124 Zweiter Teil. Landesrecht.
fungieren“!). Dieser Satz ist zwar von keiner Seite angefochten, er
fehlt aber trotzdem im Texte der Verordnung.
d) Die Stimmabgabe. Die Wahlhandlung ist öffentlich ($ 3,
Abe. 2, Satz 1). In den Vorschriften über die Abstimmung kommt
der Grundsatz des geheimen Wahlrechtes deutlich zum Ausdruck.
Es sind vielfach wörtlich die entsprechenden für das Reichstagswahlrecht
geltenden Bestimmungen übernommen worden. Bei der Beratung
des Entwurfes wurden zwar Bedenken dagegen vorgebracht,
auch für chinesische Wähler das Wahlrecht geheim sein zu lassen.
Es wurde erwähnt, daß die Identität der von den Chinesen gemeinten
Kandidaten schwer festzustellen sein würde, da schwer ein deutlich
lesbarer Name von ihnen geschrieben würde, ferner, daß sie kein
Verständnis für eine geheime Wahl hätten; jedoch diese Bedenken
wurden überwunden und beschlossen, es darauf ankommen zu lassen?).
Das Verfahren ist nun folgendes ($ 3, Abs. 3—6): „Das Wahlrecht
wird in Person ausgeübt durch verdeckte, in eine Wahlurne niederzulegende
Stimmzettel ohne Unterschrift. — Die Stimmzettel müssen
von weißem Papier und dürfen mit keinem Kennzeichen verschen
sein. — Sie sind von dem Wähler in einem mit amtliohem Stempel
versehenen Umschlage, der sonst kein Kennzeichen haben darf, abzugeben.
Die Umschläge werden am Eingang zum Wahlraum in
der erforderlichen Zahl bereit gehalten, und zwar solche von blauer
Farbe für die Wahl des von den Firmen und solche von weißer Farbe
für die Wahl des von den Grundbesitzern zu wählenden Vertreters.
— Ungültig sind: 1. Stimmzettel, die nicht in einem amtlich abgestempelten
Umschlag oder die in einem mit einem Kennzeichen versehenen
Umschlag übergeben worden sind; 2. Stimmzettel, die nicht
von weißem Papier sind; 3. Stimmzettel, die mit einem Kennzeichen
versehen sind; 4. Stimmzettel, die keinen oder kcinen lesbaren Namen
enthalten; 5. Stimmzettel, aus denen die Person des Gewählten nicht
unzweifelhaft zu erkennen ist; 6. Stimmzettel, die auf eine nicht
wählbare Person lauten; 7. Stimmzettel, die eine Verwahrung oder
einen Vorbehalt gegenüber dem Gewählten enthalten. — Mehrere
in einem Umschlage enthaltene gleichlautende Stimmzettel gelten
als eine Stimme; in einem Umschlage enthaltene, auf verschiedene
Personen lautende Stimmzettel sind ungültig.“ (Das frühere Recht
2) Protokoll, S. 78. *) Diwelbst, 8. 78 ff.