Full text : Das Völkerrecht.

836.  Fortsetzung.  Die  Bekämpfung  des  Sklavenhandels.  289

Dagegen  ist  der  Gedanke  eines  Verbandes  zur  Veröffentlichung
  sämtlicher  Staatsverträge  (Union  internationale  pour
la  publication  des  traitös),  den  Franz  v.  Holtzendorff  bereits
1875  angeregt  hatte  und  der  seither  wiederholt  von  dem  Institut
für  Völkerrecht  behandelt  worden  ist,  bisher  seiner  Verwirklichung
nicht  nähergerückt,  obwohl  die  Schweiz  1894  und  namentlich
Belgien  1895  die  Regierungen  auf  Grund  eines  ausgearbeiteten
Planes  zum  Beitritt  aufgefordert  hatten;  von  größeren  Staaten  hat
bisher  nur  Italien  seine  Zustimmung  erklärt.?

8  36.  Fortsetzung.  Die  Bekämpfung  des  Sklavenhandels.!
1.  Die  Maßregeln  zur  Unterdrückung  des  Sklavenhandels  gewinnen
völkerreehtliche  Bedeutung  erst  mit  dem  Augenblick,  in  welehem  die
Staaten  zu  seiner  gemeinsamen  Bekämpfung  sich  zusammenschließen.
Nur  diese  internationalen  Vereinbarungen,  nicht  die  Bestimmungen
  der  nationalen  Gesetzgebung  sind  an  dieser  Stelle  zur
Darstellung  zu  bringen.

1.  Der  von  den  Vereinigten  Staaten  und  von  England  ausgehenden
  Bewegung  folgend,  hatte  bereits  der  Wiener  Kongreß
durch  die  beriihmte  Erklärung  vom  8.  Februar  1815  den  Handel  mit
Negersklaven  (die  ‚‚trafte  des  noirs‘‘,?  nicht  zu  verwechseln  mit  der
Reehtseinrichtung  der  Sklaverei),  der  damals  besonders  von  Afrika

 

9)  Vergl.  R.  G.  1135  (Rostworowsky),  U  221,  III  587;  R.J.
XXVLD  495.  Die  Verhandlungen  der  Berner  Konferenz  von  1894  siehe
N.R.G.  2.  s.  XXI  460.

1)  Vergl.  v.  Liszt,  Lehrbuch  des  Strafrechts.  15.  Aufl.  $  99  und
8  101.  v.  Martitz,  L.  A.  I  3.  Scherling,  Die  Bekämpfung  von
Sklavenraub  und  Sklavenhandel  seit  dem  Anfange  dieses  Jahrhunderts.  1897.
Desjardins,  La  traite  maritime,  le  droit  de  visite  et  la  conferenco  de
Bruxelles.  1891.  Levy,  La  traite  des  noirs  et  les  puissances.  1894.
de  Montardy,  La  traite  et  le  droit  international.  1899.  Kaysel,  Die
Gesetzgebung  der  Kulturstaaten  zur  Unterdrückung  des  afrikanischen  Sklavenhandels.
  1905  (Heft  63  der  von  Beling  herausgegebenen  Strafrechtlichen
Abhandlungen).  —  Der  erste  Vorschlag,  einen  Staatenverband  gegen  den
Sklavenhandel  zu  gründen,  rührt  wohl  von  Montesquieu  her.

2)  „Ce  flöau  qui  a  si  longtemps  desol&  l’Afrique,  degrade  l’Europo
et  affligd  I’humanitö.“*

v.  Liszt,  Völkerrecht.  4.  Aufl.  19