Diese Entwicklung förderte Walter Rathenau ebenso wie Ascher Ginzberg durch
die Verbreitung bolschewistischer Ideen, die den „Staatssozialismus“ in Form der
Diktatur des Proletariats kündeten, aber die Herrschaft der „Finanz“ magnaten“,
d. h. der überstaatlichen Mächte, erstreben und sobald als möglich verwirklichen
sollen, bevor noch die Deutschen und dabei die Deutschen Wirtschaftführer und
Handarbeiter sich auf sich selbst besinnen können.
Die Besuche Walter Rathenaus bei mir während des Krieges, vor allem sein
letzter im Frühjahr 1917 in Kreuznach, haben die unangenehmsten Eindrücke in
mir hinterlassen. Ich hatte bei diesem letzten Besuch den Eindruck, als wisse er von
Furchtbarem und wolle mich irgendwie gewinnen. In seinen Briefen an mich drang
immer der Unterton durch, England müsse zerstört werden. Heute erkenne ich die
ganze Unwahrhaftigkeit seines Handelns mir gegenüber. Als „Judenfürst“ und als
Sohn seines Wolkes handelte er so, wie eben diese in ihrem Antigosismus nach
Jahwehs Geboten handeln müssen“).
Wenn Br. und Oberst Mandel-House, der Vertrauensmann Br. Wilsons, in
seinen Memoiren berichtet, bei seinem letzten Besuch in Berlin, den er zur Sabotage
Deutscher Rüstung in der Vorkriegszeit unternahm, habe er festgestellt, einflußreiche
Kreise wünschten den Abschluß eines Bündnisses zwischen Frankreich,
England und den Wereinigten Staaten, damit ein etwaiger Sieg Deutschlands in
einem zukünftigen Kriege völlig unmöglich sei, so können diese einflußreichen Kreise
nur der Kreis Walter Rathenaus gewesen sein, mit dem Jude und Br. Mandel-House
auch während des Krieges verkehrt hat.
In den Vertretern seiner „Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaf“ — AEG. —
im Auslande hatte dieser „Judenfürst“ sein Diplomatenkorps. Er trieb unauffällig
seine Politik. So war der bekannte Br. Loucheur Vertreter der AE G. und zugleich
Gesandter Rathenaus in Paris. Auch der bekannte Bolschewist Krassin war Vertreter
einer großen Berliner Elektrizitätsgesellschaft.)
„Worsichtig“ hatte der Kreis um Walter Rathenau vorgearbeitet. Am 120. Gedenktage
des Bastillensturmes in Paris, am 14. Juli 1909 war der Halbjude und
Br. Freimaurer von Bethmann-Hollweg Reichskanzler des Deutschen Reiches geworden.
In ihm hatte Walter Rathenau einen mehr als nur folgsamen, einen überfanatischen,
überzeugten Förderer jüdischer Interessen.
Der Kaiser hatte im Jahre 1908 mit Recht das Vertrauen in die Zuverlässigkeit
des Schönredners, Fürsten Bülow, verloren. Ziehen die Ereignisse jener
Tage an dem geistigen Auge vorüber, so gewinnt man den Eindruck, daß es sich
*) Ich hatte auch als Chef des Generalstabs im Osten eine Besprechung mit dem Juden
Nathan vom Hilfsverein „Deutscher“ Juden. Obschon ich mich auch der Juden im besetzten
Gebiet pflichtmäßig annahm, betrachtete mich dieser Jude mit so haßerfüllten Blicken, wie ich
sie bei Nichtjuden noch nie beobachtet habe.
**) Walter Rathenau hatte, wie ich jetzt sehe, auch einen Vertreter im Hauptquartier Ober-Ost.
Weil dieser persönlich ein tüchtiger Arbeiter war, will ich seinen Namen nicht nennen. Doch
hatte es Walter Rathenau für gut gehalten, ihn mir plötzlich Anfang Oktober 1918 in das
Große Hauptauartier zu schicken, um mir etwas von der „Levée en masse“ vorschwatzen zu
lassen, damit ich nur ja seine eigentlichen Pläne nicht durchschauen sollte.
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