1139 Geschworner — Geselle.
Geschworner, s. schwören. — Geschwulst, k. geschwollene
Körperstelle ahd. giswulet, mhd. geswulst.
zu schwellen (s. d.) gehörig: kumor geswulst, geschwulst,
keschwolst Dief.; geschwulst am halse Goethe
Du W. 8; Plur. geschwulste, dafür älter: alle geschwulst
enden sich durch ausschleiszen oder schwüren Henisch.
— Geschwür, u. schwärende Körperstelle; älter geschwär,
nach ahd. giswer, mhd. geswer, zu schwären (s. d.) gebörig:
ein sorgfältig (Sorge erregendes) geschwär Garg.
14; ein geschwär im leibe Lesfing Dram. 62; die
Form geschwur schon bei Luther: rho fleisch im geachwur
3. Mos. 13, 10; ein geschwüur des brandmals 28;
und jetzt durchaus: diesen morgen hab ich mir ein
geschwür aufschneiden lassen Schiller 4, 156; geschwure
uber den ganzen körper, u. a.
Gesennen, verstärktes segnen, ahd. giseganön, mhd.
Fesegenen; von Gott: (daß) er wol muge ihr weniges
nlso gesegenen, das sie uberflus haben Luther Post.
1528; als Wunsch: got gesegen juch alle Walther
115, 4; gott grüsze euch odder gott gesegne euch
Luther Ausleg. der Evang. 1527; gesegn ihr heut
den wunsch, den jede brust ihr weiht Bürger Jubelseier
der Georg. Augusta; gesegnes gott Goethe
Wandrer; mit Unterdrückung des Subi.: protüciat jbr
lieben herrn, gesegen euch trinken und essen Garg. 88;
im Widerspiel: das sol ihm der teufel gesegenen Luther
v. d. Schlüssein 1530; drohend: wart ich will es dir
gesegnen! Goethe ungl. Hausgenoss. 5; — mit Segenswunsch
Abschich nehmen: Tobias gesegnet vater und
mutter und zoch . dahin Tob. 5, 24; als wir einander
gesegneten Ap. Gesch. 21, 6; frei, ironisch: darob gesegnete
ich die hochheilige theologie Seume Ged.
132; vom Leben: er gesegnet die welt osced#it e pitu
Steinbach; das zeitliche gesegnen, jetzt lieber bloß
segnen. — Geselle, Gesell, m. Genosse, Gehilfe, ahd.
gisello, mhd. geselle; in eigentl. Bed. Saal= oder Hausgenosse
(zu saal, s. d.); Erweiterung des Begriffs ähnlich
wie bei dem fremden kamerad (s. d.); 1) Genosse, Gefährte,
Freund: der zolner und der sunder geselle Matth.
II, 19; der narren geeelle Spr. Sal. 13, 20; moein trewer
geselle (Var. geferte) Phil. 4, 3; verparg seinen gueten
gesellen Giges haimlich in der kamer Aventin 1, 265;
gern auch — Zech -, Trinkgenosse: guter gesell, den
vring ich dir Uhland Volksl. 566; frisch auf, gut
gsell, lasz rummer gan Goedeke-Tittmann Liederb.
134; — später nur noch wenig in dichterischem Gebranch,
— Gefährte: zum gesellen des groszen donnrers
Goethe Iphig. 1, 3; ihr nahmt mich zum genossen
eures glücks, mich zum gesellen eurer thaten auf
mat. Tocht. 3, 1; jetzt namentlich in altertümelnder Rede
wieder aufgefrischt: sah ich, wie seine gesellen ibn verwundet
aus dem kampfe trugen Freytag Ahnen 1, 308;
ich rief meinen nothschrei, aber nur ciner horte, der
damals mein geselle war 2, 108. Im Bergban beißen
gesellen eine Vereinigung von Personen, welche eine
Zeche auf gemeinschaftliche Kosten banen. 2) im Handwerksleben,
Bezeichnung der Mittelstufe zwischen Lehrling
und Meister; zuerst nur bei den vornehmen, namentlich
mit Bau= und Straßenwesen in Beziehung stehenden Gewerken
(gesellen der Werkmeister, Zimmerleute, Pflasterer
Tucher Banmeisterb. 3 7. 45, aber knechte der Schlosser,
Wagner, Hafner, Glaser, Schreiner, Seiler ebd. 97—1 10),
später ausgedehnt anf jedes zünftige Handwerk: geell,
mitgesell, mitspan in aller arbeit Henisch; die stufen
von lebrling, gesell und meister Gocthe Wanderj.
