Full text: Bürgerkunde.

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94 Das Strafrecht 
beweisen können, sonst wird er wegen übler Nachrede bestraft.“ 
Ist die behauptete Tatsache aber nicht nur nicht beweisbar, sondern 
sogar erweislich unwahr und wurde die Behauptung wider besseres 
Wissen aufgestellt, so liegt eine Verleumdung vor. Eine solche 
Verleumdung wird auch dann bestraft, wenn sie zwar nicht unmittelbar 
die Persönlichkeit des Beleidigten angreift, aber dessen Kredit zu 
gefährden geeignet ist. Auch die Verleumdung Verstor- 
bener kann von deren nächsten Angehörigen verfolgt werden. Be- 
steht endlich die Verleumdung darin, daß wider besseres Wissen gegen 
einen anderen bei einer Behörde eine falsche Anzeige erstattet wird, 
so liegt das schwere Vergehen der falschen Anschuldigung 
vor, das mit Gefängnis nicht unter einem Monat bestraft wird. 
In manchen Fällen ist zwar an sich der Tatbestand einer straf- 
baren Beleidigung gegeben, eine Bestrafung aber gleichwohl aus- 
geschlossen, weil aus der Form oder den Umständen der Aeußerung 
ersichtlich ist, daß sie nicht in der Absicht zu beleidigen, sondern 
zur Ausführung oder Verteidigung von Rechten oder zur Wahr- 
nehmung berechtigter Interessen oder in Ausübung 
eines Erziehungs= oder Rügerechts oder dergleichen gebraucht worden 
ist. Ein solcher Fall liegt z. B. vor, wenn ein Lehrer oder Vorgesetzter 
in scharfen Worten, die an anderer Stelle beleidigend wären, einen 
Verweis erteilt, oder wenn ein Bestohlener der Behörde gegenüber den 
Verdacht ausspricht, den er gegen einen anderen hinsichtlich der Tat 
hegt, oder wenn ein Angeklagter zu seiner Verteidigung die Unwahr- 
heit der eidlichen Aussage eines Zeugen behauptet. 
Straflosigkeit kann ferner dann eintreten, wenn eine Beleidi- 
gung (oder leichte Körperverletzung) auf der Stelle erwidert wurde. 
Die Verfolgung der Beleidigungen geschieht nur auf Antrag des 
Beleidigten. Der Antrag kann bei Beleidigung einer Ehefrau auch 
gestellt werden durch deren Ehemann, bei Beleidigung Minderjähriger 
durch den Vater oder Vormund, sowie bei Beleidigung von Beamten 
in Beziehung auf ihren Beruf durch deren Vorgesetzte. Der Antrag 
kann zurückgenommen werden. 
8. Verbrechen wider das Leben. 
Die vorsätzliche Tötung 29 eines Menschen wird Tots chl ag 
genannt, wenn sie ohne Ueberlegung (d. h. ohne ruhige Erwägung im 
Eine Beleidigung durch üble Nachrede kann aber zugleich auch eine 
formelle Beleidigung enthalten; dann schließt natürlich der Beweis der 
Wahrheit die Bestrafung wegen letzterer nicht aus. So darf ich 3. B. 
jemanden, der früher einmal einen Diebstahl begangen und gebüßt hat, nicht 
deshalb öffentlich als Dieb bezeichnen. 
* Die vorsätzliche Tökung wird, wenngleich milder, auch dann 
bestraft, wenn sie auf ausdrückliches und ernstliches Ver-
	        
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