Full text : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1825. (16)

1139  Geschworner  —  Geselle.

Geschworner,  s.  schwören.  —  Geschwulst,  k.  geschwollene
  Körperstelle  ahd.  giswulet,  mhd.  geswulst.
zu  schwellen  (s.  d.)  gehörig:  kumor  geswulst,  geschwulst,
keschwolst  Dief.;  geschwulst  am  halse  Goethe
Du  W.  8;  Plur.  geschwulste,  dafür  älter:  alle  geschwulst
enden  sich  durch  ausschleiszen  oder  schwüren  Henisch.
—  Geschwür,  u.  schwärende  Körperstelle;  älter  geschwär,
nach  ahd.  giswer,  mhd.  geswer,  zu  schwären  (s.  d.)  gebörig:
  ein  sorgfältig  (Sorge  erregendes)  geschwär  Garg.
14;  ein  geschwär  im  leibe  Lesfing  Dram.  62;  die
Form  geschwur  schon  bei  Luther:  rho  fleisch  im  geachwur
  3.  Mos.  13,  10;  ein  geschwüur  des  brandmals  28;
und  jetzt  durchaus:  diesen  morgen  hab  ich  mir  ein
geschwür  aufschneiden  lassen  Schiller  4,  156;  geschwure
  uber  den  ganzen  körper,  u.  a.

Gesennen,  verstärktes  segnen,  ahd.  giseganön,  mhd.
Fesegenen;  von  Gott:  (daß)  er  wol  muge  ihr  weniges
nlso  gesegenen,  das  sie  uberflus  haben  Luther  Post.
1528;  als  Wunsch:  got  gesegen  juch  alle  Walther
115,  4;  gott  grüsze  euch  odder  gott  gesegne  euch
Luther  Ausleg.  der  Evang.  1527;  gesegn  ihr  heut
den  wunsch,  den  jede  brust  ihr  weiht  Bürger  Jubelseier
  der  Georg.  Augusta;  gesegnes  gott  Goethe
Wandrer;  mit  Unterdrückung  des  Subi.:  protüciat  jbr
lieben  herrn,  gesegen  euch  trinken  und  essen  Garg.  88;
im  Widerspiel:  das  sol  ihm  der  teufel  gesegenen  Luther
v.  d.  Schlüssein  1530;  drohend:  wart  ich  will  es  dir
gesegnen!  Goethe  ungl.  Hausgenoss.  5;  —  mit  Segenswunsch
  Abschich  nehmen:  Tobias  gesegnet  vater  und
mutter  und  zoch  .  dahin  Tob.  5,  24;  als  wir  einander
gesegneten  Ap.  Gesch.  21,  6;  frei,  ironisch:  darob  gesegnete
  ich  die  hochheilige  theologie  Seume  Ged.
132;  vom  Leben:  er  gesegnet  die  welt  osced#it  e  pitu
Steinbach;  das  zeitliche  gesegnen,  jetzt  lieber  bloß
segnen.  —  Geselle,  Gesell,  m.  Genosse,  Gehilfe,  ahd.
gisello,  mhd.  geselle;  in  eigentl.  Bed.  Saal=  oder  Hausgenosse
