Die Firchliche Lage. Wahl Sigismunds,. 375
mifchte. Eine Anzahl der Kardinäle aus beiden Dbedienzen, des
römischen Bapftes, jebt Gregor® XII, und des avignonjchen, Benedift
XIII, verjtändigte fich zu einem ungewöhnlichen Schritt: fie
Ichrieben ein allgemeines Konzil aus, das dann auch am 25. März
1409 zu Bifa eröffnet wurde. && war eine glänzende VBerfammlung,
die hier tagte: man zählte, nach) und nad) eintreffend, nicht
weniger als vierundzwanzig Kardinäle, Batriarchen, Bilchöfe, Genetale
der großen Orden, Gelandte der Könige und Doktoren des
fanoniichen Nechts; die Kirchenverfammlung ging mit Nachdrud
gegen die beiden Bäpfte vor. Shr Spruch entjegte beide und noch)
im gleichen Monat Suni folgte die Wahl eines neuen, der jich
Alerander V nannte. Da die beiden regierenden Bäpfte — Gregor,
den noch König Ruprecht unterftüßte, und der eigenjinnige Benedit
—, wie natürlich, nicht wichen und fich ihrerjeit3 mit Berufung
von Konzilien wehrten, fo hatte die Christenheit jebt drei Bäpfte:
die Kirche war ein Monftrum mit drei Köpfen, wozu dann alSbald
das Reich ein Gegenbild Tieferte.
Die Firchliche Barteiung Hatte auch die Kurfüriten erfaßt, und Die
eine Bartei — Trier, Pfalz, Brandenburg — wählte noch in dem
Sabre, in dem Ruprecht gejtorben war, am 20. September, den König
von Ungarn, Sigismund, die andere, Mainz, Köln, Böhmen, Sachien,
im Oftober den alten Marfgrafen von Mähren, Soft; und Wenzel,
der dieje Wahl billigte, hielt gleichwohl fein eigenes Königtum Felt:
Drei Zurremburger, zwei Brüder und ein Neffe, jtanden aljo in Diefer
verworrenen Zage neben= und gegeneinander. Der lebtere, Bolt,
zwifchen dem und Sigismund die Führung der brandenburgifchen
Stimme zweifelhaft und ftreitig war, ftarb glüdlicherweile jchon
ım Anfang des folgenden Sahres, und auch die beiden Brüder
verjtändigten fich im Mai des Jahres 1411: Wenzel überließ dem
Bruder die Regierung des Keichs, und diefer verpflichtete fich dagegen,
ihm zur Erlangung des KaifertitelS zu verhelfen. Und fo,
von beiden Parteien anerkannt und nochmals gewählt, trat Sigismund
(1411—1437) die Schwere Aufgabe und eine weltgejchichtlich
in mehr als einer Beziehung bedeutungsvolle Regierung an — eine