Full text : Die Gewerbefreiheit für Bayern.

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ringer,  die  officiellen  statistischen  Erhebungen  weisen  im  Gegentheile
ein  günstigeres  Resultat  für  die  Pfalz  nach.  Es  gibt  dort  weniger
Concurse,  nicht  mehr  Arme  und  bei  weitem  weniger  uneheliche  Geburten
  und  Verbrechen  und  Vergehen.  Der  Pfälzer  erfreut  sich  der
Gewerbefreiheit  als  eines  schätzbaren  Gutes,  einer  Quelle  seines  gesicherten
  allgemeinen  Wohlstandes.  Der  Volksverein  von  Germersheim
erörterte  bei  der  Agitation  um  die  Gewerbefrage  im  Jahre  1848:

„Unter  den  Grundrechten  des  deutschen  Volkes  sollte  die  Gewerbefreiheit
  in  erster  Stelle  stehen,  sie  sei  mit  den  Institutionen,  mit  dem
Leben  der  Pfälzer  innigst  verwachsen.  Die  Pfalz  erfreue  sich  derselben
seit  57  Jahren,  ihr  verdanke  sie  ihre  Aufklärung,  ihren  Wohlstand  und
ihren  sprüchwörtlich  gewordenen  heiteren  Sinn,  und  alle  seit  dem  Jahre
1816  eingewanderten  Deutschen,  namentlich  auch  die  Bayern  aus  den
diesseitigen  Provinzen,  befänden  sich  wohl  dabei.  Keine  Gewalthertschaft
  habe  diese  Institution  der  Pfalz  zu  entreißen  vermocht,  und  ein
vom  Ministerium  Abel  versuchter  Angriff  sei  muthig  abgeschlagen
worden.  Die  Theilbarkeit  des  Grundbesitzes  und  die  freie  Arbeit,  heißt
es  in  andern  Petitionen,  sei  die  unerschöpfliche  Quelle  des  Wohlstandes,
wie  überall,  so  insbesondere  in  der  Pfalz.  Nur  die  freie  Arbeit  sicher
vor  dem  Proletariat,  sie  begünstige  die  Begründung  der  Familie  und
den  leichteren  Erwerb  des  Eigenthums,  sie  befördere  die  Entwicklung
der  individuellen  Fähigkeiten  und  schaffe  das  unschätzbare  Selbstvertrauen
  des  Mannes,  aus  dem  die  bürgerliche  Selbstständigkeit  und  politische
  Reife  herovorgehen.  Die  Einführung  des  Gewerbszwangs  sei
die  gehässige  Monopolisirung  des  Kapitals,  und  es  sei  ganz  undenkbar,
daß  die  Reichsversammlung,  die  in  den  Grundrechten  so  große  Freiheiten
  dem  deutschen  Volke  verliehen  habe,  die  Freiheit  der  Arbeit  beschränken
  könne.“

Wir  haben  mit  Zahlen  bewiesen,  daß  in  gewerbefreien  Staaten
der  Nationalwohlstand  sich  auffallend  mehrt,  daß  somit  die  Gewerbefreiheit,
  wenn  nicht  als  die  einzige  Ursache  dieser  Zustände,  doch
keineswegs  als  verderblich  oder  gar  entsittlichend  zu  erkennen  ist,
wie  die  Gegner  der  freien  Bewegung  zu  verdächtigen  suchen.  Ebenso
ließe  sich  beweisen,  daß  nur  in  den  Staaten,  wo  noch  die  behördliche
  Bevormundung  des  gewerblichen  Verkehrs  durch  allerlei  Verordnungen
  und  Beschränkungen  besteht,  wo  einzelne  Klassen  auf  Kosten
und  zum  Nachtheile  von  vielen  andern  begünstigt  und  privilegirt  find,
wie  z.  B.  in  Oesterreich  in  seinem  vorherigen  Zustande,  ein  auffallender
  Stillstand  oder  Abnahme  der  Production,  verderbliche  Vergeudung
  der  wirthschaftlichen  Kräfte  und  Rückgang  des  Nationalwohlstandes
  sich  kundgibt.  Bessere  Beweismittel,  als  Zahlen,  lassen  sich
nicht  wohl  finden.