Volltext : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1821. (12)

601  Dreimaster  —  dreist.

dreimaliger  besuch.  —  Dreimaster,  m.  Schiff  mit  drei
Masten;  übertragen  auf  einen  dreieckigen  Hut.  —  dreimastig,

  drei  Masten  habend:  dreimastige  Schitle
Seume  m.  Sonm.  129.  —  Dreischlag,  m.  dreifacher
im  Takte  geschehender  Schlag,  z.  B.  beim  Dreschen  auf
der  Tenne;  bei  Pferden  sanfter  Paßgang.  —  dreischneidig,
drei  Schneiden  habend:  ein  dreischneidiger  dolch.  —
dreischürig,  dreimal  die  Schur  erlanbend:  eine  dreischurige
  wiese.  —  dreiscitig,  drei  Seiten  habend:  dreiseitige
  sigur.  —  dreisilbig,  drei  Silben  habend:  dreisilbige
  wörter.  —  Dreispänner,  m.  mit  drei  Pferden
bespannter  Wagen.  —  Dreispitz,  m.  u.  was  drei  Spitzen
hat;  solcher  Sper,  Dreizack;  Fußangel:  werfend  sie.
ein  dreispitz  hincin  Wickram  Nachb.  24;  dreieckiger
Hut.  —  dreispitzig,  drei  Spitzen  habend:  dreispitziges
cisen;  wühle  wir  einen  dreispitzigen  degen  Schiller

Räub.  3,2.  —  dreistimmig,  in  drei  Stimmen  ausgeführt:

dreistimmige  lieder;  etwas  dreistimmig  setzen.  —  Dreistutzer,
  m.  dreieckiger  Hut:  der  einen  alten  dreistutzer
auf  dem  kopfe  hatte  Eichendorsf  Tangen.  119.  —
dreiteilig,  drei  Teile  habend:  dreiteiliges  werk,  dreiteiliger
  tukt;  drcitheilige  gliederung  Geibel  5,  28.—
dreiviertel,  zusammengerückt  aus  drei  viertel,  drei  Vierteile;
  dazu  dreivierteltakt.  —  Dreizack,  m.  n.  Gabel,
Speer  mit  drei  Zacken.  —  Dreizahl,  k.  Zahl  von  drei:
die  heilige  dreizahl.  —  dreizehen,  zehn  und  drei;  dazu

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dreistes  kind  Abelung;  ich  habe  ihm  sehr  dreist  die
wahrbeit  gesugt  ebb.;  die  können  dreist  zu  ihm  gehen
Lenz  1,  220;  leichtfertig  dreust  Schiller  Fiesko  4,  12;
mit  tadelndem  Nebensinne,  milder  als  unverschämt  oder
frech:  durch  falsche  botschaft  Troja  zu  verderben  mit
dreister  stirn  Schiller  Zerst.  v.  Troj.  10;  gegen  seive
dreiste  stirn  Freytag  Handschr.  2,  239;  in  dreister  Prah--lerei
  Treitschke  1,  62;  schenkte  der  dreisten  betheuerung
  willig  glauben  2,  361;  Sie  werden  wich  wiederum
dreist  schelten  Benedix  Gefängn.  2,  11.  —  Dreistigkeit,
  ..  dreistes  Wesen,  Zuversichtlichkeit,  Beherztheit:  unt.
gutem  muth  und  frommer  dreistigkeit  Goethe  Du  W.  16;

Dreistigkeit  —  dreschen.

.mit  übelm  Beisinne:  welch  neue  dreistigkeit  Schiller

M.  Stuart  1,  1.  —  dreistweg,  in  dreister  Weise:  dreistweg
  erklürte  er  Treitschke  3,  600;  bei  Schiller  noch

getrennt:  die  meisten  bebaupteten  dreist  weg  1,  208.

Krell  m.  mit  drei  Fäden  gewebtes  Leinenzeug,  vgl.
Tiich.

