Full text: König Albert von Sachsen von Johann Georg, Herzog zu Sachsen.

324 Letzte Jahre, Krankheit und Tod (1894 -1902). 
großes Familiendiner. Den Abend war großer Hofball, der 
größte, der wohl je am sächsischen Hof stattgefunden hat. Es 
waren, wenn ich mich recht erinnere, außer den fremden 
Fürsten, ihrer Umgebung und den fremden Deputationen 
1300 Anwesende. Der Papst hatte den Auntius Laurenzelli 
mit einem Handschreiben entsandt. Spanien und Amerika 
ließen sich durch ihre Berliner Botschafter vertreten. Die ganze 
Feier verlief sehr schön und harmonisch, und vor allem sie 
ermüdete den Jubilar nicht zu sehr. 
Bald darauf begab sich der König zum gewohnten Früh- 
jahrsaufenthalt nach Sibyllenort. Die Königin folgte erst 
nach einer Kur in Karlsbad nach. Es wunderte den König, 
wie lange damals der Landtag zusammenblieb und mit seinen 
Arbeiten nicht fertig wurde. Er schrieb darüber meinem 
Vater: „Wich wundert nur die Redseligkeit unserer Pairs in 
dem späten Zeitpunkte der Session.“ Auch in einem Brief 
an Minister Schurig kommt er darauf zurück. Er erklärt sein 
Einverständnis mit den in einem Brief dargelegten Absichten 
den Landtag betreffend und fügt hinzu: „Es thut mir leid 
für die Stände, aber sie sind durchaus nicht ohne Schuld.“ 
Zum ersten Male kam der König in diesem Jahre nicht zu 
Manövern. Mein Vater meinte schon früher, seitdem der 
König nicht mehr voll gesund sei, hätten die Manöver viel 
an Interesse für ihn verloren. Er ginge nur noch gern zu den 
ganz großen. Freilich war er ja auch verhindert, da er sich 
zum Begräbnis der ermordeten Kaiserin von Österreich nach 
Wien begab. Es drängte ihn, in dieser Stunde seinem Freund 
nahe zu sein. Bald darauf reiste er nach Breslau, um dort 
am 21. September der Hochzeit der Prinzessin Feodora von 
Meiningen, Tochter des Erbprinzen, mit dem Prinzen Hein- 
rich XXX. von Reuß beizuwohnen. Bei dieser Gelegenheit 
wohnte Albert beim Kardinal Kopp. Am 9. November feierte 
mein Vater sein 25 jähriges Jubiläum als kommandierender 
General. Der König verlieh ihm bei dieser Gelegenheit das 
Großkreuz des Heinrichsordens, da dieses nach den Statuten
	        
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