505
wuͤrden. Man sieht, wie viele Feinde der Mann, bei aller
seiner Orthodoxie, haben mußte; die Geistlichkeit, besonders
der Erzbischof, waren seine geschwornen Feinde, so wie alle
Deutschen in Prag. Es gelang ihm wirklich, bei der naͤchsten
Rektorwahl, wo er selbst gewaͤhlt wurde, das Recht geltend
zu machen, daß den Boͤhmen drei, den Deutschen nur eine
Stimme gebühre. Sogar auf dem Rathhause in Prag wurden
die Demschen eben so delogirt, wie bei der Universfität.
Dieß veranlahre die heftigste National-Erbitterung, so daß
der größte Theil der Deutschen am hellen Mittage, den alten
Rektor an ihrer Spitze, aus Prag auszogen. Einige sagen,
es seyen 20,000 gewesen; wohl überrrieben, doch mögen es
ein paar tausend gewesen seyn. Den ausziehenden Studenten
zu Ehren stiftete der Markgraf von Meißen die Universität
Leipzig. Nachher wurde ihnen auch eine Universitär
in Krakau, dann in Ingolstadt gestifter.
Von diesem Faktum an mußte der Haß gegen Huß noch
höher steigen. Selbst die Bürger von Prag waren ungehalten
über die Abnahme der Nahrung, so daß er selbst diesen
verhaßt zu werden anfing. Doch Hussen war's nicht leid.
Er hatte durch den Abzug der Deutschen nicht nur für seine,
Landsleute, sondern etwas für sich persönlich gewonnen. Die
Milosophen und Theologen theilten sich nämlich damals in
Nominalisten und Realisten. Huß war Realist, die
Deutschen größtentheils Nominalisten. Nun hatten sich diese
beiden Parteien immer bei den Köpfen. So lange der deutschen
Magisier viele da waren, konnte Huß nicht fertig werden
mit Disputiren, und ihm lag eben so viel am Unterschiede
zwischen Realisten und Nominalisten, als am Wohl der ganzen
Kirche. Jetzt disputirte. er viel hefriger, ungebundener
auch gegen Pabst und Geistlichkeit, als vorher, so däß der
Erzbischof, der dem bei Hofe beliebten Manne nicht beikommen