Full text : Geschichte der Hohenzollern.

—

zur  Erneuerung  des  Bundes.  Dieser  ward  auch  wenige  Tage  vor  der  verhängnißvollen
  Schlacht  bei  Pultawa  abgeschlossen  (1709).  Nun  erschienen  beide
Könige  in  Berlin;  allein  alle  Bemühungen,  Friedrich  I.  in  ihr  Bündniß
zu  ziehen,  blieben  fruchtlos,  sie  mußten  sich  mit  dem  Versprechen  begnügen,
daß  er  ihnen  alle  mit  seiner  Parteilosigkeit  verträgliche  Unterstützung  zukommen
lassen  würde.  Hierzu  nöthigten  ihn  übrigens  nicht  nur  seine  jüngst  übernommenen
Verpflichtungen  gegen  Schweden,  sondern  auch  die  Erklärung  des  Kaisers  und
der  Seemächte,  welche  um  jeden  Preis  den  Angriff  auf  die  schwedischen  Besitzungen
  in  Deutschland  und  demnach  den  Ausbruch  eines  neuen  Krieges  hierselbst
  vermeiden  wollten.  Dieser  Krieg  konnte  nicht  nur  ihren  Plänen  gegen
Frankreich  eine  andere  Wendung  geben,  sondern  mußte  auch  unverzüglich  wegen
der  hannöverisch-sächsischen  und  namentlich  der  preußischen  Bundestruppen  nachtheilige
  Wirkung  auf  den  Gang  der  Angelegenheiten  ausüben.

Um  die  vielfachen  Schwierigkeiten  der  Lage  zu  heben,  griff  man  zu  einem
sehr  gekünstelten  Mittel.  Es  wurde  nämlich  das  sogenannte  erste  Haager
Concert  geschlossen,  ein  von  dem  Kaiser  und  den  Seemächten  vermitteltes  Bündniß,
nach  welchem  den  dänischen  Provinzen  Jütland  und  Schleswig,  so  wie  den
schwedischen  Besitzungen  in  Deutschland  die  Neutralität  gewährleistet  bleiben
sollte.  Hiermit  erklärte  sich  die  schwedische  Regierung  einverstanden.

Bald  aber  sah  man  ein,  daß  ohne  Aufstellung  bewaffneter  Macht  Bedingungen
  der  Art  nicht  aufrecht  erhalten  werden  könnten;  daher  schlossen  der
Kaiser  und  die  Seemächte  mit  Friedrich  1.  und  einigen  deutschen  Fürsten  einen
zweiten  Vertrag  im  Haag,  nach  welchem  sie  sich  verpflichteten,  15  —  16,000
Mann  zu  stellen,  damit  die  Ausführung  des  ersten  Vertrages  gesichert  sei.
Jedoch  auch  diese  Vorsichtsmaaßregel  erfüllte  den  beabsichtigten  Zweck  nicht,  da
Karl  XII.  von  Bender  aus  die  Haager  Bestimmungen  verwarf,  weil  er  die
Gesinnungen  der  dabei  betheiligten  Fürsten  gegen  Schweden  nicht  für  aufrichtig
hielt.  Sein  Argwohn  war  auch  nicht  ungegründet,  und  überdies  wurde  über
Pläne  unterhandelt,  welche  die  Machtverhältnisse  des  nordischen  Europas  ganz
umgestalten  konnten.  Es  war  nämlich,  dieses  Mal  wohl  von  Peter  dem  Großen,
ein  neuer  Theilungsplan  Polens  entworfen  worden,  in  welchem  für  Friedrich  I.
das  preußische  Polen  nebst  Samogitien  bestimmt  war,  Rußland  sollte  außer  dem
schwedischen  Lievland  einen  Theil  von  Litthauen,  das  übrige  König  August  als
erbliches  Königreich  erhalten.

Friedrich  J.  war  mit  diesen  Bestimmungen,  welche  Lockung  fie  auch  enthalten
  mochten,  keinesweges  einverstanden,  weil  sie  ihn  vor  dem  drohenden
Umgriff  des  unternehmenden  Czar  Peter  besorgt  machten,  daher  zog  er  es  vor,
gegen  ihn  seine  Bemühungen  zu  richten.  Der  Brigadier  Ersander  von  Göthe
erschien  als  preußischer  Bevollmächtigter  in  Bender  mit  dem  Vorschlage,  die
Krone  Polens  dem  König  August  zu  lassen,  mit  diesem  und  Preußen  vereint
sich  gegen  Rußland  zu  verbünden.  Leider  zerschlug  sich  dieser  für  die  Aufrecht-