Full text : Historische Untersuchungen. Heft V. (5)

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habgierige,  weltlich  gesinnte  Medieäer  Clemens  VII.  abgelöst,  der
sich  sofort  in  den  Mittelpunkt  der  altgläubigen  Reaktion  in  Deutschland
  stellte,  mit  den  zuverlässig  katholischen  Elementen  des  Reiches
Verbindung  suchte  und  der  lutherischen  Bewegung  überall  entgegenzutreten,
  sie  zu  hemmen  und  rückgängig  zu  machen  mit  allen
Kräften  bemüht  war.')  Im  besondern  ging  das  Bestreben  des
Papstes  dahin,  den  neuen  Reichsabschied,  auf  den  sich  die  Stände
am  18.  April  1524  zu  Nürnberg  vereinigt  hatten,  hinfällig  zu
machen.  Hier  hatte  man  zwar  zugegeben,  zur  Ausführung  des
Wormser  Ediktes  verpflichtet  zu  sein,  aber  hinzugefügt  „soweit
möglich“.  Ferner  war  beschlossen  worden,  zu  Martini  solle  ın
Speier  eine  allgemeine  Versammlung  deutscher  Nation  abgehalten
werden,  um  zu  prüfen,  was  in  Luthers  und  seiner  Anhänger
Schriften  und  Lehren  gutes  oder  böses  enthalten  sei  und  danach
festzustellen,  wie  es  bis  auf  ein  allgemeines  Konzil  in  Deutschland
mit  den  kirchlichen  Bräuchen  und  den  sonstigen  von  den  Neuerern
angefochtenen  Einrichtungen  gehalten  werden  solle.  Das  war  aber
dem  Papste,  der,  wenn  er  schon  der  Abhaltung  eines  Konzils
durchaus  nicht  gewogen  war,  so  doch  noch  viel  weniger  zugeben
wollte,  dafs  eine  einzelne  Nation  die  Ordnung  ihrer  kirchlichen
Angelegenheiten  selbständig  in  die  Hand  nehme  und  zumal  jene
von  der  Kirche  verfluchten,  von  dem  Kaiser  verurteilten  Lehren
noch  zu  prüfen  sich  herausnehme,  im  höchsten  Grade  wider  wärtig.
Um  die  Ausführung  dieses  Beschlusses  zu  hintertreiben,  trat  daher
Clemens  jetzt  selbst,  nach  dem  wohlerwogenen  Rate  seines  Legaten
am  Nürnberger  Reichstage,  des  Kardinals  Campeggi,  mit  dem  Geständnis
  hervor,  dafs  sich  in  die  Kirche  beschwerliche  Mifsbräuche
eingeschlichen  hätten,  zu  deren  Beseitigung  er  bereit  sei  die  Hand
zu  bieten.  Campeggi  aber  berief,  im  Einverständnis  mit  dem  Erzherzog
  Ferdinand,  die  oberdeutschen  Bischöfe  und  die  Herzöge
von  Baiern  zu  einer  Zusammenkunft  nach  Regensburg,  wo  man  in
der  That  eine-  „Reformation“  vereinbarte,  die  nun  den  Anspruch
machte,  den  Beschwerden  der  Nation  über  die  kirchlichen  Mifsbräuche
  und  klerikalen  Eingriffe  genug  zu  thun,  in  Wahrheit
jedoch  davon  himmelweit  entfernt  war.  Doch  war  es  der  Kurie
auch  keineswegs  um  ernstliche  Reformen  zu  thun;  sie  gedachte

)  Vgl.  die  einschlägigen  Stücke  bei  Balan,  Monumenta  reformationis
Lutheranae  I;  auch  Monumenta  saeculi  XV].  historiam  illustr.  I,  von  demselben
  Herausgeber.