Volltext : Spittler’s sämmtliche Werke. Sechster Band. (6)

149

halten.  Er  trat  wohl  etwa  auch  Buͤndnissen  bei,  die  sein
rüstiger  Vetter  in  Wolfenbuͤttel  oder  sein  Schwager  der  erbitterte
  Herzog  Georg  von  Sachsen  zu  Beschuͤtzung  des  alten
  Glaubens  unter  Beguͤnstigung  des  Kaisers  schlossen.
Aber  kein  Vetter  und  kein  Pfaffe,  kein  Schwager  in  Sachsen
  und  kein  Schwiegervater  in  Brandenburg  6rKn  hätten  ihn
durch  Bitte  oder  Beispiel  bewegen  koͤnnen,  das  arme  Volk
zur  Lateinischen  Messe  zu  zwingen,  oder  wie  diese  zwei
Fürsten  gethan  haben,  die  verführenden  Prädicanten  mit
Feuer  und  Schwerdt  zu  verfolgen.  Noch  blieb  Herzog  Erich
in  seiner  glücklichen  Ruhr,  als  endlich  selbst  auch  an  seinem
eigenen  Hofe,  als  endlich  seine  eigene  Gemahlin,  die  freilich
  vierzig  Jahre  jünger  als  er  war,  und  nach  dem  Tode
ihres.  eifrig  katholischen  Vaters  des  alten  Churfuͤrst  Joachim
  I.  von  Brandenburg  durch  das  Beispiel.  ihres  reformirenden
  Bruders  gereizt  wurde,  aus  dem  Hesleulande  einen
Prädicanten  kommen  ließ,  und  Abendmahl  unter  beiden
Gestalten  genoß  **).  Was  ihm  allein  noch  bei  aller  Ruhe,

*)  Ein  Beispiel,  daß  sich  der  Churf.  von  Brandenb.  der  Sache
annahm,  s.  Schr.  H.  Erichs  an  die  Stadt  Göttingen  17.  Nov.
1531.  Goͤtt.  Chr.  II.  Th.  S.  407.

QEs  wurde  ihr  durch  Conrad  Brecht,  Prediger  zu  gr.  Schneen,
zum  erstenmal  gereicht  (Baring  Biogr.  b.  Corvinus  S.  43.).
Elisabekh  bat  den  6.  Okt.  desselb.  Jahrs  den  Landgrafen  Philipp,
  ihr  den  Pfarrer  von  Wizenhausen  Anton  Corvinus  zu
schicken,  und  Philipp  erlaubte  auch  demselben,  von  Zeit  zu
Zeit  von  Wizenhausen  nach  Muͤnden  zu  geben.  Noch  im  J.
1338  wurde  er  von  der  Herzogin  nach  Northeim  geschickt,  die
Reformation  daselbst  einzuführen,  auch  eine  Kirchenordnung
für  die  Stadt  zu  entwersen.  Corvinus  kam  in  Münden  an,
gerade  als  der  Herzog  gen  Hagenau  wollte.  Man  suchte  ihn

gegen  den  Reformator  und  seine  Gemahlin  aufzureizen.  „Weil

„sie  uns  in  unfrem  Glauben  nicht  hindert,  so  wollen  wir  sie

1538