V. Krieg, Gewerbe und Handel 131
nicht beschaffbaren Rohstoffe erforderlich gemacht. Zur Bearbeitung der
hier auftretenden, für den ungestörten Weitergang des Wirtschaftslebens
höchst wichtigen Fragen wurde bald nach Kriegsausbruch im Hreußischen
Kriegsministerium die Kriegsrohstoffabteilung gegründet. Ursprünglich
war es ihre Aufgabe, alle zurzeit militärisch notwendigen Rohstoffe, wie
Wolle, Jute, HBanf, Flachs, Kupfer usw., soweit sie im Inland nicht selbst
gewonnen werden, zu ermitteln, unter ihre Aufsicht zu bringen und ihren
Derbrauch, militärischen Bedürfnissen entsprechend, unter Schonung der
allgemeinen Interessen zu regeln. Sur Sicherung der vorhandenen Dorräte
mußte die Rohstoffabteilung in großem Umfang Waren beschlagnahmen.
Und zwar geschalb das nicht nur bei Dorräten im Inland, sondern, was besonders
wichtig ist, auch bei den im Feindesland gefundenen. Dadurch sind
erhebliche Rohstoffmengen, besonders Wolle und Metalle, in den von
uns besetzten Teilen des feindlichen Auslands für unsere Dolkswirtschaft
sichergestellt worden. Bei der Derteilung bemüht sich die Rohstoffabteilung
nach Kräften, Hreistreibereien vorzubeugen. Sofern sie diese nicht verhindern
kann, wird sie Böchstpreise festsetzen, und zwar unter Umständen
nicht nur für die Rohstoffe, sondern auch für die aus ihnen gefertigten Halbund
TLFertigfabrikate.
In vielen Källen ist es notwendig, durch Gukauf von Mengen, die sich
zurzeit außer Landes befinden, die vorhandenen Vorräte zu vermehren.
Es hat sich so als zweckmäßig erwiesen, für bestimmte Warengruppen besondere
Abteilungen zu gründen, die Geschäfte abschließen können, und an
deren TLeitung die einzelnen Unternebmer, die an der Rohstoffversorgung
gerade in dieser Ware Interesse haben, beteiligt werden. So entstand als
erste Abzweigung der Kriegsrohstoffabteilung die Kriegsmetall-Aktiengesellschaft.
Sie hat die gesamten Vorräte des Inlands an Kupfer, ink,
Blei, Aluminium usw. sowie die des von deutschen Truppen besetzten Auslandes
unter ihre Derwaltung gebracht, hat sich ferner soweit wie möglich
Dorräte in diesen Waren in neutralen Ländern gesichert und regelt schließlich
ihre Derteilung an die Derbraucher, bei der natürlich die Kriegsmateriallieferanten
bevorzugt werden. Ebenso wurden eine Kriegswollbedarfs-Aktiengesellschaft,
eine Kriegschemikalien= und eine Kriegsleder-Aktiengesellschaft
gegründet. Bei der Wollversorgung hat man mit Rücksicht auf die
beschränkten Mengen an Streichgarn, das bisher für die Militärverwaltung
ausschließlich verwandt wurde, neuerdings auch die zur Kammgarnherstellung
erforderliche Wolle in eine besondere Organisation einbezogen, nachdem die
Militärverwaltung für ihre Swecke die Derwendung von Kammgarn trotz
des höheren Hreises zugelassen hat. Tach und nach werden vielleicht noch
Rohstoffversorgungszentralen für andere Artikel zustande kommen. Satzungsgemäß
haben alle bisher gegründeten Gesellschaften dieser Art keinerlei Erwerbszwecke,
und ihre Tätigkeit ist daher vollkommen uneigennützig. Die
Kriegsrohstoffabteilung organisiert nach Abzweigung der genannten TLieferungsgesellschaften
lediglich die Beschaffung und Derteilung der für den
Heeresbedarf unentbehrlichen Rohstoffe, befaßt sich also überhaupt nicht
mehr mit der Suführung des Materials an Einzelfirmen.
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