Full text : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

Aummer  152
Danach  kann  bei  unserer  Flottenleitung  lein

Zweisel  mehr  darüber  herrschen,  daß  wir  der
rolllähliz  versammelten  englischen  Flot  enmacht
Cegenüberstehen.  Die  weltgeschichtliche  Entseidung,
  ob  Deutschlands  junge  Flotle  den  Kampf
mit  der  fast  doppelt  überlegenen  Seemachr
Englands  aufnehmen  soll  i#  auf  dis  Messeis
Schneide  gestellt.  Die  Zeit  türmt  sich.  Minuten
  erweitern  sich  zu  ewiger  Bedeutung.  Ein
Völkerschicksal  ist  in  die  Hand  des  Führers
gelegt.  Der  Augenbli4  fordert  den  Enlschlust-Der
  ihn  faßte,  kannte  Waffen  und  Streiter.
Er  lautete:  Angriff.  Da  die  feindlichen  Linienichiffsgeschwader
  den  nach  dem  Angriff  ablaufenden
  Booten  in  der  sie  umlagernden  Dunftwolke
  wieder  aus  Sicht  kommen,  hält  unser
Linienschiffsgros  zunächst  auf  diese  Dunstwolke
und  die  mitten  in  schweren  Einschlägen
lie  zende  Wiesbaden  zu.  Unser  Torpedoboots-Angriff
  auf  die  im  N  gesichteten  Linienichiffe
  trifft  auch  auf  feindliche  Zerflörer,  die
unter  Führung  eines  kleinen  Kreuzers  nach
Weiten  durchzubrechen  versuchen.  In  dem  sich
ent.  pinnenden  Artilleriegefecht  werden  zwei

Jerstörer,  darunter  einer  mit  der  Bezeichnung
zum  Sinken  gebracht.  Der  lleine  Kreuzer

  und  zwei  weitere  Zerstörer  werden  rcmmer
beichäoigt.  Unsere  Panzerkreuzer  baben  sich
vor  die  Spitze  unseres  Gros  gesetzt.  Im  weiteren
  Vorlaufen  sioßen  sie  auf  die  aus  der
Qualmwand  erneut  auftauch  ende  feindliche  Linie,
  mit  der  sie  nach  Süden  abbiegeno  sofort
in  ein  ungleiches  sehr  beftiges  Artulerieduell
rerwidelt  werden.  Ein  in  dieser  Zeitipanne
wohl  vom  englischen  Gros  aus  in  der  Richtung
  Ver  treidenden  Wiesbaden  angesetzter
schneidig  durchgefül  hrier  Angriff  kleiner  Kreu-#er
  und  Zerstörer,  der  durch  ein  vom  feindlicken
  Gros  her  in  Richtung  der  treibenden
Wiesbaden  vorbrechendes  Geschwader  von  fünf
Panzerkreuzern  der  Minotaur-Achilles=  und
Duke  of  Edinburgh-Klasse  gestützt  wird,  trifft
wohl  infolge  des  Dunstes.  überraschend  auf
unfere  Panzerkrerzer  und  auf  das  Gros.  Von
den  kleinen  Krenrern  wird  ourch  Schiffe  des
Spiben-Geschwaders  einer  versenkt,  ein  anderer
  schwer  beschädigt.  Der  Rest  cnikommt.
Der  Stoß  der  feindlichen  Panzerkreuzer  bricht
unter  schweren  Verlusten  zusammen.  Defence
und  Black  Printe  werden  nich  heftizen  durch
Treffer  hervorgerufenen  Explosionen  bewegungsunfähig
  und  sinken.  Der  Panzjerkreuzer
Warrior  erreicht  als  Wrack  noch  oie  eigene

Linie  und  mun  später  aufgegeben  werden.

