Full text : Geschichte der Hohenzollern.

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den  Friedrich  Wilhelm  I.  als  tüchtigen  Kriegsmann  in  den  Laufgräben  von
Stralsund  kennen  gelernt  hatte.  Dühan  war  ein  Mann  von  gelehrter  Kenntniß
und  sehr  gebildetem  Geschmack,  der  das  Alterthum  schätzte  und  den  Werth  desselben
  für  die  Bildung  des  Geistes  gar  wohl  erkannte.  Seine  Instruktionen
ließen  ihm  zwar  hierin  sehr  wenig  Spielraum,  denn  wir  wissen,  daß  selbst  das
Lateinische,  obschon  es  die  goldene  Bulle  verfassungsmäßig  von  jedem  Kurfürsten
des  heiligen  Römischen  Reiches  verlangte,  von  dem  Könige  ausdrücklich  verpönt
war,  viel  weniger  noch  durfte  man  an  das  Griechische  denken.  Wenn  man
nun  bedenkt,  daß  gerade  Friedrich  vor  Andern  berufen  war,  das,  was  Edles
und  Großes  in  den  alten  Klassikern  liegt,  zu  begreifen,  so  muß  man  es  um  so
mehr  bedauern,  wenn  seltsame  Vorurtheile  ihn  von  dem  reinen  Quell  zurückhielten.
Er  selbst  fühlte  dies  und  sprach  es  noch  in  spätern  Jahren  aus.  So  heißt  es
in  einem  während  des  siebenjährigen  Krieges  an  den  Marquis  d'Argens  geschriebenen
  Briefe:  „Sie  und  Ihres  Gleichen  lesen  Lateinisch.  Griechisch,  Hebräisch
u.  s.  w.;  ich  hingegen  verstehe  nur  ein  wenig  Französisch,  wo  mir  nun  das  Nichts
hilft,  bleibe  ich  in  der  größten  Unwissenheit."

Alles  demnach,  was  den  Geist  schmücken,  die  Lebensanschauung  erweitern,
dem  ästhetischen  Gefühl  Befriedigung  schaffen  kann,  war  ihm  wie  mit  eisernen
Riegeln  verschlossen,  denn  der  strenge  Vater  verstand  keinen  Scherz,  und  drohte
nicht  nur  den  Kindern,  sondern  auch  den  Lehrern  mit  seinem  nicht  ohne  Grund
gefürchteten  Stock,  wenn  sich  irgend  Jemand  eine  willkührliche  Abweichung  von
seiner  strengen  Ordre  erlaubt  hätte.  Dies  unnatürliche  und  für  die  ganze  königliche
  Familie  bedenkliche  Verfahren  des  Königs  erkannte  auch  der  kluge  Seckendorf
  von  dem  ersten  Augenblick  seines  Aufenthaltes  in  Berlin  an.  Er  schrieb  im
Jahre  1725  darüber  an  den  Prinzen  Eugen:  „Obgleich  der  König  den  Kronprinzen
  herzlich  liebt,  so  fatiguirt  er  ihn  mit  früh  Aufstehn  und  allen  Strapazen
den  ganzen  Tag  dergestalt,  daß  er  bei  seinen  jungen  Jahren  so  ältlich  und  so
steif  aussieht,  und  dahergeht,  als  ob  er  schon  viele  Campagnen  gethan  bätte.
Die  Absicht  des  Königs  geht  dahin,  daß  er  nach  seiner  ihm  inwohnenden  Inelination
  den  Soldatenstand  allen  übrigen  Wissenschaften  vorziehe,  die  Sparsamkeit
  und  Genügsamkeit  bei  Zeiten  kennen  lerne  und  in  keine  Commodité  oder
Plaisir,  als  was  er,  der  König,  selbst  nur  achtet,  sich  verlieben  solle.  Man  merkt
aber  gar  augenscheinlich,  daß  diese  Art  zu  leben  wider  des  Kronprinzen  Inclination
  und  folglich  just  einen  contrairen  Effekt  mit  der  Zeit  haben  wird,  maßen
des  Kronprinzen  Hümeur  ohnedem  mehr  auf  Generosität,  Propreté,  Gemächlichkeit
  und  Magnificence  gerichtet,  dabei  auch  uninteressirt,  lieberal  und  barmherzig
ist".  Hierauf  führt  der  Berichterstatter  mehrere  Beispiele  an,  wo  der  Kronprinz
auf  Reisen  an  Orten,  wo  ihm  der  üblichen  Sitte  nach,  weil  er  sie  zum  ersten
Male  berührt,  Ehrengeschenke  zum  Belaufe  von  mehreren  Hunderten  von  Dukaten
  überreicht  worden,  nur  auf  bestimmten  Befehl  die  Gabe  angenommen,
später  aber  unter  der  Hand  zurückgesendet  habe.