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heranreichen. Es machten sich vielmehr in allen deutschen Strommündungen
bedeutende Vertiefungsarbeiten nötig, die meist nicht nur
auf Betreiben, sondern auch auf Kosten der betreffenden Seestädte
ausgeführt wurden. Die Verringerung des Gefälles und die durch das
Zusammentreffen des Flußwassers mit dem Meerwasser bewirkte Aufhebung
der Transportfähigkeit veranlaßten die Ströme zur Bildung von
Deltas, Haffe und Strandseen. Ein eigentliches Delta haben Memel
und Weichsel, Vordeltas die Elbe bei Hamburg und die Oder bei
Stettin, auch die Weser hatte früher ein solches ın der Nähe Bremens.
Haffe bildeten sich in der fast gezeitenlosen Ostsee. In solche enden
Oder, Weichsel, Pregel und Memel. Diese Bildungen sind natürlich
der Schiffahrt ungünstig, sofern sie eine bedeutende Verringerung der
Wassertiefe veranlassen. Deshalb mußten die an ihnen liegenden Städte
sie entweder beseitigen oder doch wenigstens für ihre Zwecke umbilden.
In der That können wir feststellen, daß die Mündungen aller
hier in Betracht kommenden Ströme ım Laufe der Jalırhunderte starke
künstliche Veränderungen erfahren haben, die hauptsächlich der
Besserung des Fahrwassers dienten. Die Weser fließt jetzt als geschlossener
Stromschlauch an Bremen vorüber, aber zahlreiche, am
oberen Ende kupierte Wasserläufe, die jetzt als Sicherheits- oder
Holzhäfen oder auch als Schiffahrtskanäle dienen, sind die Ueberreste
einstiger Seitenarme der Weser. Buchenau berichtet von sieben bestimmt
festgelegten und einigen nicht mehr genau bestimmbaren alten
Armen auf der rechten Seite und vier solchen auf der linken Seite,
die die Weser teils oberhalb der Stadt, teils in dieser, teils gleich
unterhalb derselben verließen und sich nach kurzem Lauf entweder
wieder mit dem Hauptstrom vereinigten oder sich in der Niederung
verliefen (sogen. Torfkanäle bildend) oder endlich die unterhalb Bremens
in die Weser mündende Wümme verstärkten !). Alle diese Arme wurden
im Laufe der Jahrhunderte durch Kupierung oder Ausfüllung teilweise
oder ganz beseitigt. Aber heute noch bildet die als Holzhafen für
Bremen wichtige „kleine Weser“ einen toten Arm, der bei einem
Wasserstand von über 3 m noch Strom erhält; und in den am rechten
Weserufer liegenden Stadtteilen finden wir in den Straßenzügen der
Balge und des Dobben alte Wasserläufe wieder ?)
Bedeutend größer ist der Unterschied von früher und jetzt in der
Wasserführung der Elbe in der Nähe Hamburgs. Begeben wir uns
auf eine der Geesthöhen am rechten Elbufer unterhalb Hamburgs, so
sehen wir, wie auch jetzt noch die Elbe ihre Fluten in mehreren
Armen an der Stadt vorüberführt. Vergleichen wir aber mit dieser
Ansicht eine ältere Karte der: Umgebung Hamburgs, so bemerken
wir, daß die Zahl dieser Flußläufe jetzt bedeutend kleiner ist als vordem.
Dieser Unterschied muß uns noch größer erscheinen, wenn wir
bedenken, daß der tiefste Stromarm ehemals keineswegs, wie jetzt, der
der Stadt nächste, sondern der von ihr entfernteste, die Süderelbe, war?).
'!) Buchenau, Bremen S. 33—37.
*) Ehenda, S. 34 u. 86.
°) Hindrichson, Zur Lage des ältesten Hamburg.