Der Krieg von 1866 121
achtzehnten Jahrhundert und ließen sich von wenig starken Gegnern
vollständig im Schach halten; die Hannoveraner mußten gleich zu
Anfang kapitulieren. Die geteilte österreichische Armee, zuzüglich
der Sachsen, hielt der preußischen der Zahl nach das Gleichgewicht.
Aber es war eine in alter Schablone befangene, mit unzulänglichen
Vorderladern ausgerüstete Truppe, ohne hervorragende Führer, die
sich den Gegnern weit überlegen dünkten und aus dem Kriege von
1859 die Lehre gezogen hatten, nur im Bajonettangriff liege das
Heil. Darum war auch das Bajonettfechten in Österreich vor allem
geübt worden, und ein boshafter Beobachter meinte, man hätte die
Feuerwaffe vielleicht ganz abgeschafft, wenn man sie nicht zu Dechargen
bei Leichenbegängnissen gebraucht hätte. Der Gegner besaß
ein sorgfältiges, für Manöverieren in kleinen Abteilungen, fürs
Feuergefecht gedrilltes Heer, von einem bedeutenden Schlachtenlenker,
Moltke, vorzüglich geleitet, das unter genauer Benützung
des Geländes hinter sicherer Deckung aus dem Dreyseschen Zündnadelgewehr
tödliche Salven mit unheimlicher Schnelligkeit auf die
tapfer, aber nutzlos anstürmenden Österreicher abgab und damit den
moralischen Mut des Feindes furchtbar erschütterte. Die glänzend
erdachte und noch glänzender durchgeführte Idee der Vereinigung
getreunter Armeen auf dem Schlachtfelde selbst brachte bei Königgrätz
am 3. Juli 1866 dem österreichischen Heere den Tebesstoß.
Die bessere Armee und die geschicktere Politik siegten: Bismarck war
glänzend gerechtfertigt, denn der Erfolg allein ist da maßgebend.
Trotz ÖOsterreichs Siege über Italien bei Custozza — später erst
erfolgte die Seeschlacht bei Lissa — beschloß man zuerst in Wien,
dort den Krieg abzubrechen, Venetien abzutreten und die Südarmee
zur Fortführung des preußischen Krieges nach dem Norden zu führen;
schließlich überwog aber die militärische Einsicht, besonders
durch den Generalstabschef des Erzherzogs Albrecht, John, vertreten,
daß eine Weiterführung des Krieges gegen Preußen bei den
herrschenden Verhältnissen aussichtslos sei; außerdem mußte man
befürchten, daß Italien doch nicht einseitig Frieden machen würde.
Man zeigte sich daher den Friedenseröffnungen, die alsbald geschahen,
nicht abgeneigt. Zwar die privaten Wege, die Bismarck zuerst
beschritt, wurden von Österreich nicht betreten, aber man rief
die Intervention des Kaisers von Frankreich an. Gerade diese hätte
der preußische Ministerpräsident gerne vermieden; als sie doch erfolgte,
bemühte er sich, ihr das Feld abzugraben durch möglichste
Beschleunigung der direkten Verhandlungen. Napoleon III. war über