Full text : Tägliche Erinnerungen aus der sächsischen Geschichte.

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Haupffest  uns  der  heutige  Tag  erinnern  sollte;  ferner  den  Bilbog
und  Zschornabog  (guten  und  boͤsen  Bott),  den  Radegast,  einen
allverehrten  Kriegsgott,  dessen  Bildsaͤule  von  massivem  Golde  war,
und  zu  dessen  Orakel  man  haͤufig  seine  Zuflucht  nahm,  wenn  man
die  Zukunft  erforschen  wollte.  Der  Gott  Swantowith  war  der
vornehmste,  von  welchem  vorzugsweise  die  gute  oder  schlechte
Ernte  abhing.  Darum  ward  ihm  im  August  nach  beendigter
Ernte  unter  großen  Opferfestlichkeiten  ein  glänzendes  Fest  (Erntefest)
gehalten  und  der  Gott  dabei  durch  die  Priester  befragt,  wie  wohl
das  nächstkommende  Erntejahr  sein  werde.  Man  glaubt,  daß  in
unserer  Gegend  sein  wichtigster  Tempel  beim  Dorfe  Wantowitz
(unweit  Großenhain)  gewesen  sei.  —  Das  Heidenthum  verschwand
übrigens  durch  die  Bemühungen  der  Deutschen  immer  mehr  und
mehr  unter  den  Sorben.  Namentlich  ließ  sich  der  erste  Bischof  von
Merseburg,  Boso,  ihre  Bekehrung  höchst  angelegen  sein.  Doch
blieben  die  Gebräuche  des  Todaustreibens  und  andere,  so  wie  der
Glaube  an  Nixe,  Drachen,  Kobolde  u.  s.  w.  immer  noch  fort  unter
  dem  sorbischen  Volke.

22.  Angust.
Johann  Greorg  II.  kltirbt.

Kurfürst  Johann  Georg  II.,  der  von  1656  bis  1680  regierte,
war  ein  gutmüthiger  Fürst,  ein  strenger  Lutheraner  und  vielfach  um
das  Wohl  des  Staates  verdientz  aber  nur  etwas  zu  sorglos  und
sehr  oft  wankelmüthig.  Dadurch  schadete  er  sich  und  dem  Lande
auch  wieder.  Er  hielt  es  in  den  vier  und  zwanzig  Jahren  seiner

kegierung  in  zwei  Kriegen  mit  dem  Kaiser  und  mit  Oestreich,  dann
wieder  in  zwei  andern  mit  Frankreich,  das  gegen  Oestreich
kämpfte.  Er  liebte  die  Pracht  und  ließ  am  Hofe  die  glänzenden
Jagden,  Löwenhebzen,  Maskeraden,  Opern  und  hunderterlei  andere
Feste  nie  aufhören.  Er  baute  das  Opernhaus,  die  Reitschule  und
ein  Ballhaus.  Er  fing  zuerst  an,  den  großen  Garten  bei  Dresden
einzurichten.  Er  hielt  sich  tausend  Mann  Garde  zu  Fuß,  eine  Compagnie
  Prachtgarde  zu  Pferd  und  sogar  eine  Compagnie  Kroaten.
Da  gerieth  freilich  das  Land,  das  sich  vom  dreißigjährigen  Kriege
noch  nicht  erholt  hatte,  in  schwere  Schulden  und  war  sogar  mehrmals
  in  gänzlicher  Zahlungsunfähigkeit.  —  Unter  ihm  wurden  in
einem  Jahre  sieben  Bußtage  gehalten.  Eine  regelmäßige,  alljahrliche
wiederkehrende  Feier  des  Reformationsfestes  wurde  angeordnet.  —
Wegen  der  Pest  —  derl  letzten  bedeutenden  in  Sachsen  —  begab