3, 12; meister rührt sich und geschlie Schiller Glocke
314; — übertragen auf andere Verbände, die ihre Bezeichnungen
aus der Spr. des Handwerks entlebnen, geselle
namentlich Freimaurer des zweiten Grades. ) allgemein
— Bursche, junger Mann: und bolet mit allen
schönen gesellen Hef. 23, 7; da kum ain junger gesel
zu jr Sus. 37; gesellen die im halen schlecken Garg. 25;
gesellen — Gesellschaft. 1140
blutjunger gesell Stieler; vgl. auch junggesell; in
neuerer Spr. geblieben in traulicher, spöttischer, verächtlicher
Rede: er ist ein loser, schlimmer, leichtfertiger,
liederlicher gesell Stieler; gater, frecher, lustiger
gesell ebbd.; du uberlustiger gesell Goethe Faust 1;
schlechte gesellen vier Jahresz. 3, 62; nun, ihr erbärmlichen
gesellen? Schiller 2, 333; der kleine rauchige
geselle Droste 280; ein geckenhafter geselle Freytag
Erinn. 73. — gesellen, zum Gesährten machen, verbinden,
ahd. gisellan, mhd. gesellen; tranf., in eigentlichem
und übertragenem Sinne: der sine höhen goteheit
unsrer breden menschheit gernochete gesellen
Lamprecht Franzisk. Leb. 7; bez#hmerin wilder sitten,
die den menschen zum menschen gesellt Schiller elens.
Fest; Ernst von Luneburg gesellte seinen namen zu
der erlauchten schaar der bekennerfuürsten Treitschke
3, 536; im Par. gesellt: gesellet comsociatus Henisch:;
Vvier elemente, innig gesellt Schiller Punschlied; beim
tisch, vo sie gesellt mir sasz am stillen geschäft
Voß Luise 3, 1, 318; bleib, o myrtenschatte mir still
gesellt Rückert ges. Ged. 1, 261; vgl. bei-, zugesellen:
— refl., in alter Spr. von paarweisem Gehen: dõ sacit
man sich gesellen die helde Nib. 1711; von anderer
Vereinigung, allein, mit persönl. Dat. oder zu, mit:
du dich zuo im gesellen solt Lamprecht Tocht.
Syon 1541; wir gesellen uns nicht zu den spöttern
Jer. 15, 17; sol ein iglich mensch sich gesellen zu
seines gleichen Sir. 13, 20; wie hyena mit dem hund
sich gesellet, also auch der reiche mit dem armen
13, 22; was sich geliebet, das gesellet sich auch Henisch;
gleich und gleich gesellet sich gern ebd.; alter gesellet
sich gern der jugend, jugend zum alter Goethe kenien
169; ein achtjähriges mägdlein gesellt sich mir nichts
dir nichts zu den kindern des armen mannes Hebel
2, 199; frei, mit unbelebtem Subi.: das ein iglichs der
beider (Bretter) sich mit seinem ortbret von unten auf
gesellet 2. Mos. 36, 29; zu regenschauer und bagelschlag
gesellt sich liebeloser tag Goethe Parabol. 4;
in dem sechszehnten jabrhundert gesellte sich ein protestantisches
element hinzu Ranke Päpste 2, 48. —
gesellig, mhd. gesellec, zugesellt, verbunden: sin wib,
di im was worden an der e gesellic Jeroschin 8550;
ist ein weib geschaffen dem man zu einem geselligen
holten Luther 1,1706; sich gern gesellend: gescllig,
der gern bei der gesellschatt ist Henisch; (er war)
rittern und rittirmezigin latin gesellig Ködiz 19; es
ist ein geselliger mensch; gesellige tiere, die zusammen
leben; — das Gesellen fördernd: an diesen geselligen
thoren Schiller Spaz. 90; um des lichts gesellge
flamme sammeln sich die hausbewobner Glocke 297;
mit geselligen spielen Goethe DuW. 11; die schöne
Virtuositit geselliger talente Freytag Handschr. 3,191.
— Geselligkeit, f. gesellige Art und geselliges Vergnügen:
g. suchen, pflegen; im Plur.: weswegen unsere geselligkeiten
immer mannichfaltig sich bewegen mochten
Goethe Du W. 18. — Gesellin, f. weiblicher Gesell,
Gefährtin, mhd. gesellinne: so sie (das Weib) docuh.
deine gesellin. ist Mal. 2, 14; eine gesellin, an deren
busen er ruhen könnte Wieland Danischm. 2; verüllend:
grellen, diernin, meretrix Henisch. — Ge—-ellschaft,
. Zustand und Ordnung von Gefährten oder
Verbundenen, ahd. giselliscaft, mhd. geselleschatt; in
mehreren Bed.: 1) das Verbundensein, Vereinigung:
hie wart ein geselleschaft undr in Zwein Iwein 2757;
und kompt klugkeit durch jr (der Weisheit) geselschaft
Weish. Sal. 8, 18; in gesellschaft etwas verricbten;
gewisse tierarten leben in gesellschaft; es thut mir lang
schon weh, dasz ich dich in der gesellschaft seh Goethe
Faust I; dasz seine erinnerung mit verachtung und ab-"schen
oder mir scherz und lachen in gesellschaft gehe
Wieland Danischm. 25; einem zur gesellschaft witgeben;
ich leiste dir gesellschuft, wie mhd.: 380 leiste