Die  Handlungen  des  diitten  Abschni  tes  entwickeln
  sich  zu  ihrer  criten  Hauptphase.  Der
ichwere  Artilleriekampf  der  Spitze  gegen  die
gewaltige  Front  des  feindlichen  Gros  pflanzt
sich  von  unferen  Pan:  erkreuzern  durch  das  vorderste
  Gesälwader  von  Schiff  zu  Schiff  weiter
jort.  während  das  folgende  Geschwader  die
vördlich  sterende  Queen  Eli-  abeth--  *□i  on  uner
  Feuer  nimmt.  Auf  englischer  Seite  find
über  500  38  Zentimeter  Geschutze  und  je  elwa
120  31,3  und  30.5  Zentimeter  Geschütze  in
voller  Tätigleit.  An  briden  Enden  der  englischen
  Hauptlinie,  die  sich  auz  drei  Cerck  wadern
  zu  je  etma  8  Schiffsen,  also  ungefähr  21
Groskampfschif  en  zusammemeetzt,  seten  #helle,
Divisionen,  auf  dem  nördlichen  Flügel  drei
Schlachtk  eu  er  des  Jnvincibl:-Tyrs,  auf  dem
füdlichen  3  der  eben  fertiggestellten  Ropcl.  Sovereign-Klasse.


Unsere  Panzerkreuzer  und  der  vordere  Teir
unserer  Linie  verschwinden  zeitweise  in  Won
sersäulen  und  Sprengwolken.  Aber  auch  ###
Feinde  wird  gute  Wirkung  beob  acktel.  A.,
unseren  Schiffen  kommen  alle  Wafsen  zum  Tragen.
  Besonders  zwischen  8  Uhr  2½1  Minuten
und  8  Uhr  30  Minuten  werden  viele  Tseen:
zum  Teil  von  mächtigen  Sticfliammenerihe
nungen  und  Erviosionen  begleitet.  deutlich  ge.
tehen.  Von  mehreren  Stellen  wird  einwandfrei
  beobachtet,  daß  8  Uhr  320  Minuten  ein
Schiff  der  Queen  Elizobetb=  Klosse  unter  ganz
ahnsichen.  Symptomen  in  die  Luft  flieg:  wie
vorher  Queen  Marny.  Ferner  sinlt  in  dieser
Phase  der  Schlachtkreus  er  Invincible  schwer
getroffen  in  die  Tiefe.  Ein  Schiff  der  Iron
Duke-Klasie  hat  schon  vorher  einen  Torpedotreffer
  erhalten,  eins  der  Queen  E.  Zabeih-Klasee
ist  anscheinend  in  der  Ruder-Einrichtung  getroffen,
  es  fährt  einen  Kreis  und  ieine  Artillerie
  schweigt.  Auf  unserer  Linie  vermag  von
3  Uhr  45  Minuten  an  der  Panzerkreuzer  Lützom
  seinen  Platz  in  der  Linie  nicht  mehr  zu
behaupten.  Nach  wenigstens  15  schweren  Tressern
  muß  er  Fahrt  vermindern,  bleibt  aber
bewegungs=  und  schwimmfähig  und  zieht  sich
aus  dem  G  Der  Befehlshaber  der  Auftlärungsstreitkräfte
  Vizeadmiral  Hipper  schifft
sich  in  schwerent  Feuer  an  Bord  eines  Torpedoboots
  aeseP  einen  anderen  Panzerkreuzer  um.
Etwa  um  diese  Zeit  werden  Teile  unferer  Flonllen
  auf  das  feindliche  Gros  zum  Angriff
gebracht  und  kommen  gut  zu  Schuß.  Detonationen
  werden  gehört.  Eine  Flotille  verliert
  eines  ihrer  #  durch  schweren  Treffer.
Ein  feindlicher  Zerstörer  wird.  durch  einen
Torpedo  getroffen,  sinkend  gesehen.

Nach  diesem  heftigen  Stoß  mitten  in  den
überlegenen  Feind  hinein  verlieren  die  GSegner

*)  Anm.  Die  Bezeichnungen  sind  unter  den
Gefechtsverhäktnissen  nicht  immer  burchaus  li-————————————


 

 

A—4—————

cinander  in  Nauch  und  Pulverqualm  aus  Sicht.

