Geschlechtsorgane. 45
des befruchteten Eies in ihrem Leibe zu vollziehen, endlich die zum Individuum
ausgereifte Leibesfrucht an das Licht des Tages zu befördern. Der erste Vorgang
wird Menstruation genannt, vom lateinisch menses (Monat) abgeleitet,
auch Periode und Regel. Mit der Ablösung des reifen Eies vom
Eierstock, welche alle vier Wochen stattfindet, geht eine Blutung aus der
Gebärmutter einher. Die Ursache derselben ist noch nicht ganz klargestellt;
die heutige Form derselben bei den europäischen Frauen hat auch so viel
Krankhaftes an sich, daß man mit Sicherheit die Art, wie sie uns gegenwärtig
entgegentritt, nicht als eine Naturnotwendigkeit betrachten darf. Was sexuelle
Überanstrengung des Weibes, Unterdrückung, Infektionskrankheiten (ansteckende),
männliche Roheit usw. dabei für Einfluß haben, läßt sich nur
vermuten. Eigentümlich bleibt es immer, daß viele hochentwickelte Säugetiere
keine monatliche Blutung haben und doch auch ein regelmäßiger Abgang von
Eizellen bei ihnen stattfindet. Auch kennt man Fälle, in welchen stillende
Frauen, bei denen die Blutung ausblieb, oder junge Mädchen, bei welchen sie
überhaupt noch nicht eingetreten war, in schwangeren Zustand kamen, womit
bewiesen ist, daß der Abgang der Eizellen ohne Monatsblutung wohl möglich ist.
Man hat zur Erklärung der Menstruation die Theorie der „Monatswelle“
aufgestellt und versteht darunter eine Beschleunigung und Verlangsamung
des Stoffwechsels, welche sich alle vier Wochen wiederholt und zwar
so, daß nach der Beschleunigung die Blutung eintritt als Folge der Reifung
und Ablösung des Eies, die stets mit vermehrtem Blutzufluß und einem gewissen
Nervenreiz verbunden ist. Sicher aber wird man nicht bei allen Frauen
solches An= und Abschwellen des Stoffwechsels beobachten können, und selbst
wenn dies der Fall wäre, haben wir doch keine tiefere Ursache dafür anzugeben,
um so weniger, als beim männlichen Geschlecht keine analoge Erscheinung
zu beobachten ist. Wichtiger dürfte es sein, diese Monatswelle
namentlich bei reizbaren Frauen zu suchen, deren ganzer Organismus allzusehr
an der Produktion der Eizellen teilnimmt und daher Erscheinungen darbietet,
die wir bei robusten und nervenruhigen Frauen vergebens suchen.
Näheres über die Eigentümlichkeiten einer normalen oder krankhaften
Periodeistim dritten Teil unseres Buches zu finden (unter Menstruation, krankhafte).
Der zweite Vorgang, das Wachstum des befruchteten Eies im Mutterleibe
betreffend, heißt die Schwangerschaft und findet im zweiten Teile
nähere Besprechung, ebenso der dritte Vorgang, die Geburt, die Ausstoßung
der gereiften Leibesfrucht, die „Entbindung“. —
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Die weibliche Bruftdrüse.
Beiden Geschlechtern sind symmetrische Verdickungen mit Brustwarzen
an der seitlichen Gegend der Brustwand eigentümlich, die sogenannten Brüste.
Sie enthalten ein drüsiges Gewebe, das sich beim Weibe stärker entwickelt