  (zu  saal,  s.  d.);  Erweiterung  des  Begriffs  ähnlich
wie  bei  dem  fremden  kamerad  (s.  d.);  1)  Genosse,  Gefährte,
  Freund:  der  zolner  und  der  sunder  geselle  Matth.
II,  19;  der  narren  geeelle  Spr.  Sal.  13,  20;  moein  trewer
geselle  (Var.  geferte)  Phil.  4,  3;  verparg  seinen  gueten
gesellen  Giges  haimlich  in  der  kamer  Aventin  1,  265;
gern  auch  —  Zech  -,  Trinkgenosse:  guter  gesell,  den
vring  ich  dir  Uhland  Volksl.  566;  frisch  auf,  gut
gsell,  lasz  rummer  gan  Goedeke-Tittmann  Liederb.
134;  —  später  nur  noch  wenig  in  dichterischem  Gebranch,
  —  Gefährte:  zum  gesellen  des  groszen  donnrers
Goethe  Iphig.  1,  3;  ihr  nahmt  mich  zum  genossen
eures  glücks,  mich  zum  gesellen  eurer  thaten  auf
mat.  Tocht.  3,  1;  jetzt  namentlich  in  altertümelnder  Rede
wieder  aufgefrischt:  sah  ich,  wie  seine  gesellen  ibn  verwundet
  aus  dem  kampfe  trugen  Freytag  Ahnen  1,  308;
ich  rief  meinen  nothschrei,  aber  nur  ciner  horte,  der
damals  mein  geselle  war  2,  108.  Im  Bergban  beißen
gesellen  eine  Vereinigung  von  Personen,  welche  eine
Zeche  auf  gemeinschaftliche  Kosten  banen.  2)  im  Handwerksleben,
  Bezeichnung  der  Mittelstufe  zwischen  Lehrling
und  Meister;  zuerst  nur  bei  den  vornehmen,  namentlich
mit  Bau=  und  Straßenwesen  in  Beziehung  stehenden  Gewerken
  (gesellen  der  Werkmeister,  Zimmerleute,  Pflasterer
Tucher  Banmeisterb.  3  7.  45,  aber  knechte  der  Schlosser,
Wagner,  Hafner,  Glaser,  Schreiner,  Seiler  ebd.  97—1  10),
später  ausgedehnt  anf  jedes  zünftige  Handwerk:  geell,
mitgesell,  mitspan  in  aller  arbeit  Henisch;  die  stufen
von  lebrling,  gesell  und  meister  Gocthe  Wanderj.
3,  12;  meister  rührt  sich  und  geschlie  Schiller  Glocke
314;  —  übertragen  auf  andere  Verbände,  die  ihre  Bezeichnungen
  aus  der  Spr.  des  Handwerks  entlebnen,  geselle
  namentlich  Freimaurer  des  zweiten  Grades.  )  allgemein
  —  Bursche,  junger  Mann:  und  bolet  mit  allen
schönen  gesellen  Hef.  23,  7;  da  kum  ain  junger  gesel
zu  jr  Sus.  37;  gesellen  die  im  halen  schlecken  Garg.  25;