Als  das  Artilleriegefecht  dabei  lurze  Jeit  volllommen
  verstummt,  setzt  der  Flottenchef  alle
zur  gersuans  stehenden  Kräfte  zu  einem  neuen
Stoße  an.

 

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Den  Panzerkreuzern,  die  mit  Flotillen-Geleit-
  Kreuzern  und  Torpedobooten  wieder  an
der  Spitze  stehen,  schlägt  bald  nach  9  Uhr  aus
dem  Dun#schleier  erneut  hefliges  Feuer  enigegen,
  das  sich  kurz  darauf  auch  wieder  auf  die
vortere.  ee  Lidision  des  Spi  enges  bwaders  legt.

Die  Panzerkreuzer,  die  während  der  Unschiffung
  des  Admirals  Hieper  vorübergeheno  vom
Kommandanten  des  Deifflinger  geführt  werden,
werfen  sich  jetzt  mit  rücksichtslosem  Einsan,
höchste  Fahrt  laufend,  zum  Heranbringen  der
Torpedoboote  auf  die  feindliche  Linie.  Ein
dichter  Geschoßhagel  überschütiet  sie  auf  ihrem
ganzen  Wege  vorwärts.

Der  Sturm  wird  bis  auf  6000  Meter  herangetragen.
  Mehrere  Flotillen  brechen  zum
Torpedoangriff  vor  und  verschwinden  bald  in
dichtem  Qualm.  Sie  kommen  zu  Schuß  und
kehren,  trotz  schwerster  Gegenwirkung,  mit  dem
Verluste  nur  eines  Bootes  zurück.

Nach  diesem  zweiten  wuchtigen  Sloße  reißt  in
der  von  Ceschützgualm  und  Rauchqualm  erfüllten
  Luft  der  erbilterte  Feuerkampf  abermal
ab.

Der  ersten  Angriffswelle  unserer  Torpedoboote
  folgt  wenig  später  eine  zweite.  Sie
durchbricht  die  Qualmwolle  und  findet  das
feindliche  Gros  nicht  mehr  vor.  Nur  in  nordöstlicher
  Kichtung  werden  noch  eine  große  Jall
lleiner  Kreuzer  und  Zeritörer  bemerkt.  Auch
als  der  Flollenchef  die  Kampflinie  etwa  in
gleicher  Ordnung  auf  südlichem  und  füdwestlichem
  Kurse,  auf  dem  der  Feind  zuietzt  gesehen
  worden  ist,  entwickelt  und  heranführt,
wird  der  Gegner  nicht  mehr  angetroffen.  Wohin
  er  vor  dem  vorbereileten  drilien  Stoß
ausgewichen  in,  kann  nicht  festgeiteilt  werden.

Mit  dem  Verstummen  der  Geschüte  um  9
Uhr  30  Minuten  abends  kann  man  oie  Tagschlacht
  als  beendet  ansehen.  Das  materielle
Ergeb  nis  des  dritten  Akschnilt  it  auf  Seiten
  E  Cee#s  der  Verlun  eines  seiner  neu'-sien

  Linienschiffe  der  Queen  Elizaveth  Klasse,
eines  Schlachttreuzers  vem  Inein  seje.  Typ,
dreier  Panzertreuzer  —  Desence,  Blat  Prince
und  Warrior  —  eines  Kleinen  Kreuzers  und
ron  wenigitens  ꝛwei  Derförern.  Andere
Schiffe,  cra  u  ter  ein:  —e.  Elizebbet#=  Kl.
und  das  Schlachtschiff  Malborough,  zwei  kleine
Kreuser  und  mehrere  Zerstörer  haben  erhebliche
  Beschädigungen  erlitten.  Auf  unserer
Seite  werden  2  Torpedoboote  verseri#t.  Wiesbaden
  bleibt  auf  dem  Kampf  plat  liegen  und
sinkt  später.  Der  Panzerkreuzer  Lützow  wird
gefechtsunfähig.  Schon  nach  dem  leciglich  materieilen
  Mabstabe  gemeseen,  schließt  dieser
Hauptgefechtsabschnitt  der  Tagschlacht  mit  einem
vollen  Erfolge  unserer  Waffen.

