Full text : Meyers Fach-Lexika; Lexikon der deutschen Geschichte.

Franken.

meier  ausgeübt.  Pippin  der  Kurze  wurde
751  von  den  Großen  des  Reichs  zum  König
  erhoben,  und  damit  bestieg  das  Geschlecht
  der  Karolinger  den  Thron.  Karl
d.  Gr.,  sein  berühmter  Nachfolger,  dehnte
nach  siegreichen  Kämpfen  mit  Sachten,
Langobarden,  Arabern,  Avaren  und  Diänen
  die  Grenzen  des  Reichs  im  Norden  bis
zur  Eider,  im  Osten  bis  zur  Saale,  dem  Böhmer
  Wald  und  der  Raab,  im  Süden  bis  nach
Unteritalien  und  zum  Ebro  aus  und  erlangte
  799  die  römische  Kaiserwürde.  Die
Teilungen,  welche  sein  Sohn  Ludwig
der  Fromme  vornahm,  und  der  Zwist  mit
seinen  Söhnen  schwächten  die  Macht  des
Reichs,  welches  bei  seiner  unförmlichen
Gestalt  und  der  nationalen  Verschiedenheit
  seiner  Bewohner  nicht  die  Bedingungen
  für  ein  dauerndes  Bestehen  in  sich
trug.  Der  Vertrag  von  Verdun,  welchen
Ludwigs  Söhne  Lothar,  Ludwig  der  Deutsche
  und  Karl  der  Kahle  8343  schlossen,
führtedie  Auflösung  des  fränkischen  Reichs
herbei;  es  lösten  sich  Italien,  das  ostfränkische
  7  deutsche)  und  westfränkische
Reich  (später  Frankreich)  ab.  Weiteres  s.
Ostfränkisches  Reich.  Vgl.  Junghans,
  Geschichte  der  fränkischen  Könige
Childerich  und  Chlodovech  (1857);  Bornhak,
  Geschichte  der  F.  unter  den  Merowingern
  (1863);  Löbell,  Gregor  von
Tours  und  seine  Zeit  (2.  Aufl.  1869);
Richter,  Annalen  des  fränkischen  Reichs
im  Zeitalter  der  Merowinger  (1873);
Pertz,  Geschichte  der  merowingischen
Hausmeier  (1819).

Franken,  deutsches  Herzaztum,  dessen
Hauptteil,  auf  dem  rechten  Rheinufer  liegend,
  seiner  ganzen  Länge  nach  vom  Main
durchzogen  wurde  und  im  N.  sich  bis  zum
Nordabhang  der  Rhön  und  zum  Thüringer
  Wald,  im  O.  zum  Fichtelgebirge,
im  S.  zum  deutschen  Jura  und  Schwarz--wald
  erstreckte;  auf  dem  linken  Ufer  des
Rheins  gehörte  das  Gebiet  von  Speier,
Worms  und  Mainz  dazu.  An  seinen
Grenzen  lagen  Thüringen,  Sachsen,  Böhmen,
  Bayern,  Schwaben  und  Lothringen.
Es  zerfiel  in  Ostfranken  mit  Würzburg
als  Mittelpunkt  und  jenseit  des  Spessart
Rheinfranken  um  Mainz.  —  Die  herzogliche
  Würde  in  F.  erwarb  zuerst  Kon-127



rad  I.  (s.  d.),  der  spätere  deutsche  König,
dessen  in  jenem  Gebiet  reich  begütertes
Geschlecht  den  mächtigen  Babenbergern  den
Vorrang  abgewann.  Ihm  folgte  911  sein
Bruder  Eberhard,  der  mit  Konrads  Na
folger,  Köni  Peinrich  I.,  in  Eintracht
lebte,  aber  1  938  znd  noch  heinmunl  939,
jetzt  mit  den  Herzögen  Heinrich  von
Bayern  und  W*r2r  von  Lothringen
verbündet,  gegen  König  Otto  I.  empörte.
Er  fiel  damals  in  einem  Kampf  bei  Andernach
  am  Rhein,  und  seine  brung
hatte  die  Aufhebung  des  Herzogtums  F.
ur  Folge.  Fortan  war  das  Land  dem
eutschen  König  unmittelbar  unterthan,
wenn  auch  das  Haus  der  Salier  in  Rheinfranken
  in  den  Besitz  mehrerer  Grafschaften
  kam.  Durch  Konrad  II.  (s.  d.)  erwarb
dasselbe  die  deutsche  Königswürde.  Später
war  Rheinfranken  unter  mehrere  Herren
geteilt,  vornehmlich  den  rheinischen  Pfalzgrafen,
  den  Grafen  von  Nassau  und  den
andgrafen  von  Hessen,  ferner  von  geistlichen
  Fürsten  die  Bischöfe  von  Worms
und  Speier  und  den  Erzbischof  von  Mainz.
In  Ostfranken  erwarb  der  Bischof  von
Würzbur  8  Anfang  des  12.  Jaheh.
herzogliche  Rechte,  verlor  sie  aber  durch  K
nig  Heinrich  V.,  welcher  die  herzogliche
Gewalt  seinem  Neffen  Konrad  von  Staufen
  verlieh.  Dieser  behielt  auch  den  Titel
bei,  als  1120  der  Bischof  von  Würzburg
mit  den  herzoglichen  Rechten  wieder  belehnt
  wurde.  Das  Herzogtum  der  Staufer
  erhielt  später  den  Namen  Rothenburg
und  bestand  bis  zum  Aussterben  des  Geschlechts.
  Aber  die  Bischöfe  von  Würzburg
  erschlichen  durch  Vorlegung  falscher
Urkunden  früherer  Könige  von  Friedrich
  Barbarossa  1168  die  Anerkennung
ihrer  Rechte.  Doch  führten  sie  erst  seit
dem  Anfang  des  15.  Jahrh.  den  Titel
“!  von  Ostfranken  #.  Ihre  Gewalt
erstreckte  sich  nur  auf  die  unmittelbaren
Besitzungen  des  Bistums.  Aus  diesen
und  dem  Gebiet  des  Bistums  Bamberg,
der  Abtei  Fulda,  der  Burggrafen  von
Nürnberg,  der  Grafen  von  Henneberg  u.  a.
ward  später  der  fränkische  Kreis  Pv1  d.)
gebildet.  1633  schuf  Bernhard  von  Weimar
  aus  Würzburg  und  benachbarten
Territorien  ein  Herzogtum  F.,  das  er

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