Full text : Preußische Geschichte. Zweiter Band. (2)

I.  Im  nordischen  Krieg  im  Zwange  Schwedens.  29

haben.  Um  acht  Uhr  waren  sie  Herren  des  Waldes,  und  auch
die  dahinter  stehenden  polnischen  Truppen  wichen  ohne  Kampf
auf  Praga.  Da  inzwischen  der  Kurfürst  auch  den  von  dem  Ge—
hölz  nördlich  verlaufenden  Höhenzug  genommen  hatte,  war  der
Sieg  der  Verbündeten  entschieden.  In  wirrem  Durcheinander
stürmte  die  polnische  Armee  die  Höhen  hinab  nach  dem  Flusse,
um  sich  über  die  Weichselbrücke  nach  Warschau  zu  retten.  Denn
schon  berannte  Sparr  die  den  Zugang  zur  Brücke  deckende
Schanze  und  brachte  das  den  Rückzug  deckende  polnische  Fußvolk
  so  hart  ins  Gedränge,  daß  es  abgeschnitten  zu  werden
fürchtete  und  sich  zur  Waffenstreckung  erbot.  Sparr  wollte  es
zusammenhauen,  um  mit  den  Fliehenden  zugleich  in  Warschan
einzudringen,  als  Pfalzgraf  Adolf  Johann,  wie  es  scheint  ohne
Wissen  seines  königlichen  Bruders,  Halt  gebot,  um  die  Polen
nicht  „zur  Desperation“  zu  treiben,  in  Wahrheit  wohl,  weil
er  den  Brandenburgern  den  Ruhm  nicht  gönnte,  den  besten
Teil  der  feindlichen  Armee  entwaffnet  zu  haben.  So  entkam
das  Fußvolk  über  die  Brücke  und  steckte  sie  hinter  sich  in  Brand.
Die  Vernichtung  der  volnischen  Armee  war  abgewandt.  Zwar
zerstreute  sie  sich  zunächst,  doch  nur  um  nach  der  Art  so  leicht
beweglicher  Reitermassen  bald  wieder  vereinigt  im  Felde  zu
erscheinen.  Am  31.  Juli  zogen  die  Verbündeten  in  Warschau
ein.  Ohre  Verluste  werden  höchstend  600  Mann  betragen  haben,
während  die  der  Polen  auf  5000—6000  zu  schätzen  sein  dürften.

Mit  neuen  Lorbeeren  kränzten  die  drei  Schlachttage  die
Banner  der  schwedischen  Armee:  die  junge  brandenburgische  hatte
ihre  ersten  gewonnen.  Glänzend  hatte  sie  die  Feuervrobe  bestanden,
  den  Sieg  entschieden.  Die  Ausdauer,  mit  der  sie  nach
Art  kriegsgewohnter  Veteranen  den  Ansturm  der  Uebermacht
aushielt,  hatte  dem  König  den  gewagten  Flügelwechsel  ermöglicht,
  und  als  der  Widerstand  der  Polen  erlahmte,  hatte  Sparr
durch  Wegnahme  des  Waldes  von  Praga  die  Entscheidung  herbeigeführt.
  Auch  war  es  nicht  die  Schuld  der  Brandenburger,
daß  die  geschlagene  Armee  nicht  völlig  zertrümmert  wurde.
Das  haben  die  Schweden  geflissentlich  verdunkelt,  weniger  um
den  Ruhm  des  Sieges  für  sich  allein  zu  beanspruchen,  als  aus
politischen  Gründen:  ein  Alliierter,  dem  man  einen  solchen