Nur  noch  einmal,  von  10  Uhr  30  Minuten
abends  lebt  in  der  späteren  Dämmerung  der
Kampf  für  kurze  Zeit  wieder  aus.  Unsere
Panzerkreuzer  sichteten  in  südlicher  Richtung  4
seindliche  Großtampsschiffe,  auf  oie  sie  sofort
das  Feuer  eröffneten.  Als  zwei  unserer  Linienschiffsgeschwader
  in  das  Artilleriegefecht  eingreisen,
  dreht  der  Feind  ab  und  verschwindet  im
Dunkel.  Unsere  älteren  Kleinen  Kreuzer  der
4.  Aufllärungsgruppe  geraten  mit  älteren  feindlichen
  Panzerkreuzern  im  ein  kurzes  Feuergesecht,
  das  im  Dunkel  abreißt.

——5

münchen,  2.  Juli.  Die  Milchnot  in  München
  ist  in  der  letzten  Zeit  so  arg  geworden,  daoß
vom  Kreismolkereiinspektor  Fehr  der  Vorschlag
gemacht  wurde,  der  mämlichen  Bevöllerung  den
Milchbezug  vollständig  zu  entziehen.  Dadurch
würden  täglich  50  000  Liter  Milch  eingespart,  so#
daß  u  Frauen  und  Kinder  Milch  bekommen
  können.  Vorschlag  soll  demnächst  im

 

 

städt.  tes  far  Lebensmitteloersargung.  eröre
———————————.—

nen

 

Werische  Nachrichten.

Glonn,  2.  Juli.  Auf  einem  Grundstücke  der
Erziehungsanstalt  Piusheim  bei  Glonn  wuroe
bei  Entwässerungsarbeiten  im  Moor  ein  Bronzedepotfund
  gemacht,  eine  Anzahl  spangensörmiger
  Bronze=  bezw.  Kupferbarten  aus  der  früheren
  Bronzezeit,  vielleicht  1060  Jahre  vor  Christus.
  Die  intercessanten  Stüce  d  der  Staatssammlung
  eingeliefert  worden.

Regensburg,  2.  Juli.  Der  aus  dem  Felde
  beurlaubte  Braugehilfe  Anlon  Plötz  hat  durch
Gas  einen  Mord  und  Selbstmordversuch  verübt.
  Seine  Frau  ist  lot.  Plötz  liegt  sczwer  krank
darnieder.

Ausbach,  2
Maria  Botsch  ist

Juli.  Die  Spezercihändlerin
in  ihrem  Laden  erwordet
aufgefsunden  worden.  Als  Täter  ist  der  17=jährige
  Fabrikarbeiter  Büchele  rerhaftet  worden.
  Er  hat  die  Tat  bereits  eingestanden  und  erllärt,
  zu  dem  Ranubmord  angestiftet  worden
zu  sein.  Nach  einer  weiteren  Meldung  i't  der
zweite  Bursche,  der  Büchele  zu  der  Tat  angestiftet
  hatte,  ebenfalls  sestgenommen.  Büchele
stammt  aus  Wiesensteig  in  Würktemberg.

Beyerisches  Obeecland.

Hrien,  2.  Juli.  Die  Königin  beehrte  gesiern
  von  Wüdenwart  aus  mit  den  Prinzessin=Wiltrud,
  Helmerud,  und  Gundelinde  den
Reicherat  und  die  Freifrau  von  Cramer-Klett
in  Hohenaschau  mit  ihrem  Be  uch.  Die  Köniein
besichtigte  bei  dieser  Gelegenheit  auch  leuer  das
[Vazareti  des  Freiherrn  von  Cramet-Klett,  in
dem  sich  gegenwärtig  24  Ofiriere  und  74
kranke  oder  verwundete  Unteroffiziere  und
Mannschaften  befinden.  Der  leilende  Arzt  Dr.
Knorz  hatte  die  Führung  übernommen.  Die  Königin
  beschenkte,  ron  Vett  zu  Bett  gehend,  alle
Soldaten  und  unterhielt  sich  mit  ihnen.  Auch  der
Kleinkinderbewahrani#a“!  in  Niederaschau,  die
Freil#rr  und  Freifrau  von  Cramer  Klett  unierhalten,
  wurde  ein  Besur)  abgenlatte#t.

