Full text : Geschichte des deutsch-französischen Krieges 1870 und 1871.

68  Flucht  des  Kaisers  Napoleon.

bewegte,  machten  die  Franzosen  doch  nicht  die  geringste  Demonstrazion,
ein  Beweis,  wie  schwer  sie  gelitten  haben  mußten.  Die  preußischen
Vorposten  sahen  auf  dem  rechten  Moselufer  keinen  Feind  mehr,  jen—
seit  der  Festung  Metz  aber  stiegen  mächtige  Staubwolken  hervor  und
verkündeten  den  Rückzug  der  stolzen  kaiserlichen  Armee.

Auch  dieser  Rückzug  war  die  Folge  des  heldenmüthigen  Kampfes
der  Westfalen  und  Ostpreußen  vom  vorhergehenden  Tage.  Denn
aller  Warnungen  des  Generals  Changarnier  ungeachtet  hatten  Napoleon
  und  Bazaine  beschlossen,  am  15.  August,  an  dem  Napoleonstage,
eine  große  Schlacht  mit  allen  verfügbaren  Kräften  zu  liefern.  In  der
Nacht  vom  13.  auf  den  14.  August  bezogen  die  Korps  Ladmirault,
Failly,  Dekaen  und  Frossard  Bivouaks,  die  in  einer  zusammenhängenden
  Linie  östlich  von  Metz  lagen.  Am  15.  August  sollte  die  kaiserliche
  Garde  unter  General  Bourbaki  eintreffen,  und  dann  hoffte  man
unter  den  Auspizien  Napoleon's  J.  einen  großen  Sieg  in  offener  Feldschlacht
  gegen  die  „barbarischen“  Eindringlinge  zu  erkämpfen.  Diesen
Plan  durchkreuzte  der  Angriff  des  I.  und  VII.  preußischen  Armeekorps
  am  Nachmittag  des  14.  August,  die  entmuthigten  und  geschwächten
Truppen  konnten  am  15.  nicht  wieder  in  die  Schlacht  geführt  werden,
und  so  mußte  der  Rückzug  schließlich  doch  ausgeführt  werden.  Durch  das
Zaudern  war  aber  die  kostbare  Zeit  unnütz  dahingegangen,  und  als
Bazaine's  Kolonnen  den  Weg  nach  Verdun  einschlugen,  war  es  bereits  zu  spät.

Der  Kaiser  Napoleon  aber  mochte  wohl  eine  Ahnung  haben,  daß
es  für  ihn  bei  der  Rheinarmee  nicht  mehr  ganz  geheuer  sei,  er  hatte
auch  von  Paris  her  Nachricht  erhalten,  daß  die  Kavallerie  der  Armee
des  Kronprinzen  von  Preußen  bereits  über  Toul  hinaus  bis  Bar  le
Duc  streifte,  am  15.  August  machte  er  sich  also  auf,  um  seine  werthe
Person  in  Sicherheit  zu  bringen.  Die  Nacht  vom  14.  auf  den
15.  August  hatte  er  in  einem  kleinen  Orte  dicht  bei  Metz  zugebracht,
und  am  15.  war  er  nur  mit  genauer  Noth  dem  Schicksale  entgangen,
von  preußischen  Ulanen  gefangen  genommen  zu  werden.  Die  Nacht
vom  15.  auf  den  16.  war  er  in  Gravelotte  gewesen,  Morgens  4  Uhr
verließ  er  den  Ort,  die  starke  Bedeckung  von  drei  Kavallerieregimentern
  und  Grenadieren  der  Garde  wurde  von  der  preußischen  Artillerie
noch  mit  einigen  Granaten  begrüßt,  der  Kaiser  langte  jedoch  ohne  Un-