Dreschen,  Körner  der  Feldfrüchte  aus  den  Ahren
schlagen  oder  treten;  gemeingerm.  Wort,  goth.  Priskan,
altnord.  briskja,  altengl.  Perscan,  ahd.  dreskan,  mhd.
dreschen;  urverwandte  Worte,  wie  litt.  trasketi  rasseln,
klappern,  altbulg.  trosku  Krach,  troska  Donnerschlag
weisen  darauf  hin,  daß  die  Arbeit  nach  dem  damit  verbundenen
  Geräusch  benannt  ist.  Die  starke  Form  des
Prät.,  mhd.  drasch,  Plur.  druschen,  Part.  geuroschen,

der  dreizebente;  ein  dreizehentstel.  —  dreizöllig,  drei  setzt  sich  im  Nhd.  als  drasch,  draschen  und  drosch.
Zoll  habend:  dreizöllige  planken.  droschen,  Part.  gedroschen  fort,  wovon  die  erstere  die

Dreier,  m.  Münze,  Dreipsennigstück:  dreier,  drei-  älterc  und  edlere  ist:  drasch  weizen  Richt.  6,  11;  man
Pfenniggröschlin  Henisch;  kann  ##.  berzog  ..  hand-  drasch  in  den  berrenhöfen  auf  vielen  tennen  Seume
lungen  müunzen,  wie  seine  dreier  Schiller  Kab.  2,  3:  Spaz.  1,  20;  ihn  im  finstern  so  2erdraschen  Goethe
die  letzten  dreier,  —  die  (etzten  Heller:  wegen  meiner  W.  Meister  3,9;  die  andere  fast  die  üblichere:  sie  mit
letzten  sechs  dreier  Seume  Spaz.  2,  131;  die  sache  der  ofengabe!  .  veidlich  durchdrosch  4,  18;  wenn  er

ist  nicht  einen  dreier  wert,  gar  nichts.  —  Dreiheit,  I.
dreifache  Zahl  und  dreisaches  Wesen;  erwächst..  zur
dreiheit  Geibel  5,  28;  in  älterer  Spr.  auch  —  Dreialtigkeit:
  die  heilige  dreiheit  Keisersberg  Post.  2,  30.
—  Dreiling,  m.  Münze,  wie  dreier:  vier  dreilinge
machen  einen  groschen  Stieler;  Maß  für  Getreide,
Bier  oder  Wein,  als  dritter  Teil  eines  Ganzen,  von
verschiedenem  Umfang;  mhd.  driling.  vgl.  auch  drilling.
—  dreißig,  dreimal  zehn;  in  Verbindung  mit  Substantiven
  unflectiertes  Zahlwort:  dreiszig  menschen,  in
dreiszig  tugen,  kein  einziger  der  dreiszig  tage  wur  trube;
allein  stehend  flectierte  die  ältere  Spr.  das  Wort  gern
in  allen  Fällen:  gewaltig  .  uber  dreiszige  1.  Chron.
13,  1  (gegen:  dreiszig  waren  unter  jm  12,  42);  den

heubtman  unter  dreiszigen  13,  18;  die  neuere  nur  noch
im  Dat.:  unter  dreiszigen  kaum  einer;  bei  Altersbestimmungen

  mit  weggclassenem  jahr:  ein  mann  in
den  dreiszigen,  uber  die  dreiszig  binauvs.  Dazu  ein
dreisziger,  der  von  dreißig  bis  vierzig  Jahr  alt  ist;  der
dreiszigste,  als  Ordnungszahl;  bei  den  Katholiten  der
seierlich  begangene  dreißigste  Tag  nach  der  Beerdigung:
das  dreiszigstel,  der  dreißigste  Teil.

Drein,  s.  darein.