Traunstein,  2.  Juli.  Der  Arbeiter  Jakob
Siiegler,  beschäftigt  in  der  Holzwollfabrik  der
(bratI.  Gustsbelwelung  Stiin,  wurde  von  einem
Stück  Holz,  das  rvon  der  Säge  absprang,  derart
  gelrossen,  daß  er  bald  darauf  rerschied.  Er
war  ledig.

 

Krieg  und  Krankenkassen

Es  bestehen  Linsichtlich  der  mit  dem  Krieg
im  Zusammenhang  sliehenden,  für  die  Kranlenkassen
  güitigen  Bestimmungen  vielfach  Unllarheiten.
  Im  Nac  stehenden  sei  rersucht,  die
wichtigsten  Joschriften  kurz  z#  eriru'ern.

I.  Versicherungsrechtliche  Stellung
der  beurlaubten  Kriegsteilnehmer.

Perionen  des  Soldatenstandes,  die  in  Priratbetrieben
  beschäf.i-  t  werden,  un  erliegen  der
gefeblichen  Kranlen-,  Invalikew.  Unfall  und
Anie#-  ellt-  we  sikerung  dann,  wenn  ie  „beurlaubt“
  jind.  Die  Ver-  icherungenflicht  tritt  bei
der  Kranken=  und  IJlwalidenversicherung  dann
ein,  wern  von  vornherein  beilimmi  ist.  daß
die  Beich  tiaung  länger  als  3  Tage  dauert,
sowie  auch  in  jedem  Falle,  wenn  eie  Dauer
der  Beschäfltigung  unb##timmt  in.  Ve#  icherungesreiheit
  steht  also  nur  dann,  wenn  die
Lohnarbeit  nach  der  Natur  der  Sache  oder
durch  Arbeitevertrag  von  pernherein  auf  hörsteus
  3  Tage  beschränkt  ist.  Dagegen  kommt
lei  einer,  Kommandierung"“  die  gesetzlih  Versicherung.
  nicht  in  Betracht.  Sie  d.uf  daher
in  solchen  Fällen  werer  von  dem  „  Kommandierten“
  noch  der  die  Kommandierung  erlassenden
  Militärstelle  gejordert  werden.

II.  Freiwilliger  Wiedere  intritt  beurlaubter

  oder  entlasisener  Kriegsteiluehmer

  in  die  Kranken  versicherung.


Bekanntlich  ist  den  Kriegoteilnehmern,  die
bei  der  Einberufung  von  dem  Recht  der  freiwilligen
  Weiterversicherung  keinen  Gebrauch  gemacht
  haben  oder  die  Versicherung  während
der  Abwesenheit  im  Felde  verfallen  ließen,  das
Recht  eingeräumt,  binnen  6  Wochen  nach  Rückkehr
  in  die  Heimat  in  die  Krankenversicherung
  wieder  einzutreten.  Es  ist  nun  Streit
entstanden,  wann  eine  „Rückkehr  in  die  Heimat“
  ammunehmen  ist.  Während  manche  Kassen
  zu  der  Ansicht  neigten,  daß  eine  solche
nur  vorliegt,  wenn  der  Betrefsende  aus  dem
Soldatenstand  enasaen  en  in.  hal  die  Tages  pre  se
zum  Teil  eine  „Rückle  schon  dann  angenommen,
  wenn  eine  W  ron  ganz
kurzer  Jeit,  etwa  von  10—14  Tagen  vorhanden
  war.

