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Ein gemeinsamer wichtiger Erfolg war an und für sich ein festes
politisches Band. Der Erfolg beruhte in diesem Fall überdies auf dem
ausdrücklichen Wunsch von beiden Seiten, daß die neue enge Verbindung
der Ausgangspunkt und das Unterpfand eines vertrauensvollen Zusammenwirkens
auf allen Gebieten der Reichspolitik sein möge. Die
Vereinbarung war endlich getragen von der offenkundigen Zustimmung
des deutschen Volkes, welches in der Lösung der großen Frage durch
das Einverständnis der Regierung mit einer erheblichen Mehrheit des
Reichstags eine Ersüllung der jüngst kundgegebenen Wünsche finden
mußte.
Die Krise hatte ihre besondere Bedeutung darin gehabt, daß die
natiovalliberale Partei es war, welche anfangs entschlossen schien, in
die Reihen der Opposition einzutreten, oder vielmehr die einzige in
Betracht kommende Opposition zu bilden. Von der fortschrittlichultramontanen
Opposition hatte man sich keiner anderen Haltung zur
Vorlage, als einer feindseligen, zu versehen, aber auch keine Gefahr
zu besorgen gehabt. Die Aufregung des deutschen Volks galt der
Haltung der nationalliberalen Partei. Die fortschrittlich-ultramontane
Opposition machte ihre Isolierung durch eine desto schärfere Sprache
quitt. Der Abgeordnete Richter that dies, indem er den Nationalliberalen
vorwarf, daß sie, im Widerspruch mit früheren Aeußerungen,
die konstitutionellen Rechte des Volkes preisgäben, indem er sich in
wegwerfendem Tone über die Versammlungen und Adressen äußerte,
in welchen sich das Volk für die unbedingte Annahme des Gesetzes
ansgesprochen hatte, und indem er sich der Ausdrücke „Ausgeburten
von Unverstand“, „Leidenschaften der Menge“, „beliebig zusammengewürfelte
Haufen bediente. Von den Ultramontanen sprachen Reichensperger
(Olpe) und Mallinckrodt gegen den Kompromißantrag, welcher
„Volksvertretung und Bundesrat, das Rechtsprinzip und das wirkliche
und wahre Interesse der Armee selbst“ kompromittiere und das Verhälinis
der nationalliberalen Partei zu dem „Imperator auf dem
Ministerstuhl“ deutlich kennzeichne. Der Lärm über die „Kompromißsucht“,
die „Charakterlosigkeit“ und die „Fahnenflucht“ der Nationalliberalen
überdauerte noch die Session. Die Nationalliberalen hatten
an der Nation die beste Rückendeckung.
Durch das Reichsmilitärgesetz wurde nur noch die Stärke des Heeres
fixiert, nicht mehr wie bisher die Geldsumme zu dessen Unterhaltung.
Die Militärverwaltung kam nach dem Pauschquantum wieder unter
die Spezialkontrolle einer parlamentarischen Körperschaft, es mußte der
Nachweis für die Notwendigkeit und Höhe jedes Postens geführt werden.
Robolsky, Der deutsche Reichstag.