seiner Streitmacht nach Norden zu verschieben. Das zähe Standhalten der 6. Armee wurde von der obersten
Heeresleitung ausdrücklich anerkannt. Die damit verbundenen Verluste sind nicht vergebens gewesen und treten
in ihrer Bedeutung vor den erzielten Erfolgen zurück. Den Truppen des zweiten bayrischen Armeekorps, die
für ihre Ausdauer unter schwierigsten Verhälmissen ganz besondere Anerkennung verdienen, ist vorstehendes
bekannt zu geben mit dem Hinweis, daß die Gesamtlage zunächst auch weiterhin ein unbedingtes Ausharren
der 6. Armee fordere, bis sie auf Befehl des Kaisers neuerdings zum Angrif schreiten darf.
Kaiser Wilhelm hat dem Oberkommandanten ber österreichisch-ungarischen Armee Erzherzog Friedrich
das Eiserne Kreuz erster und zweiter Klasse verliehen.
Kaiser Franz Josef verlieh den Armeekommandanten von Auffenberg und Dankl, die ihre beldenmütigen
Truppen bei Komarow, bezw. Krasnik zum Siege geführt haben, das Großkreuz des Leopold-Ordens
mit der Kriegsdekoration und dem Generalmajor Pongracz in Anerkennung seines helbenmütigen
und erfolgreichen Wirkens gegen Montenegro das Ritterkreuz des Leopold-Ordens mit der Kriegsdekoration.
Kaiser Wilhelm teilte dem Herzog von Meiningen telegraphisch mit, daß Ernst von Sachsen-Meiningen,
ein Sohn des vor Namur gefallenen Friedrich von Sachsen-Meiningen und Bruder der Großherzogin
von Sachsen gefallen ist. Er wurde am 20. August in Maubeuge mit militirischen Ehren begraben.
Todesritt afrikanischer Jäger. Aus den Kämpfen im Oberelsaß wird jetzt erst die Attacke afrikanischer
Jäger gegen das deutsche Landwehr-Regiment bei Tagsdorf (Sundgau) bekannt, die dem bekannten Todesritt
französischer Kürassiere bei Wörth 1870 gleicht. Ruhig ließen unsere Landwehrleute die feindliche Kavallerie
bis auf 400 Meter herankommen. Die Wirkung des dann einsetzenden Feuerkampfes war furchtbar. In wenigen
Minuten war die französische Kavallerie vernichtet. Von 800 Mann blieben nur 27 unverletzt, alle übrigen fielen.
Das Kriegeministerium in Berlin macht bekannt,
1. die Verlustlisten sind nur durch Postabonnement monatlich 60 Pfg. zu bezlehen, dagegen nicht beim
Zentralnachweisbureau erhältlich.
Auskünfte erteilen
a) Zentralnachweisbureau des Kriegsministeriums Dorotheenstraße 48 über Verwundete und Gefallene
des Heeres und können schriftlich nur Anfragen entsprechend beantwortet werden, die auf den bei
jedem Postamte erhältlichen Rosa-Antwortkarten hergestellt sind.
b) Zentral nachweisbureau des Reichemarineamts, Matthäikirchstraße 9, über alle Angehörigen der Marine.
c) Auswärtiges Amt über deutsche Angehörige im Auslande, auch, soweit möglich, über die deutschen Gefangenen
im Feindesland.
d) die Bezirkskommandos an Kriegsfreiwillige.
Der Kriegsberichterstatter vom österreichischen Schauplatz meldet fortdauernde große Fortschritte um
Lemberg.
Auf verschiedene Versuche des Dreiverbandes erwiderte die türkische Pforte, daß die Türkei nicht käuflich sei.
In der Nordsee wurde das Wrack des englischen Dampfers Ottawa aufgefunden. Jedenfalls ein
Opfer der Minen.
Nach siegreichem Gefecht der 3. Armee am rechten Ufer der Maas bei Dinant erhielt Major Richter, der
Kommandeur des 2. Feldartillerieregiments No. 23, den Befehl, zur Verfolgung des Gegners bei Dinant die
Meuse zu überschreiten und mit Abteilungsteilen dann die über Warnant auf Bioul angesetzte rechte Flügelkolonne
aufzusuchen und mit ihr vereint zu operieren. Da die Brücke bei Dinant nur mit einzelnen Geschützen
in großen Zwischenräumen passierbar war, überschritt Major Richter zunächst mit einer Batterie die Meuse,
während er zwei Batterien zunächst noch auf dem rechten Ufer zurückließ. Beim weiteren Vorgehen auf Warnant
fand zwar Major Richter die rechte Kolonne nicht, aber die dritte Batterie des F. A. R. 23. und zwei Kompagnien
5. und 7. F. Rs. Nr. 101 unter Hauptmann Moras. Während nun die eine Kompagnie infolge der überaus großen
Anstrengungen der letzten Tage eine einstündige Rast einlegen mußte, trabte Major Richter in der Absicht, die
rechte Kolonne möglichst rasch zu erreichen, ohne jeden Infanterieschutz auf Bioul vor. Als er auf der etwa
1800 Meter östlich gelegenen Höhe ankam, meldete ihm der Führer einer sächsischen Husarenpatrouille vom Reserve-68