thumbs : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Erster Band. (1)

Der  Fall  von  Przemysl  beendet  den  zwelten  Abschnitt  jener  ersten  großen
Gruppe  von  Kämpfen,  welche  die  unmittelbare  Folge  des  Durchbruchs  von
Gorlice  werden  mußten.  Aber  in  eben  jenen  Tagen,  In  denen  es  sich  entschled,
daß  es  dem  gewaltigen  Ausfall  der  Verbündeten  aus  dem  Ostwallihrer  Festungefront
  gelungen  war,  die  Angrlffelinle  ihrer  östlichen  Feinde  entscheldend  zu
durchbrechen  und  sich  den  Weg  ins  freie  Feld  zu  erzwingen,  trat  ein  Erelgnie
ein,  das  dle  strategische  Lage  der  Mttelmächte  wlederum  aufs  tiefste  erschütterte
und  sie  zwang,  der  in  siegreichem  Vordringen  befindlichen  Angriffsgruppe
starke  Kräfte  zu  entzlehen.

Nach  langem  Zögern  und  unendlichen  Verhandlungen  hatte  am  23.  Mai
Stalien  sich  der  Entente  angeschlossen  und  Osterrelch-  Ungarn  den  Krieg  erklärt,
während  es  von  einer  Kriegserklärung  gegen  Oeutschland  vorläufig  Abstandnahm.
  Von  num  an  fällt  mehr  als  die  Hälfte  der  österreichischen  Armeen  für
die  Verteidigung  der  Ostfront  aue,  da  sie  nach  und  nach  gegen  Ztalien  eingesetzt
werden  mußten.

Neben  der  so  entstandenen  Erschütterung  der  Angriffskraft  der  Verbündeten
  machte  sich  aber  nach  dem  Fall  Przemysls  auch,  die  Notwendlgkeit  geltend,
die  rückwärtigen  Verbindungen  der  Angriffsarmeen  zu  verbessern,  die  unter  dem
stürmischen  Tempo  ihres  Vordringens  und  unter  den  unvermeidlichen  Folgen
ununterbrochener  Angriffeschlachten  stark  gelitten  hatten.  Das  gab  den  Russen
Zeit,  die  Verteidigung  Lembergs,  das  nun  das  nächste  Ziel  der  Verbündeten
werden  mußte,  in  ihrer  gewohnten  Gewandthelt  und  Tatkraft  zu  organisleren.
Oie  Russen  bauten  zwlschen  Przempfl  und  Lemberg  drei  Verteidigungelinien,
die  diesmal  mit  so  tiefen  Abständen  hintereinander  gelegt  waren,  daß  elne  gleichzeltige
  Bearbeitung  durch  Anugriffsartillerie  nicht  möglich  war.  So  waren  die
Verbündeten  genstigt,  eine  ganz  neue  Ourchbruchsunternehmung  elnzuleiten,
die  dlesmal  auf  40  Kilometer  Front  angesetzt  wurde.  Ole  ssterreichische  2.  Armee
(Boehm-Ermolll)  auf  dem  rechten  Flügel,  die  II.  Armee  (Mackensen)  im  Zentrum
und  dle  K.  u.  K.  4.  Armee  (Erzherzog  Josef  Ferdinand)  griffen  gleichzeitig  an,
durchbrachen  am  12.  Juni  die  erste  russische  Linie,  am  16.  die  zweite  und  am  18.
in  sorgfältig  vorbereitetem  Ansturm  dle  dritte,  die  Grodekstellung  länge  der
Wereszyca.  Diese  vierte  und  letzte  große  Schlacht  bel  Lemberg  entschied  den
ersten  Abschnitt  des  gewaltigen  Angriffsfeldzuges.  Nach  dem  Fall  der  Grodek--stellung
  räumten  die  Russen  Lemberg,  das  am  22.  Junl  von  der  Armee  Boehm-Ermolll
  besetzt  wurde.  Die  Verfolgung  wurde  energlsch  fortgesetzt,  und  da
gleichzeitig  die  Armeen  Pflanzer-Baltin  und  Linsingen  des  russischen  Gegenangriffes
  am  rechten  Flügel  endgültig  Herr  geworden  waren,  so  konnte  die
Verfolgung  bis  Ende  Jull  in  die  Linie  der  Zlota  Lipa  und  über  Rawa  Ruska
blnaus  bis  an  den  Unterlauf  des  Bug  vorgetragen  werden.

Nun  wurden  auch  die  bieber  nicht  angegriffenen  russischen  Armeen  in  Südpolen
  in  den  allgemeinen  Rückzug  hineingerissen,  und  die  österrelchische  1.  Armee
und  die  links  anschließende  Gruppe  Woyrsch  konnten  sich  dem  Vorgehen  der
liegrelchen  Nachbararmeen  zur  Rechten  anschließen.  Zu  Anfang  Zuli  war  die
Front  der  DVerbündeten  von  ihren  Auögangsstellungen  bie  in  elne  Linie  vorgetragen,
  welche  in  flachem  Bogen  von  der  Mündung  der  Zlota  Llpa  in  den
Onjestr  bis  zu  der  Stelle  reichte,  wo  vor  Beginn  der  großen  Angreiffe-226