Volltext : Die parlamentarische Thätigkeit des Deutschen Reichstages und der Landtage von 1874-1876.

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ich  jedem  Raucher  das  Vergnügen  gönne.  Analog  steht  es  auch
mit  dem  Bier,  dem  Branntwein,  dem  Zucker,  dem  Petroleum
und  allen  diesen  großen  Verzehrungsgegenständen,  gewissermaßen
den  Luxrusgegenständen  (I!)  der  großen  Masse.“  Die  reichskanzlerische
  Offenheit  ist  wirklich  unbezahlbar,  Bier,  Branntwein,
  Zucker,  Petroleum  betrachtet  er  als  Luxusartikel  der
großen  Masse  der  Bevölkerung.  Bisher  galten  sie  als  nothwendige
Lebensbedürfnisse  und  zwar  auch  der  Branntwein,  der  meist  von
Leuten  getrunken  wird,  deren  harte  Beschäftigung  und  schwer
verdauliche  Nahrung  ihn  nothwendig  macht  und  die  in  Folge
roßer  Armuth  nichts  Besseres  kaufen  können.  Der  Leser  mag
64  das  Geständniß  des  Reichskanzlers  merken,  es  ist  ein  interessantes
  Zeugniß,  welche  Auffassung  der  leitende  Staatsmann
von  den  nothwendigen  Lebensbedingungen  des  Volkes  hat.  Daß
ein  solcher  Mann  unfähig  ist,  sociale  Reformmaßregeln  zur
Hebung  der  arbeitenden  Klasse  durchzuführen,  ist  unzweifelhaft,
denn  es  fehlt  ihm  die  erste  Bedingung  dozu,  die  Erkenntniß  oder
das  Zugeständniß,  daß  die  Lage  der  arbeitenden  Klasse  gebessert
werden  muß.  Doch  man  höre  weiter:  „Die  Luxusgegenstände
der  Reichen  würde  ich  sehr  hoch  zu  besteuern  geneigt  sein,  sie
bringen  aber  nicht  viel:  Trüffeln  und  Equipagen,  was  können
sie  bringen?“"  Ja  wohl,  was  können  die  Handvoll  Reicher  an
indirekten  Steuern  bringen,  also  lade  man  sie  auf  die  Masse
ab.  Und  das  nennt  sich  „staatsmännische“  Weisheit  und  Moral.

Das  ist  das  Steuerprogramm,  das  „Ideal“  des  Fürsten
Bismarck,  und  er  meint  es  mit  diesem  Ideal  sehr  ernst  und  er
steht  auch  nicht  allein  mit  diesem  „Ideal.“  Der  Liberalismus
—  von  den  Conservativen  ganz  zu  schweigen  —  würde  mit
Freuden  sofort  dieses  „Ideal“  verwirklichen  helfen,  wenn  die
Wähler  nicht  wären.

An  den  Wählern  ist  es  aufzupassen  und  Niemand  ihre
Stimme  zu  geben,  den  sie  nicht  genau  auf  seine  „Steuerideale“
gepruft  haben.

Hören  wir,  wie  Herr  Löwe-Calbe,  der  einstige  Fortschritts-Löwe,
  die  Herzensergüsse  des  Fürsten  Bismarck  beurtheilte,  als
er  unmittelbar  nach  ihm  zum  Worte  kam.  „Die  Ausführungen,
die  uns  der  Herr  Reichskanzler  vorgelegt  hat,  treffen  ohne  Zweifel
in  ihren  Ideen  überall  im  Hause  und,  wie  ich  überzeugt  bin,
auch  in  dem  Lande  auf  die  größte  Sympathie  ir
können  auch  seinen  Gedanken  zustimmen,  die  er  im  Allgemeinen
über  das  Verhalimeß  der  direkten  und  indirekten  Steuern  ausgedrückt
  hat.“

Herr  Dr.  Löwe  hält  zwar  die  Abschaffung  der  Salzsteuer
für  nothwendig;  er  wendet  sich  auch  gegen  die  Echöhung  ver
Biersteuer,  weil  die  Behauptung  Bismarck's,  je  höher  die  Bier-