In dieser Sorge hielt Bülow selne sich in hartnäcklgem Kingen vorkämpfenden
zwel rechten Flügelkorps an und befahl ihnen, auf Montmirail zurückzugehen
und dort elne neue Flankenslcherung zu dllden. Dadurch degann seln
Vorstoß auf die Linle Sezonne-Fere-Champenolse die Kraft zu verlleren. Und
dabel war doch hier alles bewunderungswürdig lm Gang! Das 10. Korps
hatte in züähem Vorwärtedringen den Kleinen Morin überschritten. Das Gardetorps
vollends hatte einen der höchsten Ehrentage selner ruhmumstrahlten
EGeschichte. Es hatte sich in fürchterlichstem feindllchen Feuer durch dle von den
Franzosen für unüberschreitbar gehaltenen Sümpfe von St. Gond blndurchgearbeltet
— hatte im Verein mit den zu selner Linken fechtenden delden sächflschen
Korps die französische 9. Armee aue lhrer defestigten Steilung bie auf den
Maurienne-Bach zurückgedrängt. Ja, selbst dieser Adschnitt dot dem deutschen
Vorstoß keinen Halt mehr. Dle Lücke zwischen der 9. und 4. französischen Armee
klaffte immer welter. Hätte jetzt Bülow noch elne Reserve zum Nachstoß in der
Hand gebadt — der Durchdruch wäre vollendet, die französlsche Front in zwei
Teile gerissen und der Aufrollung nach Westen wie nach Osten preiegegeben
gewesen.
Aber dlese Reserve feblte. Sle stand um Montmirail gefesselt durch
den Zwang, an Stelle der nach Nordwesten verschodenen 1. Armee den rechten
Flügel der elgenen Kampffront zu decken. Der durch den Ausfall auch des
linken Flügele der 1. Armee freigewordene Tell der 5. französischen Armee
batte nachgestoßen und den zurückgebogenen Teil der Armee Bülow heftig angegriffen,
wenn auch ble jetzt ohne jeden Erfolg. Und einmal würden slch doch
auch dle Engländer aue lhrer Erstarrung aufraffen und den Kavallerieschleier
vor ihrer Front zerrelßen. Dann drohte die Uberflügelung.
So seltsam war die Lage der Armee Bülow: am linken Flügel, unterstützt
durch zwei Korpe der 3. Armee, hatte sie in hartem Ringen eine Lage erkämoft,
die zu kühnsten Hoffnungen berechtlgte — auf ihrem rechten Flügel wurde sie
aufgehalten und in die Verteidigung gedrängt, ja im Augenblick, wo Frenuch
aus seiner Lethargle erwochen würde, soger von Uberflügelung bedroht!.
Und ulrgendwo dle lelseste Spur einer Armeereserve für Notfälle — alle
deutschen Korpe in vorderster Linie in harte Kämpfe verstrict .
Rur eine letzte schwache Hoffnung: am 7. war ja Maubeuge gefallen, und
in elnigen Kagen würden die Belagerungstruppen des 7. RNeservekorpe von
Norden herankommen. Und weiterhin war bel Laon das 15. Korps von der
Vogesenfront her im Anrollen. Aber die Hilfe war noch weit — weit.
Dle Führer der drel am rechten deutschen Flügel kämpfenden Armeen
1, 2 und 3 waren völlig ihrer eigenen Beurteilung der Lage üderlassen. Dle
O. H.L. saß fern in Luxemburg! Die Gefährdung der 2. Armee durch dos Entstehen
der Lücke an lhrem rechten Flügel hatte fle allerdinge erkannt. Und
im Gefühl ihrer völllgen Ohnmacht zur Einwirkung auf die Kampffront hatte
sie elnen Entschluß gefaßt, der wohl ohne Belsplel ist in der Krlegsgeschichte.
Sie entsondte am 8. September einen verhältnlomäßlg jungen Offlzier, den
Oberstleutnant Hentsch, im Auto an die Front. Er war beauftragt, mit den
Oberkommandlierenden der 1. und 2. Armee Rücksprache zu nehmen und ein
Zurückgehen der Armeen des rechten Flügele zu verhindern. Sollte er aber zu
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