Die  Ansichten  beider  dürften  versehlt  sein
im  Hinblick  auf  eine  Enlscheidung  des  Reichsversicherungsamtes,
  das  den  Grundsatz  aufstellie,
  daß  „eine  Racklehr  in  die  Helmat“  dann
vorliegt,  wenn  ein  Kriegsteilnehmer  für  längere
  Zeit  zurücklehrt  und  infolgedessen  sein  bürgerliches
  Leben  wieder  aufnehmen  kann.  In
vorerwähnter  Enischeidung  drehte  es  sich  um
eine  Frist  von  3  Fpe  und  dor  Oiec
rersicherungsamt  hat  entschieden,  daß  hler  eine
Wefeinneeinr  uhrn  ahenn

—  —  —.

 

das  Nichtige  tressen,  wenn  man  im  allgemei
nen  den  in  der  Neich-versicherungsordnung  ösu
bersn  zangewendeten  Zeitraum  von  6  Wochen
(i.  §  313)  annimmt.  Bei  einem,  in  La—
Fckern  befindlichen  Kregztellnehmer,

.  B.  im  Kaiseibad,  kann  al'o  überhaupt  nicht
Rhsenr-  in  die  Heimat  gesprochen  werden,  da
der  Betreffende  fein  früheres  bürgerliches  Leben
  ja  nicht  wieder  ausgenommen  hat.  War
ein  Kriegsteilnehmer  vor  der  Einberufung  sesb.
sländig  und  bei  einer  Krankenkasse  freiwillig
rersichert,  dso  hat  er  nach  der  „Rückkehr“  in
oben  geschildertem  Sinne  ebensalls  das  Rech:
zur  Wiederaufnahme  der  Versicherung.

Ist  ein  Kriegsteilnehmer  nach  Rücäkkehr  in
die  Heimat  infolge  Krankheit  oder  Verwundung
  albeitzunsäl  ig,  so  hit  er  bei  Vorhanden.
sein  der  sonstigen  Voraussetzungen  wohl  das
Recht  zum  Wiedereintritt  in  die  Krankenkasse,
jedoch  für  die  die  Arbeitsunfähigkeit  beim
Eintritt  bereits  verursachende  Kronlheit  keinen
Auspruch  an  die  Kasie.  Selbstverständlich  is,
daß  die  freiwillige  Versi  cherung  nur  immer
bei  der  früheren  Kasie  betätigt  werden  kann.

Cosolnachrichien.
Die  Wirkung  der  nenen  Tabokabgaben.

Am  1.  Juli  traten  die  neuen  Kabalabgaben
in  Kraft,  und  für  die  seit  dem  16.  Mai  1916
verzollten  oder  versteuerten  Tabakblätter  hat
eine  Nachver#rollung  oder  Nachversteuerung  slattzusinden
  zum  Ausgleich  des  Unterschiedes  zwischen
  den  gegenwärtigen  und  den  neuen  Gewichts#2öllen.
  Unler  dem  Einfluß  der  infolge  des
Krieges  eingetretenen  außerordentlichen  Verteuerung
  des  Tabaks,  die  noch  nicht  zum  Still.
stand  gelommen  ist,  waren  bereils  bisher  die
Preise  der  Tabakerzeugnisse  sehr  erheblich  ge
stiegen.  Inzwischen  ist  den  Arbeitern  des  Tabakgewerbes
  eine  Loynerhöhung  von  25  Prozent
  unter  Einrechnung  der  während  des  Krieges
  bercits  gewährten  Teuerungszulagen  zugestanden,
  wodurch  naturgemäß  eine  weitere
Verteuerung  der  Erzeugnisse  eingetrelen  ist.
Und  nun  tritt  dazu  der  erhöhte  Gewichtszoll.
Die  Folge  dieser  verschiedenen  die  Fabrikation
  verteuernden  Ursachen  wird  ein  Preisaufschlag
  auf  Jigarren  von  durchschnitllich  minde.
siens  50  v.  H.  sein.  Aber  auch  dieser  Aufschlag
wird  nur  solange  auereichen,  als  noch  ältere,
billigere  Rohtabale  verarbeitet  werden.  Sobald
ausschlie#lich  Tabalte  zu  den  hohen  Kriegspreisen
  und  mit  der  neuen  Belastung  zur  Verarbeitung
  gelangen,  wird  der  Preisaufschlag  sich
noch  weiler  erhöhen.  Dabei  werden  die  untersten
  Preislagen  die  slärlste  Steigerung  erjahren.
  Gegenwärtig  wird  es  noch  möglich  sein,
im  Kleinhandel  eine  Jigarre  für  10  Pmfg.  zu
beziehen,  in  alse  ehbarer  Zeit  dürfte  aber  die
12.  Pfa.  igarre  die  unterie  Preislage  bilden.
Die  bisherige  10-Pig.  igarre  kostct  gegen
wärtig  noch  15  Afg.,  ir  Preis  wird  aber
demnächst  noch  weiter  sleigen.  Ueber  die  Gestallung
  der  Klei  anhandel  preise  für  Zigaretten  ist
zwischen  Fab.  i.anten  und  Händleen  noch  kiire
Einigung  nen  obwohl  der  Reitpunkt  für  die
Erhebung  des  neuen  Krir  Lsausschiages  bereits
da  in.  Die  Zigarelten=  Industrie,  welckh
durch  die  Kontingentierung  nicht  in  der  bisherigen
  Weise  vom  Kleinhandel  abhängig  isl,  wül
diesem  Verlaufspreise  vorschreiben,  die  ausschließlich
  der  Rabatte  dem  Händler  einen
Nutzen  von  14  bis  20  v.  H.  lassen,  während  ec
früher  einen  solche  n  ron  35  bis  40  v.  H.  hatte.
zu  einer  Einigung  über  di:  Verlauf  preise  in

