326 Letzte Jahre, Krankheit und Tod (1894 -1902).
hübsch.“ Das bezieht sich auf die Hochzeit von General von
Minckwitz mit der Palastdame Gräfin Einsiedel. Sie fand im
Beisein des Königspaares in der Schloßkapelle statt. Beim
darauffolgenden Essen brachte der König das Wohl des
jungen (7) Paares aus. Minckwitz, der bekannt als hervor-
ragender Tischredner war, hat so schön und ergreifend auf den
König gesprochen, daß sogar die Lakaien weinten. Als Be-
weis, wie der König immer dachte, allen eine Freude zu
machen, führe ich eine Stelle aus einem Briefe aus Sibyllen-
ort an Minister von Senydewitz an. Es handelte sich um
den Friseur Keller, dem er eine Freude machen will: „Ich
habe ihn gewißermaßen von seinem Vater geerbt, der mich
lange Zeit bediente. Beide zeichnen sich durch loyale Ge-
sinnung aus.“
Infolge des Unfalls, von dem ich oben gesprochen habe,
konnte die Königin nachher den König nicht zur Taufe eines
großen Ozeandampfers begleiten. Er nahm sie deshalb allein
vor. Aber diesem Dampfer „König Albert' schwebte überhaupt
für die Königin ein gewisses Verhängnis. Als die Probefahrt
von Bremerhaven aus stattfinden sollte und man schon ab-
stoßen wollte, kam ein Telegramm mit sehr schlechten Aach-
richten über das Befinden der Fürstin Fosephine von Hohen-
zollern, Tante der Königin. Darauf wurde wieder angelegt,
und diese stieg aus. Albert machte mit einigen geladenen
Gästen die Probefahrt und kam sehr begeistert zurück.
An Manövern konnte der König nicht teilnehmen. Er
weilte damals, wie er es öfter die letzten Jahre tat, einige
Zeit in Moritzburg. In diesem Herbst begann, wie bekannt ist,
der Burenkrieg. König Albert stand mit seiner Sympathie
ganz auf der Seite Englands, für das er immer viel Sym-
pathie hatte. Ebenso taten dies die Königin und mein Vater,
während wir jungen auf der Seite der Buren standen. Aus
diesem Grunde vermieden wir es möglichst, bei Familien-
diners über den Krieg zu sprechen. Ende Oktober stürzte mein
altester Bruder bei einer Jagd mit dem Pferde und brach