gesellen  —  Gesellschaft.  1140

blutjunger  gesell  Stieler;  vgl.  auch  junggesell;  in
neuerer  Spr.  geblieben  in  traulicher,  spöttischer,  verächtlicher
  Rede:  er  ist  ein  loser,  schlimmer,  leichtfertiger,
liederlicher  gesell  Stieler;  gater,  frecher,  lustiger
gesell  ebbd.;  du  uberlustiger  gesell  Goethe  Faust  1;
schlechte  gesellen  vier  Jahresz.  3,  62;  nun,  ihr  erbärmlichen
  gesellen?  Schiller  2,  333;  der  kleine  rauchige
geselle  Droste  280;  ein  geckenhafter  geselle  Freytag
Erinn.  73.  —  gesellen,  zum  Gesährten  machen,  verbinden,
  ahd.  gisellan,  mhd.  gesellen;  tranf.,  in  eigentlichem
  und  übertragenem  Sinne:  der  sine  höhen  goteheit
  unsrer  breden  menschheit  gernochete  gesellen
Lamprecht  Franzisk.  Leb.  7;  bez#hmerin  wilder  sitten,
die  den  menschen  zum  menschen  gesellt  Schiller  elens.
Fest;  Ernst  von  Luneburg  gesellte  seinen  namen  zu
der  erlauchten  schaar  der  bekennerfuürsten  Treitschke
3,  536;  im  Par.  gesellt:  gesellet  comsociatus  Henisch:;
Vvier  elemente,  innig  gesellt  Schiller  Punschlied;  beim
tisch,  vo  sie  gesellt  mir  sasz  am  stillen  geschäft
Voß  Luise  3,  1,  318;  bleib,  o  myrtenschatte  mir  still
gesellt  Rückert  ges.  Ged.  1,  261;  vgl.  bei-,  zugesellen:
—  refl.,  in  alter  Spr.  von  paarweisem  Gehen:  dõ  sacit
man  sich  gesellen  die  helde  Nib.  1711;  von  anderer
Vereinigung,  allein,  mit  persönl.  Dat.  oder  zu,  mit:
du  dich  zuo  im  gesellen  solt  Lamprecht  Tocht.
Syon  1541;  wir  gesellen  uns  nicht  zu  den  spöttern
Jer.  15,  17;  sol  ein  iglich  mensch  sich  gesellen  zu
seines  gleichen  Sir.  13,  20;  wie  hyena  mit  dem  hund
sich  gesellet,  also  auch  der  reiche  mit  dem  armen
13,  22;  was  sich  geliebet,  das  gesellet  sich  auch  Henisch;
gleich  und  gleich  gesellet  sich  gern  ebd.;  alter  gesellet
sich  gern  der  jugend,  jugend  zum  alter  Goethe  kenien
169;  ein  achtjähriges  mägdlein  gesellt  sich  mir  nichts
dir  nichts  zu  den  kindern  des  armen  mannes  Hebel
2,  199;  frei,  mit  unbelebtem  Subi.:  das  ein  iglichs  der
beider  (Bretter)  sich  mit  seinem  ortbret  von  unten  auf
gesellet  2.  Mos.  36,  29;  zu  regenschauer  und  bagelschlag
  gesellt  sich  liebeloser  tag  Goethe  Parabol.  4;
in  dem  sechszehnten  jabrhundert  gesellte  sich  ein  protestantisches
  element  hinzu  Ranke  Päpste  2,  48.  —
gesellig,  mhd.  gesellec,  zugesellt,  verbunden:  sin  wib,
di  im  was  worden  an  der  e  gesellic  Jeroschin  8550;
ist  ein  weib  geschaffen  dem  man  zu  einem  geselligen
holten  Luther  1,1706;  sich  gern  gesellend:  gescllig,
der  gern  bei  der  gesellschatt  ist  Henisch;  (er  war)
rittern  und  rittirmezigin  latin  gesellig  Ködiz  19;  es
ist  ein  geselliger  mensch;  gesellige  tiere,  die  zusammen
leben;  —  das  Gesellen  fördernd:  an  diesen  geselligen
thoren  Schiller  Spaz.  90;  um  des  lichts  gesellge
flamme  sammeln  sich  die  hausbewobner  Glocke  297;
mit  geselligen  spielen  Goethe  DuW.  11;  die  schöne
Virtuositit  geselliger  talente  Freytag  Handschr.  3,191.
—  Geselligkeit,  f.  gesellige  Art  und  geselliges  Vergnügen:
g.  suchen,  pflegen;  im  Plur.:  weswegen  unsere  geselligkeiten
  immer  mannichfaltig  sich  bewegen  mochten
Goethe  Du  W.  18.  —  Gesellin,  f.  weiblicher  Gesell,
Gefährtin,  mhd.  gesellinne:  so  sie  (das  Weib)  docuh.
deine  gesellin.  ist  Mal.  2,  14;  eine  gesellin,  an  deren
busen  er  ruhen  könnte  Wieland  Danischm.  2;  verüllend:
  grellen,  diernin,  meretrix  Henisch.  —  Ge—-ellschaft,
  .  Zustand  und  Ordnung  von  Gefährten  oder
Verbundenen,  ahd.  giselliscaft,  mhd.  geselleschatt;  in
mehreren  Bed.:  1)  das  Verbundensein,  Vereinigung:
hie  wart  ein  geselleschaft  undr  in  Zwein  Iwein  2757;
und  kompt  klugkeit  durch  jr  (der  Weisheit)  geselschaft
Weish.  Sal.  8,  18;  in  gesellschaft  etwas  verricbten;
gewisse  tierarten  leben  in  gesellschaft;  es  thut  mir  lang
schon  weh,  dasz  ich  dich  in  der  gesellschaft  seh  Goethe
Faust  I;  dasz  seine  erinnerung  mit  verachtung  und  ab-"schen
  oder  mir  scherz  und  lachen  in  gesellschaft  gehe
Wieland  Danischm.  25;  einem  zur  gesellschaft  witgeben;
  ich  leiste  dir  gesellschuft,  wie  mhd.:  380  leiste