,  wie  gesagt,  noch  nian  gelommen.  Jedenfalls
arn  die  bieherige  1-  Pfg.-  Zigarelte  ganz  verschwinden
  und  an  ine  Steile  triit  als  billigste
Sorte  die  2-Pfg.-Zigaretle.  Eine  sit##re  Folge
  der  Neubelastung  der  Zigareitenindustrie  wird
sedensalls  darin  bestehen,  daß  die  bisherige
Preieschleuderei,  unter  der  der  solide  Zigare!-tenhandel
  stark  gelitlen  hat,  für  immer  ihr  Ende
erreicht.

 

 

*„  "„  "„
Rosenheim,  den  3.  Juli.

Auf  dem  Felde  der  Ehre  gefallen:
Josef  Koch,  Schlosser  aus  Rosenheim,  Soldat
in  einer  Pionierkompagnie;  Werner  Frhr.  v
Reitzenstein  aus  Traunstein,  Sohn  des  Oberstleutnants
  a.  D.  Philipp  Frh.  v.  Reizenstein
in  Traunstein,  Dipl.-Ing.  und  Leutnant  d.  R.
im  Inf.-Leibregiment,  Inhaber  des  Militärverdienstordens
  mit  Schwertern,  des  Eisernen  Kreuzes
  2.  Klasse  und  des  österr.  Verdienstkreuzes  mit
Kriegsdekoration;  Georg  Huber,  Bindersohn
von  Obertaching,  Soldat  im  3.  Jägerregiment:
Josef  Liebhart,  Gütler  und  Postbote  in  Mating,
  Pf.  Erharting,

Auszeichnung  im  Felde.  Der  Fuhrwerksbesitzer
  Andreas  Huber  aus  Rosenheim,
Schwiegersohn  des  Privatiers  Paul  Lechner  in
Rosenheim,  Landwehrmann  im  1.  Landw.-Inf.
Reg.,  wurde  mit  dem  Eisernen  Kreuz  ausgezeichnet.


Alsvermißt  gemeldet  wurde  heute  den
Bauer  Peler  Baumann  zum  Rieder  in  Pfafsenhofen.
  Er  stand  im  20.  Inf.-Reg.  im  Felre.

Oberbayer.  Schul  dienst.  Versetzt  mur“
den  Hauptlehrer  Ludwig  Daimer  von  Po  a
rang,  BA.  Wasserburg,  nach  nseren.

Bl.  Tal  Gauntlehrer  Frienrich  Mirugruber