;
ohne  Obi.:  niedergekuiet,  abgebeten:  Gotter  Sturm

2,  11.

Abblasen,  1)  durch  Blasen  entfernen:  staub  von
einem  buche;  wind  der  die  ohren  abbläst  Freytag
Soll  1,  137;  durch  Blasen  reinigen:  das  buch,  den  tisch.
Im  16.  Ih.  bildlich:  einem  das  licht  abblasen,  töten
(Maaler),  jetzt  ausblasen.  Heute  in  technischer  Spr.,
den  dampfkkessel  abblasen,  den  Schlamm  durch  den  Druck
des  Dampfes  aus  dem  Kessel  treiben.  2)  herunter  blasen,
auf  einem  Instrumente:  ein  lied  von  voten;  Vollendetes
durch  Blasen  verkünden:  der  thurmer  blust  die  stunden
ab,  oder  kurz  der  wüchter  blüst  ab;  durch  Blasen  abrufen:
  liesz  vom  sturme  abblason  Lohenstein.  3)  mit
Dat.,  den  soldaten  abblasen,  zum  Rückzug,  Sammeln
H  Boner  Bonfin  323b  (16.  Ih.).  —  abblassen,  blässer
oder  sehr  blaß  werden,  verschießen:  farben,  tuche  blassen
ab.  —  abpblatten,  Wort  der  Gärtner,  Winzer,  Blätter
nehmen:  wein,  meloncn,  kohl;  tabak  abblatten,  wenn
er  reif  ist.  Bei  Jägern:  das  wild  blattet  ab,  wenn  es
vom  grünen  Laube  frißt.  —  abblättern,  trauf.  Blätter