Full text : Der Mündliche Vortrag. Dritter Teil. Schönheit des Vortrags. (3)

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Vortrag  des  Lyrischen.

Auf  das  geliebte  reine  Haupt  der  Blitz,
Der  mich  zerschmetternd  wollte  niederschlagen.  —
Laßt  uns  einander  nicht  erweichen.  Weinen  will  ich
So  lang  noch  Leben  in  mir  ist;  nie  soll
Ein  Lächeln  diese  Wangen  mehr  erheitern.
Nie  will  ich  dieses  nächtliche  Gewand
Mehr  von  mir  legen,  ewig  will  ich  trauern.—
Es  ist  der  Weg  des  Todes,  den  wir  treten,
Mit  jedem  Schritt  wird  meine  Seele  stiller.
Als  ich  Apollen  bat  das  gräßliche
Geleit  der  Racheschwestern  von  der  Seite
Mir  abzunehmen,  schien  er  Hülf'  und  Rettung
Im  Tempel  seiner  vielgeliebten  Schwester,
Die  über  Tauris  herrscht,  mit  hoffnungsreichen,
Gewissen  Götterworten  zu  versprechen.
Und  nun  erfüllet  sich's  daß  alle  Not
Mit  meinem  Leben  völlig  enden  soll.  —
Am  Ufer  steh'  ich  lange  Tage
Das  Land  der  Griechen  mit  der  Seele  suchend,
Und  gegen  meine  Seufzer  bringt  die  Welle
Nur  dumpfe  Töne  brausend  mir  herüber.  —

§  89.  Die  mehr  oder  weniger  stille  und  sanfte  Klage  der

Beispiele  in  dem  vorigen  8  wird  in  den  folgenden  Beispielen
zur  lauteren,  zur  heftigern  Klage.  (S.  8  61.)

Unsel'ges  Licht,  du  rufst  mich  auf  zum  Leben,

Mich  zum  Bewußtsein  dieser  Welt  zurück

Und  meiner  selbst.  Wie  öde,  hohl  und  leer

Liegt  alles  vor  mir  da  und  ausgebrannt,

Ein  großer  Schutt  die  Stätte  meines  Glücks!

Warum  o  laßt  ihr  die  bekannten  Wände

Mit  Farb'  und  Gold  mir  noch  entgegenscheinen.

Die  mich  an  gestern,  mich  an  ehegestern,

An  jenen  Zustand  meines  vollen  Glücks

Mich  kalt  erinnern!  O  warum  verhillt

Ihrnicht  Gemach  und  Saal  mit  schwarzem  Krepp

Daß  finster  wie  mein  Innres  auch  von  außen

Ein  ewig  nächt'ger  Schatten  mich  umfange!  —
Sie  war  die  Seele  dieses  ganzen  Hauses!

Wie  schwebte  beim  Erwachen  sonft  das  Bild

Des  holden  Kindes  dringend  mir  entgegen!

Hier  fand  ich  oft  ein  Blatt  von  ihrer  Hand,

Ein  geistreich  herzlich  Blatt  zum  Morgengruß!  —