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und die Ereignisse, welche zum Erwerbe der Schutzgebiete für
das deutsche Reich führten ?®), für die Richtigkeit der in Streit
befindlichen These.
Die Behauptung, dass private Personen in okkupationsfähigen
Gebieten stets nur dem Privatrechte zuzuweisende Rechtsbefugnisse
erwerben können, widerspricht den Thatsachen. Wenn Private
zur Verwirklichung ihrer Kolonisationsbestrebungen in überseeischen
Ländern festen Fuss fassen, so begnügen sie sich vielfach nicht
mit dem Erwerbe des zur Niederlassung und wirthschaftlichen
Ausbeutung erforderlichen Bodens. Die Verträge über die Grundabtretungen,
welche sie in bewohnten Landstrecken mit den Machthabern
der eingeborenen Stämme abzuschliessen pflegen, enthalten
meist Stipulationen über den gleichzeitigen Erwerb staatlicher
Hoheitsrechte. Unbestreitbar haben deutsche Reichsangehörige
im Wege solcher Verträge öffentlich-rechtliche Herrschaftsgewalt
ursprünglich in eigenem Namen über weite Landstrecken Afrikas
gewonnen.
Der thatsächlichen Uebung zufolge könnte der Rechtsgrund
für den Erwerb der Hoheitsrechte seitens Privater in den Verträgen
mit den Stammhäuptlingen gesucht werden. Die Frage,
ob die durch Verträge vermittelte Gebietshoheit als eine derivativ
begründete zu erachten ist oder nicht, bleibt hier ausser Betracht.
Denn, selbst wenn man der Verträge halber einen derivativen
Gebietshoheitserwerb annehmen müsste, sind jedenfalls Privatpersonen
als Subjekte dieses Erwerbes anerkannt, und ist es nicht
abzusehen, warum dieselben sich auf den Rechtsgrund des Vertrages
eingeschränkt sehen und nicht auch zur Okkupation berechtigt
sein sollten, sobald sie nur einmal zum völkerrechtlichen
28) Ueber die Verträge, wodurch deutsche Reichsangehörige Hoheitsrechte
in Afrika erwarben, ist zu vergleichen die Denkschrift über die
deutschen Schutzgebiete vom 2. Dez. 1885, abgedruckt in HırRTH u. SEYDEL,
Annal. 1886 S. 483; s. ferner Meyer S. 5ff. und v. STENGEL, in den Annal.
1887 S. 805 ff.