Treist,  zuversichtlich,  beherzt  aus  Selbstvertrauen;
ein  erst  im  ältern  Nhd.  aus  dem  Niederd.  ausgenommenes
Wort,  altsächs.  thristi,  altengl.  briste,  mud.  drist;  bei
Kilian  aber  neben  drijst  auch  driest,  im  brem.  Wo.
1,  248  dricst,  welcher  letzterem  Form  die  im  18.  Ih.
nicht  ungewöhnliche,  jetzt  abgekommene  hochd.  Schreibung
dreust  näher  steht.  Herkunft  des  Wortes  ist  dunkel;  bei
Henisch  driesz  und  dryste,  bei  Schottel  driest,  dreist,
bei  Stieler  drust,  driest,  dreist;  ohne  tadelnden  Beisinn:
  ein  treuster  soldate  Steinbach;  wurdest  du
dreust  genug  sein,  die  wurfel  zu  schutteln  Schiller
Fiesko  1,  14;  dir  fehlt  ein  dreistes  wagen  Goethe
Dr.  4.  18;  kurz  angebundene,  dreiste  entschlossenbeit
Treitschke  2,  231;  in  Bezug  auf  gesellschaftliche  Form
und  Betragen,  nicht  zaghaft  oder  blöde:  bei  groszen
herrn  musz  man  nicht  allzu  driest  sein  Stieler;  ein

des  abends  drosch  Voß  Luise  3,  2,  29;  unterdessen
man  in  der  tenne  drosch  JGotthelf  Uli  163;  Versuche,
  die  schwache  Form  einzuführen,  sind  in  älterer  wie
in  neuerer  Spr.  gemacht:  eine  tennc,  wenn  man  drauf
dresehet  (statt  des  starken  drischt)  Jer.  51,  33;  mache
dich  auf  und  dresche  (statt  drisch)  Mich.  4,  13;  wie
viel  hast  gersten  getrescht?  Garg.  78;  da  ..  oft  ein
arm  gedrescht,  der  sonst  den  stab  gefuhrt  Haller
„verdorb.  Sitt.  40;  jetzt  ganz  aufgegeben.  Verwendung
im  eigentl.  Sinne,  intrans.  in  der  scheune,  auf  der
tenne  (Jer.  51,  33),  mit  dem  ficgel,  der  dreschmaschine
dreschen;  vor  einem  etadele  dà  man  drasch  Haupts
Btschr.  7,  381;  du  solt  dem  ochsen  der  da  drischet,
nicht  das  maul  verbinden  5.  Mof.  23,  4;  der  da  dreschet,
sol  auf  hoffnung  dreschen  1.  Cor.  9,  10;  über  die  ganze
lunge  des  korns  .  dreschen  JGotthelf  Uli  163;  nicht
mehr  zu  sechsen,  sondern  höchstens  zu  viercn  dreschen
165;  trans.  getreide,  bafer,  korn,  weizen  dreschen;
man  dreschet  die  wicken  nicht  mit  egen  Jes.  28,  27;
das  korn  war  schlecht  gedroschen  JGotthelf  Uli  161;
auch  lachs  dreschen,  blauen;  bildlich  und  übertragen:
leeres  stroh  dreschen,  Unnützes  und  Vergebenes  thun:
ledig  stro  dreschen,  aetum  agere,  spiit  agere  Henisch;
merken,  dasz  sie  lüer  stroh  dröschen  Simpl.  1,  128;
was  willst  du  dich  das  stroh  zu  dreschen  plagen?7
Goethe  Fanst;  akten  dreschen,  sagen  scherzend  Richter
und  Anwälte,  wenn  sie  viel  Akten  lesen  müssen;  spicler
dreschen  karten.  skat,  bei  eisrigem  Spiel;  mit  der  zunge
dreschen,  klatschen:  mancher  hat  an  der  hochzeit  am
ürgsten  gedreschet  Chr  Weise  böse  Cath.  3,  6,  vgl.
zungendrescher;  dreschen,  in  derber  Rede  auf  einen
losschlagen,  hanen,  prügeln:  das  sic  Gilcad  mit  eisenen.
zacken  gedroschen  haben  Amos  1,  3;  dreschen  unverdrossen
  so  hageldichbt  Wieland  Ob.  3,  15;  wenn  ich
ihm  nicht  leib  und  seele  breiweich  zusammen  dresche
Schiller  Kab.  2,  4;  edler  von  dem  Niederschlagen  durch
Not  und  Unglück:  dasz  der  mensch  durch  oflentliches
und  hüusliches  geschick  zu  zeiten  gräszlich  gedroschen
wird  Goethe  Maximen  u.  Refl.  3.  —  Zusammen-