Neue Königswahl. 31
berg beigewohnt und den Kaiser nach Italien begleitet. Aber dieses Betragen
war nur eine durch die Zeitumstände ihm aufgenötigte Maske gewesen“). Ja##ar
Jetzt erhob er sogleich Ansprüche auf das sächsische Herzogtum, da er gleichfalls
ein Enkel des letzten Billungers, Magnus — und zwar wahrscheinlich
der Sohn von dessen ältester Tochter"*) — warss). Auch zeigte er sofort, wie
ernstlich er sein Recht zu verfechten gemeint sei. Als die Kaiserin eine Versammlung
der Fürsten nach Quedlinburg berief, wahrscheinlich, um vorläusige
Verabredungen wegen der bevorstehenden Königswahl zu treffen, kam 2. Febr.
ihr der Markgraf zuvor, bemächtigte sich, unter Verwüstung der Umgegend,
der Stadt und versperrte der Kaiserin den Zutritt zu ihr ##).
Hiermit war von den Gegnemn der Welfen schon ein großer Schritt vorwärts
getan. Das Reichsregiment der verwitweten Kaiserin war so gut wie
aufgehoben, ihr Ansehen tatsächlich beseitigt. An ihre Stelle trat jetzt als
oberste Zwischenbehörde für Deutschland die Gesamtheit der Fürsten. Diese
beschlossen, eine allgemeine Versammlung behufs der Wahl zu Pfingsten in
Mainz abzuhaltenfs#s). Hier sollte sich die große Frage entscheiden, ob der
Welfe Heinrich oder der Staufer Konrad — denn schon traten diese beiden
aus allen Fürsten als die einzig möglichen Thronkandidaten hervor — die
Krone des heiligen Imperiums erhalten würden. Es waren in der Tat wichtige,
für die ganze Zukunft Deutschlands und seiner Nebenlande entscheidende
Augenblicke!
Heinrich der Stolze hatte jedenfalls nicht nur als Schwiegersohn des verstorbenen
Kaisers die nächsten Ansprüche auf das deutsche Königtum, sondern
besaß auch unstreitig bei weitem größere Macht, als sein Nebenbuhler. Seine
Gewalt, rühmte er sich selbst, reiche von Meer zu Meere, von den Küsten
der Nordsee bis zur Adria an die Grenze des sizilischen Reichesf ft). Er
hatte sowohl in Italien wie in Deutschland glänzenden kriegerischen Ruhm
*) O. v. Heinemann, Albrecht der Bär.
½ Zwar widersprechen sich Annalista Saxo M. G. Ss., VI, p. 775 und Helmoldus,
Chronica Slavorum lib. I, c. 35, indem jener Wulfhilde, dieser Eilike zuerst nennt:
indes muß Eilike wohl die älteste Tochter gewesen sein, da Albrecht sonst Heinrich dem
Stolzen, dem Sohne der Wulfhilde, gegenüber nicht den mindesten Anspruch auf das
lichsi e Herzogtum hätte erheben können. Das Verwandtschaftsverhältnis zwischen
Albrecht und Heinrich war also folgendes:
Magnus
Herzog ir Sachsen
Otto ———— Eilike Wurlfhilde Welf V.
Graf v. Ballenstädt Hzg. v. Bayern
Albrecht d. Bär Heinrich d. Stolze Welf VI.
Markgraf d. Nordmark Hzg. v. Bayern u. Sachsen v. Altorf
½%) Heilm., Chr. Slav. I, 54.
Anmal. Sazo, p. 776.
# Otto Frisingensis, Chronicon, 1. VII, c. 22. — Annal. Saxo l. o. Wahrscheinlich
nach ihm Annales Magdeburgenses, M. G. Ss., XVI, p. 186.
f) Otto Fris., Chr. VII, 24.