Contents : Preußische Geschichte. Vierter Band. (4)

III.  Die  Anfänge  Friedrich  Wilhelms  IV.
1840  -  184.

Am  14.  Mai  1840  starb  Altenstein,  ein  Geist  von  seltener
Tiefe  und  freiem  und  eigentümlichem  Gedankengange,  einer
der  letzten  Vertreter  der  großen  Reformzeit.  Freilich  hatte  auch
er  der  Reaktion  Zugeständnisse  machen,  ja  sie  den  Universitäten
gegenüber  vertreten  müssen.  Aber  indem  er  sie  vor  der  geistigen
Nacht  bewahrte,  die  sie  bedrohte,  rettete  er  Preußens  Zukunft.
Der  König  war  seit  Ende  April  ernstlich  leidend,  und  das
Volk  hielt  fest  an  dem  fatalistischen  Glauben,  auch  im  19.  Jahrhundert
  müsse  das  Ende  des  vierten  Jahrzehnts  einen  Thronwechsel
  bringen.  Darüber  vergaß  es  die  schwebenden  Irrungen
und  umgab  des  Königs  Krankenlager  ehrerbietig  mit  liebender
Teilnahme,  zumal  die  Gefahr  eines  Krieges  mit  Frankreich,
welche  die  ägyptisch-türkischen  Wirren  heraufbeschworen,  eine
hochgehende  patriotische  Erregung  entfesselte.  Man  freute  sich,
im  Gegensatz  zu  dem  demonstrativ  erneuten  Napoleonkultus
an  der  Seine,  auch  des  großen  Königs  Andenken  wieder  mehr
zu  Ehren  gebracht  zu  sehen.  Die  Akademie  wurde  mit  der
Herausgabe  seiner  Werke  beauftragt,  und  am  1.  Juli  legte
der  Kronprinz  in  Vertretung  des  Vaters  den  Grundstein  zu
dem  von  Nauch  zu  schaffenden  Friedrichsdenkmal.  Wenige
Tage  danach  verschlimmerte  sich  des  Königs  Zustand.  Am
Nachmittag  des  ersten  Pfingstfeiertages  (7.  Juni)  trat  der  Tod
ein.  In  dem  Charlottenburger  Mausoleum  an  der  Seite  der
Königin  Luise  wurde  Friedrich  Wilhelm  III.  zur  letzten  Ruhe
bestattet.

Anders  als  hundert  Jahre  früher  die  Regierung  des  großen
Königs  (Bd.  III,  S.  234)  fand  diese  einen  versöhnenden  Abschluß
  in  der  aufrichtigen  Trauer  des  Volkes.  Indem  es  vor