Volltext : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Erster Band. (1)

Dagegen  hatte  das  europaische  Rußland  auf  Umwegen  Zugang  zum  Weltmeer
  an  folgenden  Stellen:

Erstens  hatte  es  auf  dem  Umwege  ducch  seine  aflatischen  Besitzungen  Anschluß
  on  den  Großen  Ozean.  Dleser  Weg  war  durch  das  Rlesenwerk  der  transstbiiischen
  Bahn  erschlossen  worden.  Sle  war  als  Werkzeug  der  Eroberung  des
fernen  Ostene  gedacht.  Ursprünglich  war  Wladlwostok  als  Endpunkt  in  Aussicht
  genommen  und  die  Bahn  ganz  auf  russlschem  Gebiete  projektiert.  Um
aber  den  Weg  ducch  die  unwirtliche  Amurprovinz  zu  ersparen,  schloß  Rußland
1896  mit  China  elnen  Vertrag,  der  ihm  gestattete,  die  Bahn  durch  die  nordchlnesische
  Prorinz  der  Mandschurei  fortzusetzen.  Zwei  Jabre  später  wurde  Chlna
genötlgt,  die  Halbinsel  Llaotung  und  den  Hafen  Port  Arthur  an  Rußland  abzutreten.
  Nun  wurde  das  Prosekt  der  slbirischen  Bahn  geändert:  sie  gabelte  sich
bei  Charbin,  durchzog  in  ihrem  südlichen  Teile  die  Mandschurel  und  mündete
bel  Port  Arthur,  während  der  nördliche  Teil  nach  Wladiwostok  ebenfalle  durchgeführt
  wurde.  Dieses  Vordringen  Rußlande  in  den  „fernen  Osten“  ist  später
der  Anlaß  zum  Russisch-Japanischen  Kriege  geworden.

Elnen  zwelten  Ausgang  zum  Meere  bot  die  Ostsee.  Hler  aber  waren  die
skandlnaolschen  Mächte  Beherrscher  der  Meerengen,  und  Deutschland  war
namentllch  selt  Errlchtung  des  Kalser-Wilhelm-Kanals  und  Dermehrung  selner
Flotte  In  der  Lage,  mit  elnem  verhältniemäßlg  gerlngen  Teile  selner  Seemacht
den  Ausgang  zu  sperren.

Den  dritten  Ducchlaß  boten  die  Meerengen,  welche  die  Grenze  zwischen
den  asiatischen  und  europälschen  Besitzungen  des  Oomanenrelches  darstellten.
Hler  war  Herein  der  Lage  die  Kürkel,  und  wenn  auch  Rußland  selit  1871,  wle
bereits  erwähnt,  zum  Halten  elner  Krlegsflotte  auf  dem  Schwarzen  Weer  berechtigt
  war  —  die  Türkel  war  jedeczelt  berechtigt  und  in  der  Lage,  den  Auegang
  der  Meerengen  für  die  Durchfahrt  von  Kelegeschiffen  zu  schließen.

ODleser  Zustand  war  einer  der  Hauptgründe,  weswegen  die  russische  Politik
das  Zlel  der  Gewinnung  der  Meerengen  dauernd  lm  Auge  behlelt.  Aber  dleses
Streben  selber  war  schon  sehr  alt.  Seit  Peter  dem  Großen  hat  Rußland  immerfort
  dle  Kürkel  bekriegt  in  der  Abslcht,  über  kurz  oder  lang  die  Beberrschung  der
Meerengen  zu  erzwingen.  Es  wurde  als  Rußlande  Mission  bezeichnet,  das
Erbe  des  byzantinlschen  Kalssertume  anzutreten  und  den  Halbmond  auf  der
Hagla  Sophla  durch  das  Kreuz  zu  ersetzen.  Dlese  Vorstellung  lebte  tief  im
Herzen  des  russtschen  Volkes  und  „gab  dem  imperlallstischen  Zuge  dee  russischen
Strebens  einen  populdren  und  ethlsch-rellglös  beleuchteten  Hlutergrund“.

Mit  Vorstehendem  sind  die  Gefahrenpunkte  un  Berhältunle  Deutschlande
zu  seinem  östlichen  Nachbarn  aufgezelchnet.  Aus  lhnen  erglbt  sich,  daß  die
Quellen  dee  späteren  Zerwilefulsses  mit  Rußland,  sowelt  sie  aus  dem  Balkanproblem
  entspringen  mußten,  die  folgenden  sind:

Erstens:  Deutschlands  Bündnle  mit  Osterrelch,  durch  das  Deutschland  in
dle  Gegensätze  zulschen  Osterrelch  als  dem  Beherrscher  elnes  großen  Teiles  der
klelneren  slawischen  Völkerschoften  elnerselts  und  Rußland  als  deren  angemaßtem
Protektor  andererselte  hineingezogen  wurde.

Zweltens:  Heutschlands  Ortentpolltik,  welche  dle  Ausbreltung  der  deutschen
  Einflußsphäre  in  der  Richtung  nach  Bagdad  anstrebte.

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