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langen und schweren Kriegen entstandenen Schulden des Staats
anstreben wollen. Diesen Zweck können sie nur durch Ersparnisse
und genaue Wirthschaft erreichen. Das bedeutendste Ersparniß
aber dürfte von ihnen in Verminderung der stehenden Heere gesucht
werden. Dadurch gelangen wir zu der so wichtigen Frage:
Wird durch eine Verminderung der stehenden Heere die Sicherheit
und die Existenz des Staates nicht gefährdet, und wird es
möglich, dasjenige, was man der Sicherheit des Staats durch
Verminderung des stehenden Heeres entzieht, auf eine andere
Art zu ersetzen?“
„Das System der stehenden Heere“, antwortete er dann,
„paßt für gewisse Zeiten und gewisse Verhältnisse, jedoch
nicht für alle und überall. Man mag damit auslangen, so lange
es in allen Ländern Sitte bleibt, nur mit stehenden Heeren
Krieg zu führen, so lange nicht blos das Verhältniß der Volksmassen,
sondern auch das der Staatseinkünfte nicht berücksichtigt
wird. Es wird und muß von selbst fallen, sobald jene= Bedingungen
aufhören.“
„Die stehenden Heere haben in dem neueren Europa den
Glanz der Landwehren gänzlich verdunkelt. Dadurch sind in
neuester Zeit alle Erfahrungen, die uns bei Beurtheilung des
Werthes der Landwehren leiten könnten, verloren gegangen.
Und doch beruht die zuverlässigste Stärke eines Staates
auf zweckmäßig gebildeten Landwehren"). Diese Einrichtung ist
die kirlichte und deshalb auch die beste. Sie liefert dem
Staat im Verhältniß seiner Bevölkerung die größte Anzahl
Streiter; sie erhält im Volke das Bewußtsein lebendig, daß es
ah V vertheidigt, eben dadurch also auch einen kriegerischen
Geist, der nicht leicht ausarten wird, weil diejenigen, welche er
belebt, niemals aufhören, Bürger zu sein. Ein solcher Geist
auf einer solchen Höhe aber macht ein Volk unüberwindlich.
an wird es nicht unterjochen, viel weniger ausrotten können.
. In der neueren Geschichte gab das erste große Beispiel
dieser Art die Republik der Vereinigten Niederlande. Ein
anderes, noch folgenreicheres Muster liefern die Vereinigten
Staaten von Nordamerika (Radetzky meint hier ihren Befreiungskampf
gegen England). Das größte unter allen aber die
franföhische Nevolution und der spanisch-portugiesische Krieg
von 1808—18
Radetzky * aus dem Vorgeführten die Lehre:
„Kriege zwischen Bürgersoldaten und regelmäßigen Heeren
bringen gewöhnlich im Anfang nur Niederlagen der Ersteren,
und doch finden die Landwehren bei ihrer Ausdauer den sicheren
*) Der Ausdruck „Landwehren“ gilt hier im Sinne von Volkswehren,
Bewaffnung aller waffenfähigen Männer.