Der Fall von Przemysl beendet den zwelten Abschnitt jener ersten großen
Gruppe von Kämpfen, welche die unmittelbare Folge des Durchbruchs von
Gorlice werden mußten. Aber in eben jenen Tagen, In denen es sich entschled,
daß es dem gewaltigen Ausfall der Verbündeten aus dem Ostwallihrer Festungefront
gelungen war, die Angrlffelinle ihrer östlichen Feinde entscheldend zu
durchbrechen und sich den Weg ins freie Feld zu erzwingen, trat ein Erelgnie
ein, das dle strategische Lage der Mttelmächte wlederum aufs tiefste erschütterte
und sie zwang, der in siegreichem Vordringen befindlichen Angriffsgruppe
starke Kräfte zu entzlehen.
Nach langem Zögern und unendlichen Verhandlungen hatte am 23. Mai
Stalien sich der Entente angeschlossen und Osterrelch- Ungarn den Krieg erklärt,
während es von einer Kriegserklärung gegen Oeutschland vorläufig Abstandnahm.
Von num an fällt mehr als die Hälfte der österreichischen Armeen für
die Verteidigung der Ostfront aue, da sie nach und nach gegen Ztalien eingesetzt
werden mußten.
Neben der so entstandenen Erschütterung der Angriffskraft der Verbündeten
machte sich aber nach dem Fall Przemysls auch, die Notwendlgkeit geltend,
die rückwärtigen Verbindungen der Angriffsarmeen zu verbessern, die unter dem
stürmischen Tempo ihres Vordringens und unter den unvermeidlichen Folgen
ununterbrochener Angriffeschlachten stark gelitten hatten. Das gab den Russen
Zeit, die Verteidigung Lembergs, das nun das nächste Ziel der Verbündeten
werden mußte, in ihrer gewohnten Gewandthelt und Tatkraft zu organisleren.
Oie Russen bauten zwlschen Przempfl und Lemberg drei Verteidigungelinien,
die diesmal mit so tiefen Abständen hintereinander gelegt waren, daß elne gleichzeltige
Bearbeitung durch Anugriffsartillerie nicht möglich war. So waren die
Verbündeten genstigt, eine ganz neue Ourchbruchsunternehmung elnzuleiten,
die dlesmal auf 40 Kilometer Front angesetzt wurde. Ole ssterreichische 2. Armee
(Boehm-Ermolll) auf dem rechten Flügel, die II. Armee (Mackensen) im Zentrum
und dle K. u. K. 4. Armee (Erzherzog Josef Ferdinand) griffen gleichzeitig an,
durchbrachen am 12. Juni die erste russische Linie, am 16. die zweite und am 18.
in sorgfältig vorbereitetem Ansturm dle dritte, die Grodekstellung länge der
Wereszyca. Diese vierte und letzte große Schlacht bel Lemberg entschied den
ersten Abschnitt des gewaltigen Angriffsfeldzuges. Nach dem Fall der Grodek--stellung
räumten die Russen Lemberg, das am 22. Junl von der Armee Boehm-Ermolll
besetzt wurde. Die Verfolgung wurde energlsch fortgesetzt, und da
gleichzeitig die Armeen Pflanzer-Baltin und Linsingen des russischen Gegenangriffes
am rechten Flügel endgültig Herr geworden waren, so konnte die
Verfolgung bis Ende Jull in die Linie der Zlota Lipa und über Rawa Ruska
blnaus bis an den Unterlauf des Bug vorgetragen werden.
Nun wurden auch die bieber nicht angegriffenen russischen Armeen in Südpolen
in den allgemeinen Rückzug hineingerissen, und die österrelchische 1. Armee
und die links anschließende Gruppe Woyrsch konnten sich dem Vorgehen der
liegrelchen Nachbararmeen zur Rechten anschließen. Zu Anfang Zuli war die
Front der DVerbündeten von ihren Auögangsstellungen bie in elne Linie vorgetragen,
welche in flachem Bogen von der Mündung der Zlota Llpa in den
Onjestr bis zu der Stelle reichte, wo vor Beginn der großen Angreiffe-226