Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1836. (13)

—  328  —

und  tüchtig  in  ihrem  Beruf  und  freundliche  Pfleger.  Mit  einem  Wort,
man  sieht,  daß  in  Deutschland  alles  in  menschenfreundlichster  und  großzügigster
  Weise  eingerichtet  ist.  Zögere  nicht,  den  Inhalt  dieser  Karte  öffentlich
  zu  verbreiten,  damit  man,  was  in  unseren  Kräften  steht,  bei  uns  an
den  deutschen  Gefangenen  vergelten  kann,  was  hier  an  uns  geschieht,  denn
auch  sie  haben  doch  nur  ihre  Pflicht  und  Schuldigkeit  getan  wie  wir  allel
Zeige  diesen  Brief  Vater.  Mit  1000  K.  usw.  R.  L.

Ein  englischer  Soldat,  der  nur  mehr  mit  der  Interpunktion  auf  Kriegsfuß
  steht,  schreibt  aus  der  Gefangenschaft  nach  Haus:

Meine  liebe  Frau!  Etben  einige  Zeilen,  damit  du  weißt,  daß  es  mir
Gott  sei  Dank  gut  geht  ich  hoffe  daß  du  diese  Postkarte  erhältst  aber  obwohl
ich  sie  absende  bin  ich  sehr  zweifelhaft  über  ihr  endgültiges  Schichsal  bei
meinem  ersten  Kampf  wurde  ich  verwundet  und  fiel  in  die  Hände  des
Feindes  so  bin  ich  jetzt  ein  Gefangener  und  erwarte  es  so  lange  zu  sein  bis
der  Krieg  vorbei  ist  aber  man  ist  sehr  gut  zu  uns  man  behandelt  uns
sehr  sorgfältig  und  tut  alles  was  man  kann  für  unsere  Bequemlichkeit  erwarte
  keine  Postkarten  mehr  da  ich  keine  mehr  schreibe  Küsse  für  Michael
und  beste  Grüße  an  dich  Tom.  (Tägl.  Rundschau,  15.  Sept.)

 

Eine  Abordnung  bei  General  Gallieni.

Mailand,  14.  September.  Secolo  läßt  sich  aus  Paris  über
Bordeaux  melden:  Die  Führer  des  Arbeitersyndikats  habei  bei  der  Militärbehörde
  um  einen  Empfang  nachgesucht,  der  ihnen  auch  am  letzten
Donnerstag  bewilligt  worden  ist.  Sie  unterbreitkten  dem  General  Gallieni
die  Bitte  des  Arbeitersyndikats  um  Abwendung  eines  großen  Unglücks  für
die  Zweimillionenbevölkerung  Paris'  im  Falle  eines  weiteren  Vordringens
der  Deutschen.  Ihr  Ersuchen  gipfelte  in  der  Schlußforderung  einer  Nichtverteidigung
  Paris'  und  Erklärung  Paris  zur  offenen  Stadt.  Der  General
erwiderte  der  Deputation,  daß  für  ihre  Bitte  nicht  er,  sondern  die  Regierung
in  Bordeaux  zuständig  sei,  deren  Befehle  er  lediglich  durchführe.  Der
General  warnte  jedoch  vor  Kundgebungen  der  Syndikalisten  in  der  Pariser
Arbeiterschaft,  für  den  Fall,  daß  die  Regierung  auf  ihren  Befehl  der  Verteidigung
  Paris'“  bestehen  bleibe.  Der  Deputation  wurden  auf  ihrem  Wege
von  und  zur  Präfektur  stürmische  Kundgebungen  des  niederen  Volkes
bereitet.  (Nat.-Ztg.)

Ein  englischer  Gesandter  als  Verleumder  der  deutschen  Truppen.

Die  „Nordd.  Allg.  Ztg.“  vom  15.  September  berichtet  halbamtlich:

Ein  Telegramm  aus  dem  Haag  meldet,  die  dortige  englische  Gesandtschaft
  habe  der  holländischen  Presse  mitgeteilt,  daß  die  deutschen  Truppen
vollkommen  demoralisiert  seien.  Sie  plünderten  alle  französischen  Ortschaften,
  die  sie  erreichten,  und  sie  betränken  sich.

Die  holländischen  Zeitungen,  deren  Vertreter  Gelegenheit  haben,  sich
aus  eigener  Anschauung  ein  Urteil  über  die  Haltung  der  deutschen  Truppen
zu  bilden,  werden  durch  diese  Täuschungsversuche  eines  englischen  Diplomaten
  nicht  irregeführt  werden.  Wir  legen  aber  Verwahrung  dagegen  ein,
daß  der  Gesandte  einer  gegen  Deutschland  Krieg  führenden  Macht  seine
völkerrechtliche  Immunität  in  der  Hauptstadt  eines  neutralen  Landes  mißbraucht,
  um  gegen  das  deutsche  Heer  Schmähungen  zu  verbreiten.