Hannovers Politik. PDreußens gefährdete Stellung im Bunde. Außerung Walewskis. 255
Anlicht ist, vielleicht das Werk Zimmermanns, der sowohl den König wie Dlaten be-
berrscht. Mein Hanöverscher Tollege bier bemerkte dazu, daß Oestreich der einzige
Hof sei, der einen Gesandten in Hanover habe; die von Preußen, Außland und
Frankreich:) seien fort; von letzterm börte ich dabei, daß seine Stellung sehr
schlecht sei, er sich viel Seinde mache und Politik auf eigne Hand mu treiben
luche; so habe er in der NReuenburger Sache gegen uns operirt, im Widerspruch mit
leiner Regirung. Es sei für uns schlechterdings nothwendig, einen ständigen Gesandten in
Hanover m haben, wenn wir Einfluß dort dehalten wollten; Esenburg habe den besten
Willen, sei aber durch die untergeordnete Stellung und die geringen SGeldmittel ebenfosehr
wie durch das Bedürfniß, sich die perfönlichen Sympathien in Hanover und die Aussicht
auf die Vachfolge bei ARostitz Abgang zu erbalten, an einem festen Auftreten verbindert.
Ein MUaßstab für die Gefühle, welche König Georg uns und Oestreich widmet,
liegt in der Berschiedenheit, mit welcher der Fall des Jahdebusens und der von
NRastadt aufgefaßt wird. Für die Entwicklung deutscher Wehrkraft zur See läßt
sich noch patriotischer argumentieren, wie für die östreichische Vertheidigung Ra—
stadts, und letztres ist in ganz anderm Sinne ein Swing-Uri für den Südwesten,
als die Jahde für den A##rdwesten Deutschlands. Die Nedensarten von der fran-
Msischen Einmischung liefern dem Könige von Hanover einen sehr willlrommnen Vor-
wand, sich in dem Dilemma zwischen uns und Östreich in anscheinender sittlicher Ent-
rüstung auf die Seite des letztern zu schlagen. Es scheint, daß die deutschen Staaten sich
gewöhnen, nur Östreich als hinreichend souverän zu betrachten, um ihm eine felbständige
Politik zu gestatten, an die sich dann Preußen jederzeit anschließen muß, bei Strafe für
„undeutsch“ erklärt zu werden. Wenn wir uns durch derartige Theorien meistern lassen,
Jo werden wir bis zu einer Linie gedrängt werden, an der wir den Bund nicht mehr halten
können, wenn wir uns nicht selbst aufgeben wollen. Seigen wir aber die Entschlofsenbeit,
uns das Necht der selbständigen Politik und der entscheidenden Cinwirkung auf die Ge-
schicke Deutschlands durch jedes Mittel zu erhalten, so wird die Einigkeit Deutschlands
fester werden, indem die Überhebung Östreichs und der Mittelstaaten aufbört, unfre
Stellung im Bunde undaltbar m machen. Sch will damit nicht sagen, daß sie schon unhalt-
bar wäre; sollten wir aber berufen sein, innre oder äußre Stürme zu bestehn, so macht
es, bei einer eitlen Mation, wie wir sind, einen bedenklichen Unterschied, ob vermöge der
auswärtigen Stellung, die wir haben, das preußische Aational-Gefühl gedrückt oder be-
friedigt ist; das eine oder das andre wird es heut zu Tage jsiemlich genau in dem Ver-
bältniß sein, in welchem man im Lande glaubt, daß wir abhängig oder unabhängig von
ÖOstreich uns bewegen, und ich zweifle nicht, daß es unsern innern Suständen wohlthun
würde, wenn sich im Lande der Eindruck auffrischte, daß die Regirung eine feste
Stellung ÖOstreich gegenüber einnimmt.
Sehr schlagend ist die Außerung des Frafen Walewski gegen Baden, daß es ihn
überrasche, dieselben Regirungen, welche über den Durchmarsch der Preußen nach der
Schweiz in Paris angefragt hätten, jetzt Jo empfindlich darüber m sehn, daß Srank-
reich seine Ansicht über die Sestsetzung Oestreichs in Baden äußre.
In Betreff der dänischen Frage ist hier bei den Gesandten von Oestreich, Sachsen,
Würtemberg, Baden, beiden Hessen, Luxemburg, Nassau, der 16. Stimme und natirlich
Holstein nicht der mindeste Cifer m püren, ste bald an den Bund gebracht m sehn; man
) Graf v. Aerulot.